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+++ Klimaticker November +++ : Polardreck, Algenboom, Klimagroßmacht

Seescheiden-Kolonien am Meeresgrund vor der Westantarktischen Halbinsel.
Seescheiden-Kolonien am Meeresgrund vor der Westantarktischen Halbinsel. : Bild: Alfred-Wegener-Institut (AWI)

Gavin Smith, ein prominenter amerikanischer Klimaforscher der Nasa, hat den entscheidenden Tweet mit der 99,9-Prozent-Botschaft kurz nach dem Frühstück in den digitalen Orbit geschickt. Donald Trumpp, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, der jeden Abend sein Toupet in frisch gepumpten Texas-Öl badet, meinte dazu nur: Wenn alle Menschen so schlau wären wie er und den Kühlschrank sowie die Fenster tagsüber öffnen würden, um die Atmosphäre mal ordentlich zu durchlüften, müssten sich die Beamten nicht ununterbrochen den Kopf über die Erwärmung zerbrechen. +++

+++ 13. November. Wenn die Polkappen schmelzen, geht es auch mit der Artenvielfalt runter. Zumindest dort, wo die schmelzenden Gletscher ihre flüssige Fracht ins Wasser entladen. Eine internationale Gruppe um Doris Abele vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hat das jetzt durch Langzeituntersuchungen vor der Westantarktischen Halbinsel dokumentiert. Das Team kartierte und analysierte die Bodenlebewesen in der Potter Cove - einer Bucht auf King-George Island, wo die Temperatur in den letzten fünfzig Jahren nahezu fünfmal so schnell gestiegen ist wie im globalen Mittel.  Hier betreibt das Alfred-Wegener-Institut zusammen mit dem Argentinischen Antarktisinstitut (IAA) das Dallmann-Labor als Teil der argentinischen Forschungsstation Carlini. Wie es in „Science Advances“ heißt, leiden vor allem die Seescheiden, und zwar die hochwüchsigen besonders. Die Tiere kämen vermutlich mit der Trübung durch das schmutzbeladene Schmelzwasser an der Gletscherkante nicht zurecht - die hochwüchsigen Seescheiden wohlgemerkt. Die am Boden kümmert die verstärkte Sedimentation offenbar nicht. „Der Verlust wichtiger Arten verändert die küstennahen Ökosysteme und die hochproduktiven Nahrungsnetze in diesen Gebieten mit noch unabsehbaren längerfristigen Folgen“, schreibt Abele. Seescheiden, muss man dazu wissen, sind festgewachsen und dennoch ziemlich erfolgreich unterwegs - sessile Mikrofiltrierer, die in allen Weltmeeren vorkommen und mit zweitausend Arten auch ausgesprochen artenreich sind. Leider weiß man noch viel zu wenig über das Bewußtsein dieser Tiere, was sie über die Welt denken und wie ausgeprägt überhaupt ihr Schmerzempfinden ist. Jede eingetrübte dahinsiechende Seescheide ist deshalb ein unwiderbringlicher Verlust, und keineswegs nur für das Ökosystem. +++

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