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Klimawandel : UN: Gemeinsame Strategie - „sonst läuft uns die Zeit davon“

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Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Die Zukunft des Weltklimas hängt davon ab, ob Industrie- und Entwicklungsländer sich bis 2010 auf eine gemeinsame Strategie einigen können, den Ausstoß an Treibhausgasen bis zur Mitte des Jahrhunderts zu halbieren.

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          Die Zukunft des Weltklimas hängt maßgeblich davon ab, ob Industrie- und Entwicklungsländer sich bis 2010 auf eine gemeinsame Strategie einigen können, den Ausstoß an Treibhausgasen bis zur Mitte des Jahrhunderts zu halbieren. Diese Ansicht hat der Generalsekretär der UN-Klimakonvention, Yvo de Boer, am Freitag in einem Gespräch mit dieser Zeitung vertreten.

          De Boer sagte, an die Stelle des ersten Kyoto-Protokolls müsse nach dessen Auslaufen im Jahr 2012 eine Regelung treten, der sich auch Amerika, Australien und China anschließen könnten. Angesichts immer neuer Warnungen aus der Klimaforschung stehe aber fest, dass die Reduktionsziele für Treibhausgase nach 2012 deutlich strenger ausfallen müssten als in der ersten Phase des Kyoto-Protokolls.

          Zu neuen kurzfristigen Reduktionszielen sollten langfristige Ziele mindestens bis 2050 hinzukommen, damit der Energiesektor seine Investitionen etwa beim Kraftwerksbau nach ihnen ausrichten könne. „Wir müssen der Privatwirtschaft Planungssicherheit für grundlegende Veränderung geben“, sagte der Generalsekretär.

          „Grundlage für einen neuen Klimavertrag“

          Damit das neue Kyoto-Protokoll 2012 in Kraft treten könne, müsse es bis 2010 fertig verhandelt sein. Schon die Vorarbeiten für das Kyoto-Protokoll von 1997 hätten zwei Jahre gedauert, inzwischen sei die Herausforderung aber deutlich gewachsen und die Lage wesentlich komplizierter geworden. Deshalb sei die UN-Weltklimakonferenz im Dezember auf der indonesischen Insel Bali von herausragender Bedeutung.

          „Auf dieser Konferenz muss die Grundlage für einen neuen Klimavertrag für die Zeit nach 2012 geschaffen werden, sonst läuft uns die Zeit davon“, warnte de Boer. Den Regierungen lägen bis Dezember alle Berichte des Zwischenstaatlichen Rats für Klimawandel (IPCC) vor, womit eine verlässliche Entscheidungsgrundlage gegeben sei.

          „Ein Weckruf“

          Schon der am 2. Februar veröffentlichte erste Teil der neuen IPCC-Lageeinschätzung habe deutlich gemacht, wie stark sich die Erdatmosphäre erwärmen werde, wenn es nicht gelinge, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Aktuelle Vorabveröffentlichungen aus einem weiteren IPCC-Bericht, wonach der weltweite Ausstoß vom Jahr 2020 an deutlich sinken und bis 2050 halbiert werden müsse, bezeichnete de Boer als „Weckruf“.

          Eine offizielle Stellungnahme dazu werde zwar erst im Mai von Regierungsvertretern verabschiedet, die Empfehlungen könnten sich also noch ändern. Die vorab publizierten Forderungen spiegelten aber wider, was die Klimawissenschaft empfehle, weshalb sie sehr ernstzunehmen seien.

          „China ist nicht untätig“

          De Boer sagte, dass die Industrieländer sich darauf einstellen müssten, einen großen Teil der notwendigen Reduktionen von Treibhausgasen zu erbringen. „Die Entwicklungsländer müssen auch mit Reduktionen anfangen, aber man wird sie nicht in gleichem Maß belasten können wie die hochentwickelten Länder“, sagte der Generalsekretär. Er hob hervor, dass China schon heute erheblich in den Ausbau erneuerbarer Energien investiere und besonders ineffiziente Kohlekraftwerke vom Netz nehme: „China ist nicht untätig, es wartet aber auf ein klares Signal der hochentwickelten Länder, die Reduktion von Treibhausgasen ernsthaft anzupacken.“

          Das Kyoto-Protokoll hat sich nach Ansicht des Generalsekretärs grundsätzlich bewährt: Es habe erstmals internationale Minderungsziele festgelegt, Kohlendioxid-Emissionen einen realen Preis zugeordnet und den Blick über das Treibhausgas Kohlendioxid hinaus auf fünf andere Gase erweitert, etwa Methan. „Kyoto hat keine grundlegenden Fehler“, sagte de Boer. Nur seien eben deutlich ambitioniertere Ziele nötig als ein Minus von 5,2 Prozent gegenüber 1990.

          De Boer lobte ausdrücklich das Engagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Klimapolitik. Die Zusage, dass die EU bis 2020 den Kohlendioxidausstoß um zwanzig bis dreißig Prozent reduzieren werde, sei ein Erfolg der deutschen EU-Präsidentschaft. Er hoffe, dass der deutsche G-8-Vorsitz ähnlich fruchtbar sei.

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