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UN-Klimakonferenz : Merkel fordert entschlossenes Handeln

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nation hat Bundeskanzlerin Merkel den Klimaschutz als „ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft“ bezeichnet. UN-Generalsekretär Ban forderte die Staatengemeinschaft auf, rasch zu handeln.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die großen Industriestaaten aufgefordert, Vorreiter bei der Reduzierung von Treibhausgasen zu werden. Der vom Menschen verursachte Klimawandel werde „dramatischen Schäden führen wird, wenn wir nicht entschlossen handeln“, warnte Merkel am Montagabend (Ortszeit) auf dem Weltklima-Gipfel der Vereinten Nationen in New York. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif forderte unterdessen von Deutschland konkrete Anstrengungen für den Klimaschutz. Fachleute betonten die Bedeutung des Klimaschutzes für politische Entscheidungen, waren sich jedoch über seine Ursachen und Folgen uneins.

          Die Bundeskanzlerin, die an diesem Dienstag auch vor dem Plenum der Vereinten Nationen über den Klimaschutz sprechen wird, zeigte sich überzeugt, dass Wirtschaftswachstum und Wohlstand gesteigert werden könnten und zugleich eine Halbierung der Emissionen erreicht werden könne. „Wir können gewaltige Potentiale zur Minderung von Emissionen erschließen, indem wir moderne Technologien nutzen und weiter entwickeln“, sagte Frau Merkel: „Klimaschutz ist also auch ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft.“

          Deshalb habe die EU unter der deutschen Präsidentschaft eine integrierte klima- und energiepolitische Strategie beschlossen. Diese solle bis zum Jahr 2020 eine Minderung der Treibhausgase um mindestens 20 Prozent im Vergleich zu 1990 erreichen. Europa sei sogar zu einer Minderung um 30 Prozent bereit im Rahmen eines Abkommens der UN, bei dem „weltweit alle Staaten einen fairen Beitrag leisten“. Schwellen- und Entwicklungsländer sollten weiter ein starkes Wirtschaftswachstum erzielen, wobei die Emissionen zunehmend vom Wachstum entkoppelt werden sollten.

          Merkel: Technologien für den Klimaschutz nutzen

          Bush blieb der Konferenz fern

          Zum Auftakt der eintägigen Weltklimakonferenz hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eindringlich zu gemeinsamem Handeln aufgerufen. „Die beispiellose Herausforderung durch den Klimawandel verlangt ein beispielloses Handeln. Und eine beispiellose Führerschaft, Ihre Führerschaft“, sagte Ban zu Beginn der Konferenz, an der ranghohe Regierungsvertreter aus mehr als 150 Ländern teilnehmen, unter ihnen 80 Staats- und Regierungschefs, nicht aber der amerikanische Präsident George W. Bush. „Wenn wir nicht handeln, werden die Folgen verheerend sein“, warnte Ban in seiner Eröffnungsansprache. „Wir haben die Mittel und Techniken, das Problem sofort anzugehen. Was wir nicht haben, ist Zeit.“

          Ban warb eindringlich dafür, Lösungen zum Klimaschutz innerhalb des institutionellen Rahmens der UN zu suchen. „Keine Nation kann das Problem allein anpacken“, sagte Ban und sprach von der Erderwärmung als einer „Art von globaler Herausforderung, für deren Lösung die UN am besten geeignet sind“. Er warb eindringlich für ein neues Abkommen zur Reduktion der schädlichen Treibhausgase. Zunächst sollten die Emissionen auf dem heutigen Niveau festgeschrieben werden. Dann müssten die Staaten bis 2050 den Ausstoß um zwei Drittel senken.

          Umfrage: Klimaschutz wie eine Art Religion

          Der Klimaforscher Mojib Latif sagte unterdessen, er glaube nicht an einen Durchbruch zum Klimaschutz beim Gipfel in New York. „Dass sich die Vereinigten Staaten auf verbindliche Ziele zur Reduktion von Kohlendioxid einlassen, ist mehr als unwahrscheinlich“, sagte er den in Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“. Auch Deutschland sei nicht glaubwürdig. 2006 sei der Treibhausgas-Ausstoß in der Bundesrepublik gestiegen. „Angela Merkel mag auf der internationalen Bühne zwar die große Klimaschützerin spielen. Aber irgendwann muss auch mal etwas Konkretes im eigenen Lande geschehen“, sagte Latif.

          Die Zeitung „Die Welt“ berichtet unter Berufung auf eine Umfrage der Universität Mainz unter mehr als 130 deutschen Fachleuten, Experten seien der Meinung, der Kampf gegen den Klimawandel habe als Letztbegründung von Macht- und Gestaltungsansprüchen in Deutschland die Funktion übernommen, die Nation und Religion in der Vergangenheit besaßen. Der Klimaschutz legitimiere staatliche Eingriffe in die Energieversorgung, die Technologieförderung und den Wohnungsbau. „Mit dem Klima kann man alles begründen - von Subventionen für Wind- und Solarenergie, Vorschriften für den Bau von Eigenheimen und bis hin zur steuerlichen Behandlung von Dienstwagen“, zitierte das Blatt aus der Erhebung.

          Zugleich habe die Umfrage deutliche Unterschiede in der Einschätzung der Klimaentwicklung gezeigt, schrieb die Zeitung. 84 Prozent der Klimaexperten seien der Meinung, dass die klimatischen Prozesse noch nicht hinreichend verstanden seien. 46 Prozent gaben dem Menschen die Hauptschuld am Klimawandel, 27 Prozent eine Mitschuld. Ein gutes Viertel halte den Menschen für nicht verantwortlich für die Erderwärmung. Nur eine knappe Mehrheit der Forscher sehe in den Folgen des Klimawandels Gefahren für die Menschen.

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