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+++ Klimaticker November +++ : Polardreck, Algenboom, Klimagroßmacht

Eis vor Grönland Bild: AP

Was macht eigentlich die Apokalypse so kurz vor dem Weltklimagipfel? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zu kurzlebigen Schadstoffen im ewigen Eis, zu Unwetteropfern und zur Auferstehung einer Ökogroßmacht.

          +++ 29. November. Wenn Kohle- und Ölverbrennung im großen Stil und rasch eingestellt werden, bringt das ökologisch und gesundheitlich „gigantische Vorteile“, die weit über das klimapolitisch wichtigste Ziel der Kohlendioxidminderung hinausgehen. Das hat die deutsche Nationalakademie Leopoldina in einer Adhoc-Stellungnahme über „Co-Benefits“ zum Pariser Klimagipfel betont;  das ist aber auch das Ergebnis einer neuen Studie, die in der Zeitschrift „Nature Climate Change erschienen ist. Die Forscher haben kalkuliert, wie sich die Temperaturen in der Arktis, wo die Erwärmung derzeit doppelt so schnell abläuft wie etwa in Mitteleuropa, verändern würden, könnten die Emissionen insbesondere von schwarzem Ruß, organischen Kohlenstoffpartikeln, Stickoxiden, Ozon,  Schwefeldioxiden und flüchtigen Kohlenwasserstoffen bis zum Jahr 2030 massiv verringert werden. Die meisten dieser Abgasschadstoffe sind kurzlebig, dennoch erreichen sie in beachtlichen Mengen auch die entlegenen Regionen der nordischen Eiswüsten. Um schätzungsweise 0,2 Grad im Schnitt könnte die Erwärmung demnach allein bis 2050 verringert werden, wenn man sich allein auf diese Schadstoffe konzentriert - das sind immerhin 15 Prozent des Erwärmungseffekts, der durch den beschleunigten Treibhauseffekt insgesamt verursacht wird. Der größte Teil der Schadstoffe im Nordpolareis stammt offenbar aus asiatischen Ländern, die immer noch großteils ungefiltert Öl und Kohle verfeuern, aber auch Russland spielt eine große Rolle als Verschmutzungsquelle. Russlands Präsident Putin selbst ist sich keiner Schuld bewußt. Trotzdem hat er  zugesagt, die Luftverschmutzung, die er für ein Problem der abtrünnigen ehemaligen Sowjetgebieten hält, auf die Agenda der nationalen Dopingkommission zu setzen, wo gerade sowieso reichlich schmutzige Wäsche gewaschen wird. +++      

          Junge Philippinos, deren Heimat in der Provinz Samar im Dezember 2014 von einem Taifun - „Hagupit“ - zerstört wurde.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 28. November. Im zurückliegenden Jahrzehnt hat es im Schnitt jährlich 335 Naturkatastrophen gegeben und damit fast jeden Tag eine an irgendeinem Ort der Erde. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Vereinten Nationen unter dem Titel „Die menschlichen Opfer nach Wetterkatastrophen“ veröffentlicht hat. Verglichen mit der Dekade davor hat sich die Zahl der meteorologischen Extreme mit Todesfolgen um 14 Prozent erhöht, gegenüber der Dekade zwischen 1985 und 1994 sogar verdoppelt. Seit 1995 sind dem Bericht zufolge mindestens 606.000 Menschen in Stürmen, Fluten und durch Hitzewellen ums Leben gekommen, 4,1 Milliarden wurden obdachlos, verletzt oder sonstwie geschädigt. Vor allem die Zahl der Überflutungen nach Extremniederschlägen nimmt offenbar deutlich zu. „Noch können die Wissenschaftler nicht genau den Anteil ermitteln, der bei solchen Katastrophen auf die beschleunigte Erderwärmung zurückzuführen ist, aber der Aufwärtstrend bei den wetterbedingten Katastrophen dürfte angesichts der Zunahme der zu erwartenden Extremwetterlagen noch ansteigen“, heißt es in dem Bericht. Genau, endlich geht es aufwärts. Naturkatastrophenopfer können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. +++    

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