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+++ Klimaticker Mai +++ : Frackingverbot, Meeresrauschen, Treibhausdealer

Klimademo vor der Baustelle des Kohlekraftwerks Hamburg-Moorburg.

+++ 7. Mai. Atmosphärenforscher haben einen neuen Höchststand für das klimaschädliche Kohlendioxid in der Luft registriert. Das meldet die dpa. Erstmals seit Beginn der Messungen hat demnach der monatliche weltweite Durchschnittswert der Kohlendioxid-Konzentration 400 ppm (parts per million, Anteile pro Million Teilchen) überschritten. Dieser Höchstwert sei im vergangenen März gemessen worden, teilte die amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)  mit. Der Anstieg gehe vor allem auf die Nutzung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl zurück. Bei dem neuen globalen Durchschnittswert handle es sich um einen „signifikanten Meilenstein“. Seit dem vorindustriellen Zeitalter sei die Konzentration des Treibhausgases um mehr als 120 ppm angestiegen. Die Hälfte davon sei nach 1980 hinzugekommen. Klimaforscher Pieter Tans: „Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Durchschnittswert weltweit 400 ppm erreichen würde.“ Es war das perfekte Timing. Jetzt kann er fürwahr kommen, der Pariser Klimagipfel. Die arabische Delegation hat die Riesentorte mit der magischen Zahl 400 schon beim teuersten Patissier der Stadt in Auftrag gegeben, dreistündiges Feuerwerk inklusive. Der Festkuchen soll die Form eines gewaltigen Öltanks haben und auf einem der fünf königlichen Plätze von Paris serviert werden. Wie der Veranstalter des Klimagipfels meldet, gibt es nur noch eine Vakanz: Der Place de la Concorde - der Platz der Eintracht - ist noch nicht reserviert. +++

Kohlendioxidmesswerte am Mauna Loa auf Hawaii, der ältesten Messstelle der NOAA.

+++ 4. Mai. Lord Stern hat mitgeteilt, dass das 2-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen ist, wenn die Zusagen zu Emissionsminderungen bis Paris nicht deutlich aufgestockt werden. Grundlage ist eine Analyse des Grantham Research Institute, an der Stern federführend beteiligt war. In der wurden die bereits beim UN-Klimasekretariat vorliegenden nationalen Klimapläne mit den darin angegeben Emissionsplänen bis zum Jahr 2030 berücksichtigt.  Noch haben nur wenige Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention eigene Klimaziele definiert und schriftlich vorgelegt, dennoch haben die Forscher um Stern die bereits öffentlich skizzierten Emissionsminderungsziele wie etwa diejenigen von China, den Vereinigten Staaten und Europa - den drei größten Kohlendioxid-Emittenten - mit berücksichtigt. Allein dieses Trio dürfte demnach im Jahr 2030 zwischen Treibhausgase freisetzen, die etwa 20,9 und 22,3 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entsprechen. Um noch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (50 bis 66%) im Korridor des 2-Grad-Ziels zu bleiben, dürfen allerdings weltweit nicht mehr als 32 bis 44 Milliarden Tonnen emittiert werden. „Das bedeutet, dass dem Rest der Welt Emissionen von nicht mehr als 23 Milliarden Tonnen zustehen oder die Gesamtemissionen der drei Großemittenten Europa, China und USA  deutlich geringer ausfallen sollten“, fassen die drei Autoren des Berichts ihre Ergebnisse zusammen. 

Lord Stern, das ist unschwer zu erkennen, ist gelernter Mathematiker und längst Wirtschaftsberater der britischen Regierung. Sein Vater war Sozialist. Der hätte so eine kaltblütige Frage gar nicht erst zugelassen. Denn dass mehr als hundertsiebzig mehr oder weniger ausgehungerte Staaten genauso viel vom Kuchen kriegen sollen wie die drei dicksten Kinder wäre für Stern Senior ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. So kommt es, wenn die Kinder studieren. Theoretiker mit Leib und Seele, aber ein Herz so kalt wie ein Eisblock. +++

Lord Stern (links), ehemaliger Chefökonom der Weltbank, und Ottmar Edenhofer vom Weltklimabeirat und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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