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+++ Klimaticker Dezember +++ : Sonnenflaute, Novemberrekord, Elefantenmist

Eisbohrung auf Grönland Bild: Evan Burgess

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zur Sonne, der Extremwärme in Russland , der wachsenden Wassernot und Klimasprünge.

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          +++ 22. November. Wieder ein Freispruch für die Sonne. Wie man es auch dreht und wendet in den Klimamodellen, die schwankende Sonnenintensität bleibt ein minimaler Faktor. Einen neuen Versuch, das Sonnenrätsel zu lösen, haben jetzt Gabriele Hegerl und ihre Kollegen von der University of Edinburgh unternommen. Sie haben die Daten für die vergangenen tausend Jahre, die man aus der Analyse von Klimaarchiven wie Baumringen gewonnen hat, mit unterschiedlichen Strahlungsantrieben zu rekonstruieren versucht. Neben den Vulkanausbrüchen, die für teilweise jahrelange Verdunkelung und damit Abkühlung der Atmosphäre verantwortlich waren, hat man in dem Modellexperiment  auch durchgespielt, wie der globale Temperaturverlauf mit einer hypothetisch starken - beziehungsweise schwachen - Klimawirkung der Sonne übereinstimmt. Ergebnis: Nur zwei Strahlungsantriebe zeigen eine gute Korrelation: Die Vulkanausbrüche vor der Zeit von 1900, danach die starke Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen. Selbst im Maunder-Minimum, der Periode im 17. und 18. Jahrhundert mit ungewöhnlich schwacher Sonnenaktivität, die für die „Kleine Eiszeit“ verantwortlich gemacht wird, dürfte der Einfluss auf die Globaltemperatur kaum größer  als 0,15 Grad gewesen sein. „Wir können die solare Strahlungswirkung als starken Antrieb der Klimaerwärmung im zwanzigsten Jahrhundert ausschließen“, schreiben die Forscher in „Nature Geoscience“ (doi: 10.1038/ngeo2040). Damit rückt eine Wiederaufnahme der Jahrtausende alten Untersuchungen zur meteorologischen Wirkung der Sonne auf die Ausprägung der Jahreszeiten näher. Möglicherweise hat sich, während Astronomen und Klimaforscher unentwegt auf die Sonnenflecken starren,  der Erdeinstrahlungswinkel in historischen Dimensionen verändert.  Dafür spricht  zumindest die in Flora und Fauna nachgewiesene Verschiebung des Jahreszeitenbeginns. Die größten Chancen, dieser astronomisch-klimatologischen Sensation auf  die Spur zu kommen, haben die Chinesen. Ihr „Jadehäschen“ auf dem Mond richtet seit etwa einer Woche unentwegt seine Roboteräuglein auf die Erde.+++

          Globale Temperaturanomalien im November 2013. Abweichungen vom langährigen Mittelwert sind farblich dargestellt (rot Erwärmung, blau Abkühlung).
          Globale Temperaturanomalien im November 2013. Abweichungen vom langährigen Mittelwert sind farblich dargestellt (rot Erwärmung, blau Abkühlung). : Bild: NOAA
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 22. November. Gerüchte über das Ende der globalen Erwärmungspause - des „Hiatus“ - machen die Runde. Der Grund: Die November-Daten des amerikanischen National Climatic Data Center zeigen rekordverdächtige Werte. Mit einer Temperaturabweichung von plus 0,78 Grad über dem langjährigen Monatsmittel von 12,9 Grad erklimmt der November 2013 die Wärmespitze der vergangenen 134 Grad. Über den Landflächen lag die Abweichung sogar bei plus 1,43 Grad, der zweithöchste Wert nach 2010. Hauptursache ist ein extrem warmer November in Russland (siehe NOAA-Karte). Der Protest der  Homosexuellen-Szene gegen die diskriminierenden Gesetze der russischen Regierung hat ursächlich wohl nichts damit zu tun. Auch das von Präsident Wladimir Putin wegen der bevorstehenden Olympischen Spiele in Sotchi angeordnete politische Tauwetter wird nicht im Zusammenhang mit dem russischen Klimawandel gesehen. Viel wahrscheinlicher ist auch eine andere Kausalität: Der warme November hat das Herz Putins erweicht und eine ungewöhnliche soziale Milde erzeugt. Wurde die psychologische Wirkung der Klimapolitik etwa unterschätzt? Klar ist: Sollte sich der Zusammenhang in retrospektiven Studien erhärten lassen, könnte das ganz neue politische Optionen beispielsweise für Nordkorea und China eröffnen. Mit der Klimaerwärmung rückt eine klimatisch bedingte Öffnung autokratischer Regime in Reichweite. +++  

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