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+++ Klimaticker +++ : Mexikanerfrust, Extremwetterrekorde, Computerkapriolen

Bild: reuters

Keine gute Woche: Die Aussichten auf einen „sanften“ Klimawandel schwinden zusehends, Mexiko trauert schon um seine Nebelwälder und die Modellierer heizen ein.

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          +++ 18. März. Wenn es weiter geht wie bisher, könnten 68 Prozent der artenreichen Nebelwälder Mexikos durch die Klimaerwärmung verschwinden, weitere 31 Prozent würden zudem bis zum Jahr 2080 abgeholzt - macht 99 Prozent Verlust. Das berichten mexikanische und amerikanische Forscher in der Zeitschrift „Nature Climate Change“. Die mexikanische Regierung hat daraufhin die Drogenbarone des Landes aufgefordert, ihr Patenschaftsprogramm für ungenutzte Bergwaldregionen einzustellen. Auf die Unterstützung der Kirche wartet man vergeblich: Der Papst hat bei seinem Mexiko-Besuch am Wochenende kein Wort über Wälder und Drogen verloren.+++

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 23. März. 2011 war das wärmste Jahr seit Beginn regelmäßiger Messungen - das wärmste Jahr zumindest mit einer La-Nina-Anomalie. Das hat die Weltmeteorologie-Behörde in Genf mitgeteilt. La Nina, das Gegenstück zu El Nino, lässt ungewöhnlich kalte Wassermassen im tropischen Pazifik ansammeln und beeinflusst damit Wetterphänomene weltweit. Zum Beispiel kam es in Nordafrika und Nordamerika zu extremen Dürreperioden, in Japan dagegen zu Extremniederschlägen. Nordamerika erlebte eine der verheerendsten Tornado-Saisons überhaupt. Was Wetterextreme angeht, haben Dim Coumou und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in „Nature Climate Change“ deutlich gemacht, dass die gehäuften Extreme des vergangenen Jahrzehnts nicht von ungefähr kommen. Ihre statistischen Analysen und Klimamodelle zeigten vielmehr, dass die globale Erwärmung das Wetter immer öfter aus dem Ruder laufen lässt. Nur bei Stürmen ist die Beweislage unklar. Rahmstorf begrüßte seinen Befund in einem historischen Nachwort. Die physikalische Widerstandskraft der Luftzirkulation im Kampf gegen den Klimawandel sei ein idealer Wegbereiter der Energiewende. Leider müssten nämlich die meisten Windkraftanlagen ab Orkanstärke abgeschaltet werden. +++

          +++ 25. März. Die Wahrscheinlichkeit, dass die globale Durchschnittstemperatur nicht erst im Jahr 2100, sondern schon 2050 um 1,4 bis 3 Grad ansteigt, liegt im Bereich des „Wahrscheinlichen“. Das haben Simulationen ergeben, die Myles Allen an der Oxford-Universität vorgenommen hat. Wie er in „Nature Geoscience“ schreibt, wurden für die Analyse Tausende unterschiedlicher regionaler Klimamodelle herangezogen, die das historische Klima am zuverlässigsten rekapitulierten. In „Nature Climate Change“ behauptete Pascale Braconnot vom CNRS in Gif sur Yvette Cedex ein paar Tage zuvor in einem Review zur Evaluation von Klimamodellen mit Paläoklimadaten: „Es gibt große Unsicherheiten über das Ausmaß der Erwärmung und über den künftigen Verlauf der Niederschlagsmuster...“ Solche semantischen Ausrutscher gleich im Anfang eines Abstracts sollen künftig untersagt werden, wie aus Kreisen des Weltklimarates IPCC zu hören ist. Superlative im Zusammenhang mit Modell-Unsicherheiten sollten künftig erst ab Seite 3 eines Papers erscheinen dürfen.+++

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