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+++ Klimaticker Mai +++ : Frackingverbot, Meeresrauschen, Treibhausdealer

Wo Schiefergas-Fracking zum großen Geschäft geworden ist: Frackingturm in Pennsylvania. Bild: dpa

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update über einen historischen frackingbericht, über Psychokriege und andere Signale für Paris.

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          +++ 15. Mai. Ein wissenschaftliches Bollwerk gegen die Gasförderung durch Fracking ist jetzt vom Umweltministerium des Bundesstaates New York herausgebracht worden. Der mehr als 2000 Seiten starke Bericht „Final Supplemental Generic Environmental Impact Statement“ ist eine  aktualisierte Aufarbeitung der seit den neunziger Jahren gesammelten Informationen zu den Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen der Schiefergasförderung. Im Dezember vergangenen Jahres hatte Gouverneur Andrew Cuomo, ausgestattet mit den entsprechenden Informationen aus der Umweltverträglichkeitsprüfung, ein vorläufiges Fracking-Verbot für New York mit Hinweis auf „weitere, noch ungeklärte Konsequenzen“ erlassen. Dabei geht es vor allem um die Verwendung von Chemikalien im Untergrund, um Erdbebenrisiken, aber auch um die erhöhte Luftverschmutzung, die mit der verstärkten Gasförderung zu erwarten sei. In dem Bericht ist die Rede von gut 1600 Anträgen auf Gasförderung, die allein für New York zu erwarten seien, und eine Förderung im großen Maßstab für die nächsten dreißig Jahre bedeuten würde. Die deutschen Umweltpolitiker sind deswegen hochgradig alarmiert. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Jürgen Trittin von den Grünen lassen Twitter überwachen und nach dem Hashtag #fleefracking durchforsten. Nachdem die Regierung ihr „Frackingermöglichungsgesetz“ (Trittin) durchgepeitscht hat, rechnen die Okofraktionen in den Parteien nämlich mit einer massiven Flüchtlingswelle ausgebrannter  amerikanischer Frackingunternehmer, die auf Chemiecontainerschiffen über den großen Teich schippern und die großen Schiefergaspotentiale von bis zu 23 Billionen Kubikmeter Gas insbesondere im Norden des Landes erobern könnten. +++

          Strand gibt es an den meisten Inseln nicht.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 11. Mai. Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich im vergangenen Jahrzehnt beschleunigt. Zu dem Ergebnis kommen Christopher Watson und seine Kollegen vom australischen Klima- und Wetterzentrum In Hobart, Tasmanien, nachdem sie die Satelliten- und Pegelmessungen der letzten beiden Dekaden überarbeitet hatten. Die früheren Messungen ergaben einen durchschnittlichen Meeresspiegelanstieg von rund 3,2 Millimeter pro Jahr. Außerdem sollte sich der Pegelanstieg zuletzt verlangsamt haben. Beides gilt dem Bericht in „Nature Climate Change“ zufolge nicht mehr: Als die Forscher die kontinentalen GPS-Daten und damit die Hebungen und Senkungen des Festlandes jeweils mit einberechneten, kamen sie auf insgesamt nur noch 2,6 Millimeter jährlich und einen Anstieg, der sich in den vergangenen zehn Jahren beschleunigt hat. „Das deckt sich nun besser mit den Beobachtungen, die wir von den schmelzenden Eismassen in Grönland und in der Antarktis sammeln“, schreiben die Forscher. Was man daraus lernt? Einiges: Wenn das Absaufen nicht so läuft wie erwartet, ist entweder das Wasser zu tief oder der Kopf noch zu hoch. Als Kinder wussten wir sofort, was in so einem Fall zu tun ist: runter tunken. Klimaforscher haben sich offenbar ihr Kinderherz bewahrt. Nicht mehr lang, dann dürfen sie auch ins große Becken.+++

          Lebensraum für Klimaskeptiker: Zwei Päckchen Zigaretten am Tag und ein Blick auf Palmen.

          +++ 7. Mai. In jedem Klima-Alarmisten steckt auch ein kleiner Klima-Leugner. So könnte man, auf den Punkt gebracht, die psychologische Wirkung der pseudowissenschaftlichen Umtriebe auf die Wissenschaft beschreiben. Australische und britische Forscher haben systematisch die Argumentationsmuster von etablierten Klimaforschern untersucht, wenn sie beispielsweise zu begründen versuchten, weshalb die Erdmitteltemperatur in den zurückliegenden anderthalb Jahrzehnten nur unwesentlich gestiegen ist. Der Begriff der „Klimawandel-Pause“ oder „Hiatus“ machte lange die Runde, bis sich schließlich sogar der Weltklimarat im bis dahin empiriefreien Raum plausible Hinweise zurechtfriemeln musste, um dann einigermaßen schwammig festzustellen: Die Erderwärmung geht trotz scheinbar stagnierender Temperataur  weiter. Tatsächlich hat man zuletzt einige Indizien gesammelt, dass sich die Erwärmung - insbesondere in den Ozeanen - deutlich fortsetzt und offensichtlich eine ganze zeitlang von neutralisierenden Klimaeffekten maskiert wurde. Für alle, die die Rede vom Klimawandel ablehnen, ist das natürlich eine Lüge mehr. Michael Smithson von der australischen National University hat  nun zahlreiche Belege in der Literatur gefunden, die zeigen, dass sich die Klimatologen von den Leugnern durchaus beeindrucken lassen. Das Team spricht in dem Aufsatz in “Global Environmental Change“ vom “Durchsickern“ der Klimaskeptikersprache und -argumente. Das tun die Forscher erstens, weil sie sich vor der Stereotype „Alarmist“ fürchten und deshalb schlechte Prognosen beispielsweise stärker abmildern, als es die Fakten eigentlich zulassen. Noch interessanter ist, zweitens, ein sehr verbreitetes anderes psychologisches Phänomen: Die Wissenschaftler, so behaupten die Autoren, fühlen sich subjektiv in der Minderheit - selbst wenn inzwischen 97 Prozent von ihnen den Klimawandel als Fakt betrachten. Sie glauben das, weil die Meinung der Leugner ihrem Dafürhalten nach „überproportional“ stark in der Öffentlichkeit vertreten sei. „Zu wissen, dass man anfällig ist für den Druck von außen, ist schon die Hälfte des Sieges im Kampf um den Klimwandel“, schreibt Hauptautor Stephan Lewandowsky   von der Universität Bristol. Was er nicht verrät: Die Siegermentalität wird in Zukunft pharmakologisch hergestellt. Der Weltklimarat entwickelt mit einem großen Impfstoffhersteller eine Vakzine gegen unlautere Argumente, die vor jeder Publikation und jedem öffentlichen Auftritt aufzufrischen ist.+++    

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