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+++ Klimaticker Januar +++ : Pinguinschutz, Olympiaschmelze, Rekordkälte

Führt Klimawandel zum Pinguinsterben? Bild: dpa

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update mit sterbenden Pinguinen, Eisendünger im Pazifik, Risiken für Olympia und der Rekordkältewelle.

          8 Min.

          +++ 29. Januar. Der Klimawandel spielt Roulette mit der Zukunft der  Pinguine. Einerseits ist die größte Pinguinkolonie Argentiniens auf  Punta Tombo zunehmend bedroht, weil extreme Stürme immer öfter den Nachwuchs bedrohen; seit 1987 ist die Kolonie um ein Fünftel geschrumpft, in 13 der letzten 26 Jahre sind bei Stürmen ein Großteil der Küken dem Wetter zum Opfer gefallen, in einem Jahr die Hälfte des nachwuchses.  Das berichten Forscher der University of Washington in der Zeitschrift „PlosOne“. Sorge hatten auch die Antarktisforscherin Amélie Lescroel von der Universität in Rennes mit ihrem Team um die Adéliepinguine im Rossmeer. Das ist die südlichste Pinguinkolonie der Welt, mehr als ein Drittel aller Adeliepinguine - ungefähr 164.000 - leben dort. Als vor dem Brutgebiet der Vögel im Januar 2001 zwei riesige Eisberge (der größte B15-A mit einem Ausmaß von 140 mal 30 Kilometer) auf Grund liefen und dort fast fünf Jahre lang die Wanderwege und die Zugänge zu den Nahrungsgründen versperrten, ist die Zahl an Nachkommen deutlich zurück gegangen.  Adeliepinguine sind zwar geschickte Jäger, die unter dem Meereis Krill und kleinen Raubfischen nachjagen, aber die Futtervorräte waren für viele Elterntiere einfach zu stark begrenzt oder zu weit weg. Sie mussten zu lange Wege gehen für die Nahrung ihrer Zöglinge. In den Folgejahren mit weniger Packeis vor dem Schelf nahm der Bruterfolg der Vögel wieder zu, wie die Forscher am Ende ihrer dreizehnjährige Untersuchung ebenfalls in „PlosOne“ schreiben. Das Rossmeer sollte deshalb auch bei der erwarteten  Abnahme des Meereises von 5 bis 15 Prozent in den nächsten vier Jahrzehnten ein „geeignetes Habitat“ für die Adeliepinguine bleiben. Fahrlässige Störungen der Südolaridylle mit  Eisbergen wie B15-A sind allerdings zu vermeiden. Speziell abgerichtete Pinguine, die von den Forschern von Hand aufgezogen und in Kommunikationsfertigkeiten trainiert wurden, sollen künftig rechtzeitig vor Packeis warnen, das auf die Brutreviere der Kolonie zusteuert. Entsprechende Notrufsäulen auf dem Ross-Schelfeis sind bereits installiert. Im Notfall schickt  Argentinien einen atomgetriebenen Eisbrecher. +++

          Expedition ins Eis: Forschungsschiff „Polarstern”
          Expedition ins Eis: Forschungsschiff „Polarstern” : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 24. Januar. Die Tourismus-Forschung sorgt sich um die Zukunft der Olympischen Winterspiele. Nach einer gemeinsamen Studie der kanadischen Universität Waterloo und des zur „Unternehmerische Universität Innsbruck“ zählenden MCI Management Centers „gefährdet der fortschreitende Klimawandel in vielen Regionen die Durchführung von Olympischen Winterspielen“. Schneekanonen und die Kühlung von Anlaufspuren und Eiskanäle geraten zunehmend an Grenzen. Garmisch-Partenkirchen, Vancouver oder auch Sotschi könnten gegen Ende des Jahrhunderts außer Stande sein, der Erwärmung zu trotzen.   Hauptautor Daniel Scott  aus Vancouver meint, „den aktuellen Strategien und Techniken zur Reduzierung von Wetterrisiken sind Grenzen gesetzt“, und Robert Steiger vom MCI ergänzt: „Es ist schwer vorstellbar, dass heute das vielseitige Programm der Spiele ausschließlich auf Natureis und -schnee erfolgreich abgehalten werden könnte, wie es in der Frühzeit der Olympischen Winterspiele noch der Fall war“. Städte und Regionen, die an einer Bewerbung für künftige Spiele interessiert sind, heißt es in der Zusammenfassung, „sollten sich besser früher als später bewerben“. Es geht dabei vor allem um die Minderung finanzieller Risiken. In den Après-Skibars des Schweizer Prominentenskiorts St. Moritz waren in diesem Winter Gerüchte aufgetaucht, das Scheichtum Qatar wolle zwischen 2022 bis 2030 Olympischen Winterspiele bei Nacht austragen und die Ölproduktion dafür um das Hundertfache steigern sowie ihre Fußball-Gastarbeiter im Land behalten. Die erste Rate der „Startgebühr“ könnte bereits in Sotschi im Beisein von Präsident Putin an das Olympische Komitee übergeben werden. +++

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