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Klimawandel-Studie : Das war’s dann mit der Eiszeit

Bild: Ulf von Rauchhaupt

Der Mensch dreht nicht am Weltklima? Wenn es sich draußen verhält wie in einem Potsdamer Klimarechner, haben wir jedenfalls die nächste Eiszeit ausgeknipst und uns 100.000 Jahre Warmzeit gesichert.

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          Wer sich noch dran erinnert, den fröstelt es heute noch: Nach ein paar knackigen Wintern Ende der siebziger Jahre traten plötzlich Wissenschaftler in der Öffentlichkeit auf, die vor der herannahenden Eiszeit regelrecht warnten. Fred Hoyle etwa hielt eine künstliche Erwärmung der Ozeane für eine durchaus erwägenswerte Option, um dem drohenden zivilisatorischen Tiefkühldesaster zu entrinnen. Die Klimaforschung war zwar shcon damals mehrheitlich davon überzeugt, dass die Erwärmung des Planeten wegen der Anhäufung von Treibhausgasen in der Luft sehr viel wahrscheinlicher sei, aber das Eiszeitszenario hatte unter dem unmittelbaren Eindruck der extremen Winter eine sehr viel höhere Plausibilität.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Heute liegen die Dinge komplett anders: Wer wie eine Gruppe russischer Forscher vor wenigen Wochen aufgrund neuer Analysen der lang- und kurzfristigen Sonnenzyklen eine „Mini-Eiszeit“ bis zum Jahr 2030 prognostiziert, hat es schwer zu überzeugen. Zu gewaltig scheint die geologische Dynamik, die von dem rapiden Anstieg der Treibhausgase in den letzten Jahrzehnten ausgeht, als dass sich der Temperaturanstieg so schnell abbremsen, geschweige denn umkehren ließe. Schon  vor drei Jahren hatten Paläoklimatologen des  University College in London in „Nature Geoscience“ ausgerechnet, dass es bei einer Kohlendioxid-Konzentration in der Luft von nun schon 400 ppm (Anteile pro Million Luftmoleküle) schwer werden dürfte, die Bedingungen für eine nachhaltige  Abkühlung und Vereisung des Planeten herzustellen. Denn die astronomischen Veränderungen der Erdgeometrie allein, etwa die sich zyklisch verändernden Erdbahnparameter oder die Sonnenzyklen, dürften auch in den zurückliegenden Eiszeitaltern nicht die einzigen Treiber für den Wechsel von Kalt- und Warmzeiten gewesen sein. Sollte also das Kohlendioxid womöglich auch damals schon eine zentrale Rolle gespielt haben? Die britischen Paläontologen jedenfalls meinten seinerzeit, dass erst bei einer Kohlendioxidkonzentration unterhalb von 240 ppm Eiszeitbedingungen überhaupt möglich werden könnten.

          Wasserloch in der Eiswüste
          Wasserloch in der Eiswüste : Bild: AP

          Einer der seit fast zwanzig Jahren ebenfalls über dem Eiszeiträtsel brütet, ist der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Schon damals beschäftigte ihn die Frage: Wieso wird es immer wärmer, obwohl die astronomischen Bedingungen prinzipiell schon heute für den Beginn einer neuen Eiszeit sprechen? Ganz allgemein stand stets die von dem jugoslawischen Mathematiker Milutin Milankowitsch schon in den vierziger Jahren aufgestellte Theorie im Mittelpunkt, nach der eine Kaltzeit immer dann auftritt, wenn die Sommer-Sonneneinstrahlung in den nördlichen Breiten auf dem niedrigsten Stand ist. Und diese Sonneneinstrahlung ist abhängig von den sich über viele Jahrtausende verändernden Erdbahnparametern - der Bahn der Erde um die Sohne etwa, der Ekliptik, der Stellung der Erdachse und damit der „Schiefe“ der Äquatorebene. Nicht alle zehn astronomischen Parameter, die die Lage und Bewegung der Erde im Raum und der Erde zur Sonne beeinflussen und die allgemein von der wechselseitigen Wirkung der Himmelskörper erzeugt werden, haben den gleichen Einfluß auf die Sonneneinstrahlung. Sie wirken auch in unterschiedlichen Zeitabständen. Doch egal, wie genau man die „Milankovitsch-Zyklen“ ermittelte und mit den Rekonstruktionen der Eiszeitzyklen abzustimmen versuchte, die astronomischen Parameter allein konnten den Anfang und das Ende von Kalt- und Warmzeiten nicht erklären.

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