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+++ Klimaticker November +++ : Polardreck, Algenboom, Klimagroßmacht

Michel Jarraud, Generalsekretär der WMO, bei der Präsentation des zu erwartenden Temperaturrekords für 2015.
Michel Jarraud, Generalsekretär der WMO, bei der Präsentation des zu erwartenden Temperaturrekords für 2015. : Bild: dpa

+++ 25. November. Der Konflikt zwischen der wichtigsten amerikanischen Klimaforschungsbehörde, der NOAA, und den Republikanern im Kongress spitzt sich zu. Sieben große amerikanische Wissenschaftsorganisationen, die Hunderttausende Forscher repräsentieren - Statistiker und Chemiker ebenso wie Meteorologen und Geophysiker - haben nach Angaben der Washington Post einen Offenen Brief an den Urheber des Streits, den republikanischen Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses im Kongress, Lamar Smith, geschrieben. Darin wird dieser aufgefordert, von seiner Forderung abzurücken, die auf eine Herausgabe interner Mails und Daten der NOAA-Forscher hinausläuft. Smith hatte das angedroht, nachdem die NOAA in einer Veröffentlichung in „Science“ im Sommer das Auftreten der sogenannten Klimwandelpause quasi widerrufen und damit die Klimawandelleugner düpiert hatte. Smith vermutet dahinter eine Manipulation, um damit schärfere Klimaschutzmaßnahmen zu begründen. „Wir sind besorgt“ schreiben die Forschungsorganisationen, „weil dieses wegen offenkundig unerwünschter Befunde gegen Staatsbeamte gerichtete Vorgehen am Ende dazu führen könnte, die Bereitschaft von öffentlichen Wissenschaftlern zunichte zu machen und sich weiterhin an Forschungen mit politisch relevanten Themen zu beteiligen“.  Das ist natürlich mehr als eine verklausulierte Streikandrohung. Ausflugsfahrten in die hohe Arktis und Korallen-Tauchgänge vor den Bahamas werden künftig wohl ohne die Begleitung durch Kongressabgeordnete stattfinden müssen. +++

Hurrikan von der Internationalen Weltraumstation aus gesehen.
Hurrikan von der Internationalen Weltraumstation aus gesehen. : Bild: dpa

+++ 24. November. Die globale Erwärmung ist nicht nur in einem neuen Höhenflug, sie hat auch definitiv nicht pausiert - selbst wenn Jahre lang über die Abflachung der globalen Temperaturkurve diskutiert wurde, und am Ende sogar der Weltklimarat sich mit der zwölf- bis fünfzehnjährigen Klimawandel-“Pause“ seit Ende der neunziger Jahre, genannt Hiatus, beschäftigt hat. Stephan Lewandowsky von der University of Bristol hat das jetzt in der Zeitschrift “Scientific Reports“ klargestellt. Zusammen mit zwei Kollegen hat er vierzig Übersichtsarbeiten aus den Jahren  2009 bis 2014 ausgewertet. Ihr Fazit: Die Vorstellung, dass der Klimawandel eine Pause eingelegt habe, sei von außen in die Wissenschaft hineingetragen worden und sei vor allem von den Klimaleugnern als Kampagnenstoff genutzt worden. Die Wissenschaft habe zwar in der öffentlichen Debatte reagiert, in den Veröffentlichungen jedoch sei das Phänomen zum allergrößten Teil als das behandelt worden, was heute davon übrig ist: als völlig übbliche Schwankungen der Temperatur, die den eigentlichen Erwärmungseffekt durch den Treibhauseffekt allenfalls maskiere. Und in jedem Drittel der Paper, in denen eine Erwärmungspause untersucht worden sei, reichten die untersuchten Zeiträume von ein paar Jahren in keinem Fall aus, statistisch valide Aussagen über ein Hiatus-Phänomen abzuleiten. Schon vorher war in in empirischen Studien  unter anderem der amerikanischen Nationalen Atmosphärenbehörde gezeigt worden, dass die Klimawandelpause mehr oder weniger ein Artefakt in den Datenerhebungen war. „Nach der Durchsicht der Studien muss man im nachinein ernsthaft fragen: Weshalb wurde dieser ganze Forschungsaufwand überhaupt für etwas betrieben, an dessen Existenz offenbar niemand in der Forschungsszene ernsthaft glaubte“, meint Lewandowsky. Der Engländer ist Experimentalpsychologe. Wenn schon er nicht die Gedankenwelt der Klimaforschung durchschaut, wer dann? Der Weltklimarat IPCC jedenfalls hat sein Portfolio um einen  innovativen Forschungsansatz schon erweitert. Die Traumatisierung von Wissenschaftlern nach dem Erstkontakt mit Politikern und durch Dauerbeschuß penetranter Kleingeister ist gewiß mehr als ein lohnendes Projekt.+++

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