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+++ Klimaticker Oktober +++ : Climategate, CO2-Kreuzfahrer, Treibhaushirne

Friedensnobelpreisträger Al Gore: Von Vortrag zu Vortrag um die Welt. Bild: AP

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update mit neuem Skandalpopanz, schippernden Klimagipfel-Emissären und kognitiven Defiziten durch Treibhausgase.

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          +++ 29. Oktober.  Ein Klimagespenst wird wiederbelebt: „Climategate“. Strategisch günstig terminiert vor dem Pariser Klimagipfel und ziemlich exakt sechs Jahre nach dem ersten „Climategate“, bei dem es um gehackte Email-Dateien prominenter Klimaforscher ging, wird jetzt eine weitere Politposse von Klimawandelleugnern aufgeführt. Austragungsort für das Climategate-Revival: Washington DC. Lamar Smith, Republikaner aus Texas und Vorsitzender ausgerechnet des Forschungsausschusses im Repräsentantenhaus, hat der Obama-Administration parlamentarische Zwangsmaßnahmen angedroht, sollte die Nationale Behörde für Atmosphären- und Ozeanforschung, NOAA, nicht Daten und Mails ganz bestimmter Forschergruppen - der Behördenspitze inbegriffen - herausgeben. Hintergrund ist eine Veröffentlichung in „Science“ vom Juni diesen Jahres (siehe Klimaticker hier) , in dem NOAA-Direktor Thomas Karl und seine Gruppe nach neuerlicher Auswertung der Temperaturmessreihen der vergangenen Dekaden und einigen Korrekturen zweifelhafter Schiffsmessdaten mitteilte: Es gab in den vergangenen 15 Jahren doch keine Klimawandelpause - jenen sogenannten „Hiatus“, der von den Leugnern des anthropogenen Klimawandels und Kritikern des Weltklimarates als Argument genutzt wurde, die Befunde zur globalen Erwärmung grundsätzlich infrage zu stellen. Smith vermutet hinter den Korrekturen eine Verschwörung der Klimawissenschaftler mit dem Ziel, „politisch korrekte“ Statistiken zu liefern. Konkrete Anhaltspunkte für Manipulationen hat er nicht, ihm reicht offenbar die zeitliche Nähe zu Obamas neuer Klimapolitik und dem alles entscheidenden Klimagipfel von Paris nächsten Monat. Die NOAA weigert sich, die internen Dokumente herauszurücken. Auf den zornigen Brief des texanischen Demokraten Eddie Bernice Johnson, über dessen Inhalte die „Washington Post“ berichtet, antwortete Smith: „Das ist keine Schikane, sondern die Wahrnehmung verfassungsrechtlich garantierter Aufsichtspflichten“. Das war natürlich keine Richtigstellung, sondern der Marschbefehl für die geologischen Heimatschutzkräfte, dem inoffiziellen Geheimdienst der republikanischen Parlamentsmehrheit. Kein NOAA-Forscher darf sich jetzt mehr unbeobachtet fühlen, alle werden sie verwanzt, und jeder Kontakt mit Sympathisanten von Al Gore oder Prinz Charles mit Androhung von Landesverrat quittiert. Smiths Traumlösung: Guantanamo wird zum zentralen NOAA-Oberversatorium ausgebaut. +++   

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 29. Oktober. Der Rhein-Anleger vor dem Europaparlament in Straßburg war am Morgen Austragungsort einer „spektakulären Übergabe“ an die Crew des Forschungsschiffs „Aldebaran“. Übergeben wurde die Meeresresolution „Call for Oceans and Climate“. 91 EU-Abgeordnete haben das Dokument unterzeichnet. Die Crew der Aldebaran soll es Ende November den „Entscheidern der 21. Klimakonfernez in Paris“ aushändigen. So will es die Deutsche Meeresstiftung, die das altgediente Forschungsschiff zu der wochenlangen Kreuz- und Querfahrt durch deutsche und französische Flüsse mit Endziel Paris losgeschickt hat. Offizieller Auftrag der Schiffsbesatzung: Aufklärung über die Folgen des Klimawandels. Die liest sich dann so, nachzulesen hier:  „Bereits ab einem globalen Temperaturanstieg von mehr als 1,5 Grad werden weltweit alle Warmwasser-Korallenriffe sterben.“ Ob diese radikale Weisheit aus dem Labor des nicht minder altgedienten Klimaforschungspioniers Hartmut Graßl stammt, der die Aldebaran am 3. Oktober in Hamburg auf die Reise geschickt hat, oder aus dem Klimawandelkatalog von Mojib Latif, dem aktuellen Deutschen Umweltpreisträger, der der Resolutionsübergabe in Straßburg beiwohnte, ist nicht überliefert - aus dem Weltklimabericht jedenfalls kann sie nicht stammen. Aber was heißt das schon. Was nicht ist, kann ja noch werden. Bei solchem Leumund. +++

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