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Klimawandel : Werden sich Grönlands Gletscher bald stabilisieren?

  • -Aktualisiert am

Ausläufer eines Gletschers in Grönland Bild: AP

Nach Modellrechnungen einer internationalen Forschergruppe sollte sich das schnelle Abschmelzen grönländischer Gletscher als vorübergehendes Phänomen entpuppen. Selbst bei weiterem Temperaturanstieg würden sich die Gletscher demnach in Kürze stabilisieren.

          Die Folgen des Klimawandels zeigen sich am deutlichsten an den Gletschern auf Grönland. In nahezu jedem Sommer werden dort neue Rekorde über die Schmelzraten an der Oberfläche des Eispanzers gemeldet. Das Schmelzwasser fließt zum Teil direkt ins Meer ab, oder es dringt durch den Gletscher bis zum Boden, wo es gleichsam wie ein Schmiermittel wirkt. Auf ihm kann der Gletscher dann schneller zur Küste rutschen, wo er gewaltige Eisberge kalbt.

          Auf beiden Wegen gelangt das Schmelzwasser ins Meer und führt dort zum Anstieg der Pegel. Auf der Basis der Rekordwerte in jüngerer Zeit hat beispielsweise der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts zum Teil dramatisch hohe Pegelstände vorhergesagt. Aufgrund von Modellrechnungen kommt eine internationale Forschergruppe jetzt aber zu dem Schluss, dass der recht schnelle Rückzug der Gletscher Grönlands nur ein vorübergehendes Phänomen ist. Selbst bei weiterem Temperaturanstieg würden sich die Gletscher in Kürze stabilisieren.

          Dürftige Erfassung der Eisbewegungen

          Wie deutlich der Einfluss der Erwärmung in den hohen Breiten der Nordhemisphäre auf die Eiskappe in Grönland ist, bezeugen Satellitenmessungen. Danach konnte im vergangenen Sommer auf mehr als der Hälfte der Gesamtfläche des Eises in Grönland Schmelzwasser nachgewiesen werden. Insgesamt, so schreibt eine amerikanische Forschergruppe um Sebastian Mernild von der University of Alaska in Fairbanks jetzt in der von der American Geophysical Union herausgegebenen Publikation "Eos" (Bd. 90, S. 13), sind in den vergangenen zwölf Jahren von den Gletschern Grönlands in jedem Jahr mindestens 400 Kubikkilometer Schmelzwasser abgeflossen.

          Diesen aufgrund der Satellitenbeobachtungen relativ zuverlässigen Messungen stehen nur dürftige Erfassungen der Eisbewegungen gegenüber. Vor allem liegen über die Fließgeschwindigkeiten der Gletscher weiter im Inland nur sporadische Messdaten vor. Die Bilanz der Eismassen Grönlands, aus der sich der künftige Anstieg des Meeresspiegels abschätzen lässt, ist deshalb noch nicht vollständig bekannt. Es gibt für sie nur eine Reihe von Modellrechnungen. Eine britisch-amerikanische Forschergruppe um Faezeh Nick und Andreas Vieli von der Durham University hat die entsprechenden Modelle nun einer kritischen Vergleichsstudie unterzogen. Dabei kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass aus der gegenwärtigen Rekordmenge an Schmelzwasser der Rückzug der Gletscher nicht langfristig hochgerechnet werden kann.

          Konsequenzen für prognostizierten Meeresspiegelanstieg

          Wie die Forscher in der Zeitschrift "Nature Geoscience" schreiben, besteht auch ihrem neuen Modell zufolge kein Zweifel daran, dass die seit einigen Jahren beobachtete verstärkte Eisschmelze unmittelbare Auswirkungen auf den Zungenbereich des Gletschers hat. So simuliert das Modell beispielsweise das bis zum Jahre 2005 gemessene schnelle Vordringen des Helheim-Gletschers, eines der größten bis ins Meer reichenden Gletscher Grönlands, recht genau. Im Gegensatz zu den anderen Modellen der Gletscherbewegungen erfasst das britisch-amerikanische Modell aber auch die erhebliche Verlangsamung des Gletschervorstoßes, die seit einigen Jahren gemessen wird. Die Modellrechnungen ergeben sogar, dass sich der Helheim-Gletscher in einigen Jahren weiter im Inland stabilisieren wird.

          Sollte das Modell tatsächlich die langfristigen Verhältnisse in Grönland beschreiben, dann hätte das erhebliche Konsequenzen für die Berechnung des künftigen Meeresspiegelanstieges. Käme es nämlich zur vorhergesagten Stabilisierung der Gletscher, wäre der Anstieg weit weniger dramatisch, als die Forscher gegenwärtig annehmen.

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