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Klimawandel : Die Techno-Kreationisten an der Klimafront

  • -Aktualisiert am

Bohrungen für das größte europäische Projekt zur Versenkung von Kohlendioxid in Ketzin, unweit von Berlin. Bild: ddp

Man muss nur dran glauben: Großtechnische Visionen treiben die Forschung wider den Klimawandel an. Doch sollten ausgerechnet „Geo-Ingenieure“ die Welt retten können? Auf ihrem Weg zum Geo-Engineering großen Stils stolpern die Forscher immerhin auch über viele Lösungen kleineren Zuschnitts.

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          Die Erde gegen den Klimawandel wappnen, sie gleichsam gegen das Übel "impfen", Treibhausgase auf Nimmerwiedersehen in die Tiefsee verfrachten? Allein der Gedanke an die technische Beherrschbarkeit der Atmosphäre galt und gilt vielen als zweitschlimmstes Übel in Klimafragen - gleich nach der scheinbar als ketzerisch empfundenen Frage, ob sich nicht mit all dem erfolgslos für Emissionsminderungen verwendeten Geld andere Herausforderungen effektiver angehen ließen.

          Es geht um technisches Erdmanagement, um Ingenieurlösungen in geologischen Dimensionen zur Stabilisierung des Weltklimas - um etwas, das sich international mit dem Schlagwort "Geo-Engineerings" etabliert hat. Konkret lassen sich die verschiedenen Forschungsansätze in zwei Ideen zusammenfassen. Mit der einen wird versucht, die globale Albedo, also den ins Weltall reflektierten Anteil der Sonnenstrahlung, zu vergrößern. Das ginge mit einer handvoll riesiger oder Unmengen winziger Spiegel zwischen Sonne und Erde, mit Aerosolpartikeln in der Stratosphäre oder mit schwimmenden Reflektoren über dem Meer. Auch eine durch salzigen "Ocean Spray" vermehrte Wolkenbildung hätte einen ähnlichen Effekt. Gelänge es, knapp zwei Prozent der solaren Einstrahlung zusätzlich zurückzustrahlen oder sie von vorneherein abzuschatten, würde das den erwarteten Temperaturanstieg kompensieren.

          Schwefel gegen Temperaturanstieg

          Bei dem zweiten Ansatz wird erforscht, wie Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt und in künstlichen Karbonatmineralen, sei es in der Tiefsee oder in geologischen Fallen, gespeichert werden kann. Besonders heftig diskutiert wurde zuletzt der Vorschlag des holländischen Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Er legte vor zwei Jahren in der Zeitschrift "Climatic Change" dar, wie sich - theoretisch - mit gelben Schwefelpartikeln in der Stratosphäre der Temperaturanstieg umkehren ließe. Inspiriert war er von natürlichen Effekten nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahr 1991. Dem Ozonforscher Crutzen war schlicht der Optimismus abhanden gekommen, was einen Erfolg des Kyoto-Protokolls angeht. Seine Zuversicht ist seither nicht zurückgekehrt. Doch seit seiner Einmischung hat die Debatte an Dynamik gewonnen.

          Der kühlende Effekt nach dem Pinatubo-Ausbruch trat innerhalb von sechs Monaten ein - die Schwefelsulfat-Impfung der Erde könnte also für den klimatischen Fall der Fälle reserviert bleiben. "Wir sollten an Geo-Engineering denken wie an einen Fallschirm, den man hofft, nie zu brauchen", sagt der kalifornische Atmosphärenforscher Ken Caldeira, und auch Crutzen selbst wird im Gespräch nicht müde, "bedeutende Risiken" zu betonen. Es sei allemal besser, Emissionen zu reduzieren. Den Temperatureffekt auszugleichen würde schließlich keine Rückkehr zur "alten Erde" bedeuten. Man näherte sich vielmehr einem Gleichgewicht des Schreckens wie im Kalten Krieg, mit der teuren Abrüstung atmosphärischer Gase als fader Alternative neben schillernden neuen "Wunderwaffen".

          Globale Effekte und fromme Wünsche

          Der Ökonom Scott Barrett von der Johns Hopkins University im amerikanischen Baltimore meint, die Anreize für Geo-Engineering seien viel zu groß, als dass Staaten die Pläne bald als Handlungsoption begraben würden. Zumal die jährlichen Kosten auf lediglich einstellige Milliardenbeträge geschätzt werden. Gefährlich sei aber, so Barrett, wenn derlei Projekte ohne internationale Absprachen oder Mandat verfolgt würden. Ein institutioneller Entscheidungsrahmen ist bisher nicht einmal in Sichtweite, obwohl zwangsläufig die ganze Menschheit betroffen wäre. Einmal begonnene Maßnahmen könnten auch nicht in der nächsten Rezession oder nach einem Machtwechsel wieder abgesetzt werden. Denn bei einem Abbruch der "Therapie", so schätzt Caldeira, könnten die weiter angereicherten Treibhausgase ihre Wirkung auf einen Schlag entfalten. Die Folge wäre eine zehn- bis zwanzigfach schnellere Erwärmung.

          An eine spürbare Reduktion der Emissionen glaubt Crutzen heute nicht mehr: "Momentan erscheint das wie ein frommer Wunsch. Wir haben wenig Grund, optimistisch zu sein." Immerhin, Crutzen hat eine Kontroverse ausgelöst, in deren Verlauf Forschungsgruppen weltweit das technische Erdmanagement analysieren - um die Unmöglichkeit seines Vorschlags zu beweisen.

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