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+++ Klimaticker November +++ : Tiefstapler, Gletscherkollaps, Sex-and-Klima

Bild: Unterwasserroboter "Jaguar" unter dem Antarktis-Meereis.

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zum antarktischen Meereis, dem Schweizer Gletscherkollaps und zur heißen Klimakampagne aus Berlin.

          5 Min.

          +++ 25. November. Das Meereis der Antarktis ist offenbar deutlich dicker als angenommen. Die Eisberge reichen bis zu siebzehn Meter unter die Meeresoberfläche, im Mittel gut 1,4 bis 5,5 Meter. Bislang war man davon ausgegangen, dass der mittlere Tiefgang rund ein Meter beträgt. Aus Satellitendaten, Bohrkernen und Eisbeobachtungen von Schiffen aus war allerdings die Dicke des Packeises nur sehr grob zu ermitteln. Das hat sich jetzt erstmals durch Messungen mit einem Tiefseeroboter vor der Küste der Antarktischen Halbinsel gezeigt. Das zwei Meter lange autonom gesteuerte Unterwasserfahrzeug „Jaguar“ hat das Meereis in den Jahren 2010 und 2012 jeweils mit Sonargeräten von unten erfasst und insgesamt rund 500.000 Quadratmeter in der Weddellsee, Bellinghausen und vor Wilkes Land abgedeckt. „Wir müssen jetzt anfangen, die großflächigen Veränderungen der Eistopographie über einen längeren Zeitraum zu beobachten“, kommentierte Ted Maksym vom Woods Hole Oceanographic Institution den Bericht der internationalen Gruppe „Seabed“ in der Zeitschrift „Nature Geoscience“. Wenn sich das gelbe U-Boot beeilt, könnte es bis zum Ende des Jahrhunderts jeden einzelnen Eisberg auf dem Planeten kartographiert haben. Leider fehlt ihm dazu offenbar die Motivation. Klimawandelstudien sind langweilig. Wenn die Wissenschaftler den letzten Funkspruch aus dem Südpolarmeer richtig gedeutet haben, hat sich der Unterwasserroboter in einen stattlichen Blauwal verliebt und ist inzwischen auf dem Weg zum Familienurlaub vor die Malediven. +++ 

          Aletschgletscher
          Aletschgletscher : Bild: dpa
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 21. November. Die Gletscher der Schweizer Alpen schrumpfen infolge des Klimawandels weiter stark. Die Eisdecken auf den Berghöhen nahmen im Jahr 2010 insgesamt noch 940 Quadratkilometer ein - fast ein Drittel weniger als 1973,  wie die Nachrichtenagentur unter Berufung auf das Gletscherinventar in Fribourg mitteilt. Demnach befinden sich heute die meisten und größten Gletscher der Schweiz in den Berner und Walliser Alpen. Zahlenmäßig seien die „Zwerge“ - also Gletscher mit einer Fläche von weniger als einem halben Quadratkilometer - am häufigsten. Das mit Abstand meiste Eis ruht in wenigen „Riesen“ wie dem Großen Aletschgletscher. Besonders stark war der Schwund bei Gletschern im Tessin, Engadin und Südbünden. Auch das Eisvolumen sank beträchtlich. Die Gletscher verloren bis zum Jahr 2010 knapp 22,5 Kubikkilometer Firn und Eis. Die resultierenden Schmelzwassermengen hätten, so die Forscher in „The Cryosphere Discussions“, seit 1973 gerechnet zweimal den Vierwaldstättersee auffüllen können. Die Skisaison fällt also diesmal wirklich ins Wasser. Sammelplatz für verzweifelte St.-Moritz-Touristen sollen sich am Vierwaldstättersee einfinden. Dort können sie ihre Skisachen gegen eine edle Tauchausrüstung eintauschen und zusammen mit einem erfahrenen Tauchlehrer auf Schatzsuche gehen. Mit jedem Liter Schmelzwasser steigt die Chance, heißt es im Schweizer Reiseverkehrsamt, dass man am Grunde historisch wertvolle Speerspitzen und Münzen entdeckt.+++

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