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+++ Klimaticker Juni +++ : Pekingbanden, Prinzenrede, Papstlehre

Geliebt und verhasst: Geförderte Windenergieanlagen haben einen festen Platz im deutschen Landschaftsbild. Bild: dpa

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update mit Chinas Plänen, Prinz Charles Klimadiagnose und der Umweltenzyklika.

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          +++ 30. Juni. China hat seine nationalen Klimaziele konkretisiert und seinen Vorschlag beim Klimasekretariat in Bonn vorgelegt. Bis zum Jahr 2030 soll die Kohlenstoffintensität, die Kohlendiodixemission pro wirtschaftlichem Ertrag, um 60 bis 65 Prozent sinken und der Anteil der Erneuerbaren im nationalen Energiemix bei 20 Prozent liegen. 2030 soll zudem der Höhepunkt der Kohlendioxidemissionen erreicht sein. Gemessen an der langen Bedenkzeit, die sich die Regierung in Peking gegönnt hat - China ist das vierzigste Land mit konkreten Zielangaben für den Pariser Klimagipfel -, ist das ein Knaller. Die Emissionswende für das Jahr 2030 hatte Peking schon in dem chinesisch-amerikanischen Deal vom vergangenen Jahr angekündigt. Die Ziele für die regenerativen Energien liegen dagegen sogar noch um fünf Prozentpunkte über den damaligen Ankündigungen, ebenso überraschend sind die relativen Emissionsreduktionen um zwei Drittel. China will es wissen. Das World Resource Institute (WRI) in Washington spricht von einem „seriösen und glaubwürdigen“ Plan. Chinas Energiewende sei “ein Signal, dass man in Peking die Dekarbonisierung der Wirtschaft“ ernst nehme. 2014 war China nicht nur der größte Kohlendioxidemittent weltweit, sondern mit 90 Milliarden Dollar auch der mit Abstand größte Investor in Ökoenergien. Allein die Kapazitäten an Windenergie haben im vergangenen Jahr 110 Gigawatt erreicht. Das ist fast dreimal so viel wie hierzulande. Die deutschen Windbauern sind alarmiert. Bei dem Tempo, das die Chinesen vorlegen, müssen sie mit Raubzügen asiatischer Energiebanden rechnen. Da die deutschen Windmühlen meistens auf dem flachen Land oder bar jeder Kontrolle auf hoher See installiert wurden, hat man sich entschlossen, die Windräder mit deutschen Stahlketten im Untergrund zu befestigen. Das hat seinerseits die Windradgegener im Land mächtig aufgebracht. Sie würden sich nicht nur über den Raub der Windmühlen freuen, sondern auch über den massenhaften Diebstahl wertvoller Windböen. Energiegeladene Luftpakete „Made in Germany“ erreichen auf dem chinesischen Markt zur Zeit Höchstpreise. +++   

          Steife Oberlippe der Windsors und Denkerstirn: Prinz Charles, der nachdenklichste der Windsors
          Steife Oberlippe der Windsors und Denkerstirn: Prinz Charles, der nachdenklichste der Windsors : Bild: AFP
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

             

          +++ 24. Juni. Der Klimawandel ist eine medizinischer Notfall. Das hat die „Lancet Commission“ sechs Jahre nach dem Erscheinen des ersten Lancet-Klimaberichts erklärt. Zwei Jahre lang haben Mediziner, Ökonomen, Ökologen und Geowissenschaftler um Anthony Costello vom University College London die jüngsten Ergebnisse der Klimaforschung ausgewertet. „Der Klimawandel ist die größte Gefahr für die Gesundheit der Menschen im 21. Jahrhundert“, heisst es in dem Bericht. Die Risiken insbesondere durch Ozon, Bakterien und Krankheitsüberträger würden immer schneller wachsen. Für die Präsentation haben die Forscher den britischen Thronfolger, Prinz Charles, gewonnen. In einer sechsminütigen Videobotschaft hat sich der grüne Prinz nicht um eine Dignose gedrückt: „Der Planet ist wirklich sehr krank“, sagte der Prinz of Wales. Wer krank ist, braucht Pflege, schnelle Pflege. Und der Planet braucht ein Heer von Pflegern. Das ist die Stunde der Ökobauern. Die Klimapolitiker, das ist die versteckte Botschaft hinter der Prinzenrede, werden sich darauf einstellen müssen, dass sie in Paris mit Mistgabeln traktiert werden und die bäuerlichen Ökodynastien das globale Management - vulgo: die Weltherrschaft - übernehmen. +++

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