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+++ Klimaticker +++ : Wetterkorrekturen, Wanderalbatrosse, Wüstenbewohner

Mit seinen drei Metern Spannweite kann der Wanderalbatros tausende Kilometer am Stück zurücklegen. Bild: dpa

Was kommt noch? Der Hyper-Treibhausffekt vielleicht? Fest steht: Seevögel flüchten und Wetterfrösche finden einfach keinen Fehler in der Katastrophenprogonse.

          +++ 10. Januar. Um "echte Klimasignale" in den Wetteraufzeichnungen von fehlerhaften zu trennen, hat die Universität Bonn zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst die "Homogenisierung" der Daten aus Wetterstationen verbessert. Hintergrund ist, dass früher etwa Regenmessgeräte nicht am Boden, sondern auf Dächern befestigt wurden, wo beispielsweise Schnee leichter verwirbelt und damit die Schneemenge unterschätzt wurde. Früher waren die Geräte auch nicht in Wetterhütten untergebracht. In der Zeitschrift "Climate of the Past" beschreibt Victor Venema aus Bonn die Korrekturverfahren und ihre Überprüfung mit Hilfe einer "Blindstudie". Fazit: Der Klimawandel ist kein Messfehler. Die Uni Bonn plant jetzt eine Telefonseelsorge für Klimawandelskeptiker.+++

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 12. Januar. Die größten Seevögel der Welt, die Wanderalbatrosse, profitieren derzeit vom Klimawandel. Das schreiben französische und deutsche Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig. Die Winde über dem Südpolarmeer sind stärker geworden und haben sich südwärts verlagert. Dadurch kommen die Vögel schneller zu Beute und wieder zurück ins Nest. Folge: Die Riesensegler, von denen es wegen der Langleinenfischerei nur noch achttausend Brutpaare geben soll, brüten erfolgreicher und haben im Schnitt der letzten zwanzig Jahre um ein Kilo zugenommen, heißt es in "Science". In japanischen Hochseefischerkreisen hat man vom Glück der Nahrungskonkurrenz bereits Wind gekriegt. Angeblich plant man, den verdrehten Luftraum über dem Polarmeer zum Krisengebiet zu erklären und mit einer Kriegsflotte von jeglichem Flugverkehr freizuhalten. +++

          +++ 31. Januar. Ein künstlicher "Hyper-Treibhauseffekt" mit Temperaturen 1400 Grad über dem heutigen Wert ist unwahrscheinlich, aber nicht ganz auszuschließen. Das ist das Ergebnis von Berechnungen, die Colin Goldblatt von der University of Victoria und Andrew Watson von der University of East Anglia in einer für die Royal Society gedachten Publikation angestellt haben (arxiv.org/abs/1201.1593). Hintergrund ist ein Hyper-Treibhauseffekt, der einst unseren Nachbarplaneten Venus verwüstet hat. Der amerikanische Klimatologe James Hansen hatte vor Jahren spekuliert, das Verbrennen aller fossiler Brennstoffvorräte auf der Erde sei wegen der Verstärkerwirkung des dann stark ansteigenden Wasserdampfgehaltes zu einem ähnlichen Effekt führen. Dem widersprechen Goldblatt und Watson nicht hundertprozentig. Die Nasa hat reagiert und die Kunsterde-Testanlage "Biosphäre-2" in der Wüste von Arizona mit zwölf Probanden besetzt. Stufenweise soll die Raumtemperatur jährlich um zehn Grad gesteigert werden. Die Finanzierung des Projektes "Geokrematorium-1" ist bis 2050 gesichert. +++ 

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