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Klimawandel : Was jetzt zu tun ist

  • -Aktualisiert am

Die Gewalt der Natur könnte sich bald vervielfachen (San Sebastian, Februar 2006) Bild: AP

Atomkraftwerke helfen nicht, aber wir dürfen hoffen: Das Feuilleton der F.A.Z. vom Freitag ist in wesentlichen Teilen geschrieben von wichtigen Klima-Forschern. Ihre Bilanz ist alarmierend - und lässt dennoch Hoffnung: Wir haben es in der Hand, die Krise zu lösen. Von Frank Schirrmacher.

          3 Min.

          Wir haben heute unseren Platz geräumt. Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Freitag ist in wesentlichen Teilen geschrieben von wichtigen Klima-Forschern. Es sind die Mitautoren des UN-Klimaberichts, der Anfang Februar die Weltöffentlichkeit alarmierte, und des vor einigen Monaten in England erschienenen Stern-Reports. Vieles von dem, was heute allgemein über den Klimawandel bekannt und anerkannt ist, entstammt ihren Berechnungen.

          Wir haben den Wissenschaftlern angeboten, sich des Feuilletons zu bemächtigen. Sie sollen der skeptischen Öffentlichkeit klarmachen, was bei den aktuellen Debatten pure Medienhysterie ist und was schieres Faktum. Sie haben dieses Angebot angenommen. Sie sind heute die Herren dieser Seiten. Sie schildern, auch mit Blick auf die heranwachsenden Schüler und Kinder, welche Welt das sein wird, in der wir leben. Sie versuchen, so wenig alarmistisch wie möglich zu sein. Was übrig bleibt, ist alarmierend genug.

          Wissenschaft wird tagesaktuell

          Im Jahr 2004 wurde, wie Al Gore berichtet, Brasilien zum ersten Mal von einem Hurrikan heimgesucht. Bis dahin galt das unumstößliche Gesetz, dass es im Südatlantik keine Hurrikane gebe. In einer Welt, in der die wissenschaftlichen Lehrbücher umgeschrieben werden, weil die alten Wahrheiten plötzlich nicht mehr gelten, wird Wissenschaft tagesaktuell. Die Klimaforscher sind die Ersten, die ihre Texte ändern. Bald werden es die Geographen sein, die die Landkarte der Erde neu zeichnen müssen.

          Wir wollten wissen, was man eigentlich über die Klimakrise wissen kann, wenn man sich seit Jahrzehnten mit ihr befasst. Was geschieht? Wann geschieht es? Und schließlich: Geschieht es? Darauf gibt die Feuilleton-Ausgabe vom Freitag eine Antwort. Und eine wichtige Information: Keiner der Forscher hält den Ausbau der Atomenergie für eine Option. Denn das würde, wie Ottmar Edenhofer nachweist, einen Ausbau des Schnellen Brüters und faktisch den riskanten Einstieg in die Plutoniumwirtschaft bedeuten. Sie zeigen in ihren Berechnungen, daß wir ohne Atomkraftwerke die dritte industrielle Revolution einleiten können.

          Federführend bei wichtigen Klimaberichten

          Die im Feuilleton versammelten Texte stammen fast ausschließlich von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und wurden für diese Zeitung geschrieben. Das Institut zählt, neben dem Max-Planck-Institut für Meterologie, zu einer der weltweit renommiertesten Forschungsstätten auf dem Gebiet des Klimawandels. Die Potsdamer Forscher sind federführend in einer Reihe der wichtigsten Klimaberichte; ihre Erkenntnisse und Berechnungen flossen in den jüngsten Bericht der Vereinten Nationen ein.

          Die Potsdam-Institut residiert auf dem Telegraphenberg, jenem Ort, der bereits schon einmal vor mehr als hundert Jahren die Geburt der Leitwissenschaft eines Jahrhunderts erlebte. Hier wurde 1879 das weltweit erste astrophysikalische Observatorium gebaut, hier entdeckte Johannes Hartmann 1904 die interstellare Materie, hier steht der Turm, auf dem Einstein den Himmel studierte, um seine Theorie zu überprüfen. Es ist fast symbolisch, dass das Potsdam-Institut jetzt in diesem alten Observatorium arbeitet. Auch hier entsteht womöglich eine Leitwissenschaft. Man hört, dass mittlerweile selbst amerikanische Spitzenpolitiker die Potsdamer Forscher um Auskunft angehen. Wer die Feuilleton-Seiten liest, wird feststellen, wie ernst die Lage ist. Das Gesicht des Planeten könnte, wie es an einer Stelle heißt, nicht nur verändert, sondern geradezu entstellt werden, wenn es uns nicht gelingt, den Anstieg der Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Was Deutschland angeht, so befürchten Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe und Peter Werner sogar, dass die aktuellen Klimaszenarien die wirkliche Entwicklung eher untertreiben.

          Wir halten die Mittel in der Hand

          Wenn man weiß, was man wissen kann, und wenn man weiß, was man tun sollte - auch das wird auf den Feuilleton-Seiten präzise beschrieben - , bleibt immer noch die dritte Frage: die Frage, danach, was man hoffen darf. Die Antwort darauf, auch das zeigen diese Seiten, ist selbst hoffnungsgebend: „Wir brauchen“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, „nichts weniger als eine Dritte Industrielle Revolution. Es ist ein unglaublicher Zufall, dass die Menschheit in diese Klimakrise stürzt, aber gleichzeitig die Mittel in der Hand hält, die Krise vorherzusagen und zu lösen.“

          Deutschland ist das Land der international führenden Klimaforschung. Es könnte, um nur dieses Beispiel zu nennen, auch das Land der modernsten Autos werden, ehe andere auf die Idee kommen; Europa selbst, von den Sonnenkollektoren Andalusiens bis hin zu den Wasserkraftwerken Norwegens, könnte ein Energieverbund werden, der als Modell anderer Kontinente taugt und neue Märkte erschließt.

          Also ausgerechnet das europäische Krisenbewusstsein, das uns so viel müder und skrupulöser macht als die Bewohner alle anderen Kontinente, könnte uns jetzt helfen, als Erste aufzuwachen und etwas zu tun. Während die anderen noch schlafen.

          F.A.Z.-Service für Schulen

          Schulen können diese Ausgabe des Feuilletons unter der Rufnummer 0180/212 5 212 (6 Cent je Gespräch aus dem Festnetz) in angemessener Stückzahl kostenlos anfordern.

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