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+++ Klimaticker Mai +++ : EU-Treibhaus-Sanierer, Manhattan-Hitze, CO2-Allzeithoch

Kohlendioxid-Ausstoß verstärkt nach wie vor den Treibhaus-Effekt Bild: ddp

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update mit der neuen EU-Treibhausstatistik, Hitzetoten und saurem Arktisfisch.

          7 Min.

          +++ 29. Mai. Hat Europa sein Einsparziel für Treibhausgase schon erreicht? Die neuen offiziellen Zahlen deuten darauf hin. Im Jahr 2011 sind in der Europäischen Union so wenige Treibhausgase freigestezt worden wie nie zuvor seit der offiziellen Erfassung im Jahr 1990. Das hat die europäische Umweltagentur (EEA) heute in Kopenhagen mitgeteilt. Die früheren Schätzungen der EU-Agentur wurden deutlich unterboten. Die Emissionen waren  innerhalb eines Jahres um 3,3 Prozent oder 155 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente gesunken. Zwei Drittel der Einsparungen wurden in Großbritannien, Frnakreich und Deutschland erzielt. Damit liegt die EU mit 18,4 Prozent Gesamtreduktion seit 1990 schon ziemlich nah an dem selbstgesteckten Mindestziel von 20 Prozent Verringerung bis zum Jahr 2020. Tatsächlich könnte dieses Ziel schon virtuelle erreicht worden. Nach der Auswertung von achtzig Prozent der Treibhausgasdaten durch Eurostat sollen 2012 mindestens 2,1 Prozent Emissionesreduktion im Vergleich zu 2011 erzielt worden sein. EEA-Direktorin Jaqueline McGlade warnt vor zu großer Euphorie: „Der starke Rückgang 2011 ist eine gute Nachricht, er ist aber hauptsächlich auf einen warmen Winter zurückzuführen.“ EU-Energie-Kommissar Guenther Oettinger hat sofort reagiert. In einer wütenden Stellungnahme zu seiner Festrede, in der er die EU als „Sanierungsfall“ bezeichnet hatte, stellt er nunmehr klar:  Die Zahlen waren dem Energiekommissariat völlig unbekannt, die Umwelt- und Klimakommissariate hätten selbstverständlich die Zahlen vor seiner Festrede veröffentlichen müssen, und nicht kurz danach. Im Übrigen habe Europa seine Hausaufgaben gemacht, es sei für alle zivilisierten Staaten dieser Welt ein Vorbild an Energiespar- und Sanierungpolitik.+++

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 23. Mai. Die Überwachung  der Meereisdecke in der Arktis muss neu organisiert und intensiviert werden. Das fordert der Geophysiker Hajo Eicken von der University of Alaska in Fairbanks. Eicken geht es darum Schiffskollisionsgefahren abzuwenden. Mit der  sommers immer länger und öfter aufbrechenden Eisdecke wählten künftig noch deutlich mehr Schiffe die Route durchs Nordmeer. Es müsse ein Netzwerk aufgebaut werden, schreibt er in „Nature“, in das neben den Satellitendaten auch die Informationen von indigenen Fischern einfließen, die die Dynamik und Kollisionsgefahren viel besser einschätzen könnten als Wissenschaftler in Fernerkundungszentren. Sarah Palin, die republikanische Ex-Gouverneurin und Vizepräsidentschaftskandidatin Alaskas, eine entschiedene Naturschutzgegnerin, die schon Wolf und Bär zum Abschuß aus der Luft freigegeben hat, kündigte daraufhin an, die Freizeitindustrie  entlang der durch die Schiefergaskonkurrenz bald bedeutungslosen Gaspipelines im Nordpolarmeer auszubauen. Für ihren Heimatsender „Fox“ plant sie eine Sommer-Reality-Show  an der Eisfront. Auf ihrem Ausflugschiff, das sich zwischen dem Packeis hindurchwindet und dabei wertvolle Daten ins Eisbeobachtungszentrum nach Fairbanks übermittelt, sollen sich betuchte Ölmagnaten auf die Jagd gefräßiger Eisbären machen, die nach Überzeugung Palins im Zuge der Erwärmung ohnehin zu einer wachsenden Bedrohung für die indigenen Eisberichterstatter werden. +++  

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