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+++ Klimaticker Oktober +++ : Solargold, Rekordjagd, Korrekturhilfen

Schmelzendes Grönlandeis in der Kopenhagener Innenstadt. Bild: dpa

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zum Weltklimabericht, zum goldenen Solar-Oktober und Temperaturrekorden im laufenden Monat.

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          +++ 31. Oktober. Der Vorsitzende des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, hat zu Beginn der IPCC-Konferenz in Kopenhagen an die Beteiligten der Endredaktion des „Synthese-Reports“ - dem vierten und damit letzten Teil des neuen IPCC-Sachstandsberichts - einen dringenden Appell gerichtet. Er erinnerte die Berichterstatter daran, dass sie „den Synthesebericht FÜR die Politik und nicht durch die Politik herstellen“. Das kam nicht überall gut an. Die Regierungsdelegierten in Kopenhagen verweigerten Pachauri daraufhin den Applaus. Der Inder bekommt nun bis zur offiziellen Präsentation der IPCC-Ergebnisse am Sonntagmorgen Zeit, zur Besinnung zu kommen. Bis dahin hat Pachauri Hausverbot im Kongresszentrum. Nur wenn er es bis zur Pressekonferenz am Sonntag schafft, tagsüber tausend Kürbisse mit dem Konterfei jedes einzelnen Regierungsabgesandten zu schnitzen und abends als Chauffeur für die Kopenhagener Halloween-Parties einzuspringen, besteht Aussicht auf ein friedliches Ende dieses Machtkampfes.+++  

          Greenpeace lässt sich nicht lumpen im Klimakampf.
          Greenpeace lässt sich nicht lumpen im Klimakampf. : Bild: dpa
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 30. Oktober. Die Solarstrombranche hat einen „Spitzenmonat“ hinter sich. Die Solarenergieernte erreichte im goldenen Oktober Höchstwerte. Vom 3. bis 5. Oktober etwa lag der Sonnenstrom mit jeweils knapp 18 Gigawatt Einspeisung an erster Stelle im deutschen Strommix, klar vor Braunkohle, Kernkraft und Windkraft. Das teilte die Agentur für Erneuerbare Energien mit. Am 19. Oktober wehte zusätzlich ein strammer Wind, weshalb gegen Mittag sogar knapp zwei Drittel des Stroms aus erneuerbaren Quellen gewonnen wurde. „So kann die Solarenergie immer mehr Systemverantwortung übernehmen – und das nicht nur an goldenen Oktobertagen“, sagte AAE-Chef Philipp Vohrer. Der Klimawandel dürfe nicht länger nur schlecht gredet werden. Für die heimischen Regenerativen ist ein mediterranes Klima systemrelevant. „Too big to fail“ heisst es jetzt in der Solarbranche. Wer für die Energiewende ist, muss auch für den Klimawandel was tun. +++ 

          Temperaturanomalien im September 2014: Die dunkel rot markierten Stellen zeigen Rekordwärme an, dunkelblau Rekordkälteregionen.
          Temperaturanomalien im September 2014: Die dunkel rot markierten Stellen zeigen Rekordwärme an, dunkelblau Rekordkälteregionen. : Bild: NOAA

          +++ 21. Oktober. Die Temperaturkurve zeigt steil nach oben: Das Jahr 2014 ist offenbar auf dem besten Weg, sämtliche bisherigen Wärmerekorde zu brechen. Der September jedenfalls war der amerikanischen Nationalen Klimabehörde NOAA zufolge global gesehen der der mit Abstand wärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen. Er lag  0,72 Grad über dem langjährigen Monatsmittel des zwanzigsten Jahrhunderts, was vor allem auf die außergewöhnlich starke Erwärmung der Ozeane zurückzuführen ist. Mit einem Durchschnittswert von 14,1 Grad über weltweit alle Messstationen gesehen liegt das Jahr 2014 bei drei Viertel des abgelaufenen Jahres auf dem selben Niveau wie das Jahr 1998 - dem bisherigen Rekordjahr. An vier von neun Monaten wurden bereits Rekordwerte markiert. Anders als 1998 zeigt der Trend im Verlaufe dieses Jahres eindeutig weiter nach oben. Die Rekordtemperaturen sind quasi über den gesamten Globus verteilt. Frankreich zum Beispiel registrierte mit plus 1,9 Grad über dem Durchschnitt der September-Monaten zwischen den Jahren 1981 bis 2010 den absolut wärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900. Auch Deutschland liegt mit plus 1,4 Grad über dem langjährigen Mittel. Damit ist der Mythos vom goldenen Herbst endgültig gebrochen. Künftig wird nur noch vom schwarzen September die Rede sein. Wer Stefan Zweigs berühmtes „ein Wort, kein Blick.-
          Denn in uns brennt ein Sehnen nach unserm Sommerglück..“ rezitiert, wird in die Wüste geschickt. +++

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