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+++ Klimaticker Januar +++ : Klimamodelle, Katastrophenwerte, Algenpest

Globale Erwärmung: die 15-Jahres-Trendsder Temperatursteigerung im Vergleich aller 114 Modelle (Farbflächen) und der Messungen (Kreise). Bild: MPI für Meteorologie, Hamburg

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zur Fehleranfälligkeit der Klimamodelle, den planetaren Belastungsgrenzen und zum labilen Meeresplankton.

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          +++ 28. Januar. Wenn Klimamodelle falsche Prognosen liefern, ist das kein Fehler der Forscher, sondern Folge eines blöden Zufalls. Oder konkreter: Dass keine einzige der 114 für den Weltklimarat IPCC verwendeten Simulationen die rätselhafte Stagnation der Temperatur der letzten fünfzehn Jahre erkannt hat, ist kein Fehler im System, sondern das Ergebnis des Klimachaos. Das hat jetzt Jochem Marotzke, Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie klargestellt: „Die Behauptung, dass die Klimamodelle die Erwärmung auf Grund der zunehmenden Treibhausgaskonzentrationen systematisch überschätzen, ist unzutreffend.“  Grundlage für diese Einschätzung sind statistische Analysen, die Marotzke zusammen mit Piers Forster von der Universität Leeds für die Jahre zwischen 1900 und 2010 vorgenommen hat. Im Abstand von jeweils 15 Jahren wurden die Vorhersagen der Klimamodelle mit den tatsächlich gemessenen Temperaturen verglichen. Anschließend wurden die Modelle selbst miteinander verglichen, und zwar ihr Umgang drei physikalischen Faktoren, die das Klima in den Modellen wesentlich beeinflussen. Fazit: Die Modelle weichen zwar erheblich voneinander ab, wenn es etwa darum geht, wie empfindlich sie auf die Zunahme der Treibhausgase reagieren. Aber die Streuung bleibt im Rahmen. Um maximal 0,3 Grad weichen die extremsten Werte nach oben und unten ab – unabhängig von der Sensibilität der Modelle auf Kohlendioxid. Insgesamt simulieren die Modelle den langfristigen Temperaturanstieg ganz gut, meint Marotzke, vor allem wenn man alle Simulationen zusammen betrachtet. „Als Ensemble erfassen sie die Wirklichkeit ziemlich gut.“ Trotzdem haben sie bei der Vorhersage des Hiatus, der Klimawandelpause der vergangenen fünfzehn Jahre, versagt. Die Modelle hatten für die Zeit eine deutliche globale Erwärmung prognostiziert, tatsächlich ist es statistisch gesehen lediglich 0,06 Grad wärmer geworden. „Das war nur Zufall“, schreiben Marotzke und Forster in der Zeitschrift „Nature“. Die Pause gehöre zu jenen „chaotischen Prozessen im Klimasystem“, die nicht voraus zu berechnen seien. Grundsätzlich sei kein einzelner physikalischer Klimafaktor zu hundert Prozent vorauszuberechnen. Als Beispiel wird der Beitrag der Aerosole und Gase aus Vulkanausbrüchen genannt. Der Zufall steckt also in der Physik des Klimas hartnäckig mit drin. Das ist für die Klimaforscher freilich eine „leise Enttäuschung“, so beklagen sie in ihrer Pressemitteilung, denn nun könnten sie „an keiner Schraube drehen, um die Vorhersagen ihrer Modelle noch präziser zu machen – der Zufall hat keine.“ Was also tun? Wenn der Zufall so konsequent die Bemühungen um die Wahrheit torpediert und offenkundig keine einzige der 114 Simulationen mit dem Zufallsereignis Hiatus beglückt hat, hilft eigentlich nur eins: Simulieren, simulieren und nochmal simulieren. Bis den Supercomputern die Algorithmen buchstäblich zum Halse rauskommen und irgendwann die richtige Kurve mit der obskuren Erwärmungspause ausspucken. Irgendwann wird es schon was werden. Wir müssen nur Geduld haben. Kein Lottospieler gibt so schnell auf. Nicht, wenn er dafür gut bezahlt wird. +++

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