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Klimawandel : Rekordtemperaturen in der Arktis

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Durch die globale Erwärmung schmilzt das Eis in den polaren Regionen immer schneller Bild: AP

Die Folgen des Klimawandels in der Polarregion könnten gravierender ausfallen, als einige Prognosen bisher erwarten ließen. Nach einer aktuellen Studie liegt die Temperatur in der Arktis derzeit fünf Grad über dem herbstlichen Normalwert. Der Meeresspiegel steigt deutlich an.

          Der Klimawandel wirkt sich in der Arktis immer dramatischer aus. Wie aus dem dritten Arktisbericht von 46 Wissenschaftlern aus zehn Ländern hervorgeht, liegen die Temperaturen zurzeit um fünf Grad über dem Normalwert des Monats Oktober und damit so hoch wie nie zuvor im Herbst. 2007 war bisher insgesamt das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in der Region.

          Die Schmelze der Eisberge erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert, für dieses Jahr rechnen die Wissenschaftler mit dem zweithöchsten Wert seit Beginn der Messungen. So verlor die Eisdecke auf Grönland im vergangenen Jahr nach Angaben der Wissenschaftler ein Volumen von 101 Kubikkilometern. Das Wasser des Arktischen Ozeans erwärmt sich, sein Salzgehalt sinkt.

          Deutlicher Anstieg des Meeresspiegels

          Der Bericht stellt den bisher höchsten jährlichen Anstieg des Meeresspiegels in der Arktis von 0,25 Zentimeter fest.. Auch das Land erwärmt sich und wird grüner: Wo früher Permafrost herrschte, siedeln sich jetzt Bodendecker immer weiter nördlich an.

          Für die Eisbären wird der Lebensraum immer enger

          Das veränderte Klima beeinflusst das sensible Ökosystem der Region. In der Tierwelt werden die Rentierherden kleiner, während die Zahl der Gänse zunimmt, weil sich ihr Lebensraum erweitert. Wachsende Sorge gibt es um die Eisbären in der Arktis. Unbekannt ist der Status vieler Walross-Kolonien. Bei einigen Walarten nehmen die Bestände zu, bei anderen ab.

          Auswirkungen auf dem ganzen Planeten

          Die Folgen des Klimawandels würden sich in der Polarregion sehr viel klarer als in anderen Regionen der Erde zeigen, meint James Overland von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Es handele sich um einen Dominoeffekt, der von verschiedenen Ursachen ausgelöst werde.

          Gegenüber den 90er Jahren verlaufe der Anstieg der Temperaturen zwar langsamer. Dies sei aber, so Overland, darauf zurückzuführen, dass inzwischen - wie in der Region normal - eine Kälteperiode einen Wärmezyklus abgelöst habe. Wenn der nächste Wärmezyklus einsetze, werde sich der Temperaturanstieg nach seiner Einschätzung wieder beschleunigen.

          Die „Polarstern“ umrundet den Nordpol

          Aufgrund der Eisschmelze konnte die „Polarstern“ als erstes Forschungsschiff den Nordpol komplett umrunden. Dramatische Folgen der Eisschmelze für das gesamte Erdklima seien nicht auszuschließen, sagte die Direktorin des Alfred-Wegener- Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI), Karin Lochte, in Bremerhaven nach der Rückkehr der „Polarstern“. Noch sei aber unklar, ob der Rückgang des Meereises anhalten oder ob es wieder eine kältere Periode geben werde.

          Die kurzfristig eingetretene Eisschmelze hatte dem Forschungseisbrecher „Polarstern“ auf der dreiundzwanzigsten Arktis-Expedition den Schiffsweg durch die legendäre Nordwestpassage geöffnet. Für die Fahrt durch die bislang als unpassierbar geltende nördlichste Route benötigte das Schiff vier Tage. Nach Angaben des „Polarstern“- Kapitäns Stefan Schwarze war die Strecke allerdings nicht vollständig eisfrei. Die Passage gilt als mögliche künftige Verkürzung des Seeweges zwischen Europa und Fernost.

          (Dritter internationaler Arktis-Bericht im Internet.)

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