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+++ Klimaticker November +++ : Polardreck, Algenboom, Klimagroßmacht

Algenblüte
Algenblüte : Bild: dpa

+++ 26. November. Die Algenflora in den Ozeanen hat sich zuletzt rapide verändert. Sowohl im Pazifik als auch im Nordatlantik hat man gravierende Veränderungen registriert, wie zwei neue Studien in der Zeitschrift „Science“ zeigen. Im Nordatlantik etwa hat sich der Anteil der mit zarten Schalen ausgestatteten Kalkalgen in den vergangenen 45 Jahren nahezu verzehnfacht. Hat man Mitte der sechziger Jahre in Meerwasserproben noch zu mehr als 98 Prozent andere Algen, vor allem kalklose Cyanobakterien, gefunden, macht das kalkige Nanoplanckton heute gut zwanzig Prozent aus. Das haben amerikanische Forscher der Johns Hokins University ermittelt. Als Ursache kommen nach Modellstudien mit zwanzig potentiellen Auslösern nur zwei Veränderungen in Frage: Der starke Anstieg des Kohlendioxids in der Luft oder der Einfluss der Atlantischen Meridionalen Oszillation - eine natürliche, um jeweils rund 60 Jahre schwankende Veränderung der Oberflächentemperatur, die mutmasslich durch Fluktuationen der globalen Tiefenwasserströme verursacht wird. Im Pazifik dagegen ist es offenbar seit Beginn der Industrialisierung zu einem deutlichen Anwachsen von stickstoffbindenden Cyanobakterien gekommen. Das haben Forscher der University of California in Santa Cruz zusammen mit Thomas Larsen von der Universität Kiel anhand von Isotopenanalysen in Korallenstöcken herausgefunden. Obwohl die Folgen noch unklar sind, könnten beide Entwicklungen, so die Algenforscher, theoretisch dazu führen, dass mehr Kohlendioxid in den Meeren aufgenommen und in der Tiefsee gespeichert wird - eine natürliche Kohlenstoffentsorgung. Das wäre natürlich ein guter Zug von Mutter Natur, wenn sie die Algen losschickt, um den ratlosen Klimaopfern an Land bei ihrem Brennstoffreste-Entsorgungsproblem zu helfen. Ein Pakt mit der Tiefsee wäre vielleicht überhaupt die Lösung. War doch der Abstieg in die untergründige prähistorische Welt schon für Jules Verne die Lösung aller großen Rätsel und die Reise zum Mittelpunkt der Erde eine große glückverheißende Sehnsucht. Folget also den Algen! +++

Ex-Vizepräsident Al Gore im Jahr 2007 vor der Leinwand, auf der er seinen Diavortrag „Die unbequeme Wahrheit“ präsentierte.
Ex-Vizepräsident Al Gore im Jahr 2007 vor der Leinwand, auf der er seinen Diavortrag „Die unbequeme Wahrheit“ präsentierte. : Bild: dpa

+++ 26. November. Amerikaner sind allen Unkenrufen zum Trotz eine große Nation von Klimaschützern. 71 Prozent haben in einer repräsentativen Umfrage der Yale University angegeben, ihnen sei es wichtig, dass auf dem Klimagipfel in Paris ein neuer Klimavertrag unter dem dach der Vereinten Nationen vereinbart wird, für 43 Prozent ist es sogar „extrem wichtig“. Überraschend ist dabei vor allem die Antwort der Amerikaner, die sich als Anhänger der konservativen Republikaner sehen und damit der Partei, die seit Jahrzehnten Zweifel am anthropogenen Klimawandel sät: Fast zwei Drittel von ihnen, genau: 64 Prozent, sagen ein Klimavertrag sei wichtig. lediglich 24 Prozent von ihnen meinen, das sei „überhaupt nciht wichtig“. Auch was die konkreten Klimapolitik im eigenen Land angeht, sind die Amerikaner mehrheitlich auf Europakurs: Zwei Drittel meinen, es müsse vom Staat „mehr“ oder „deutlich mehr“ für den Klimaschutz getan werden, nur 13 Prozent meinten, die Regierung sollte klimapolitisch zurückstecken. Nur einer von zehn der insgesamt 1330 Befragten gab an, das Land sollte erst dann weniger Kohlendioxid ausstoßen, wenn auch andere Industrieländer und Entwicklungsländer entsprechendes beschließen. Amerika als Klimaschutzgroßmacht? Al Gore, der Friedensnobelpreisträger und unglückliche Ex-Präsidentschaftskandidat, der wegen seines Umweltengagements einst von seinem siegreichen Kontrahenten George W. Bush als Ozone Man verschrien wurde, hat nach der Übermittlung des Umfrageergebnisses beschlossen, seinen Posten als Zirkusdirektor der Klimagemeinde aufzugeben und sich von seinen loyalen Amerikanern als Oberbefehlshaber der größten Weltretterungsarmee ins Weiße Haus wählen zu lassen. +++

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