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+++ Klimaticker Dezember +++ : Ökopapst, Europagrün, Grönlandfrust

Brennpunkt des Wandels: Illulisat auf Grönland. Bild: Jesper Frank

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zur Klimabilanz 2014 und der Offensive des Papstes, zur jüngsten IPCC-Lücke und dem rekordfreien Arktisjahr.

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          +++ 28. Dezember. Das Jahr 2014 wird, wenn nicht noch ein mittelgroßes meteorologisches Wunder geschieht, trotz des monatelangen Rätselratens um die sogenannte Klimawandelpause („Hiatus“) als das wärmste in der Geschichte der globalen Wetteraufzeichnungen eingehen. Überhaupt wird das fast schon wieder abgelaufene Jahr klimapolitisch als eines der aufregenderen in Erinnerung bleiben, betrachtet man die zahllosen Klimarückblicke dieser Tage. Neben den obligatorischen Hitlisten der wertvollsten Veröffentlichungen, die mehr oder weniger durchgängig das Fortschreiten der globalen Klimaerwärmung dokumentieren oder auch die Phänome des Wandels physikalisch zu erklären versuchen (wie hier), sind es das bilaterale Klimaabkommen der Vereinigten Staaten und China sowie der fünfte Weltklimabericht, welche die Analysten vor allem beschäftigen. Als nachhaltig im Sinne von geschichtsträchtig dürfte eine Bilanz  besonders herausragen, deren Vorgeschmack die amerikanische Klima- und Ozeanforschungsbehörde NOAA jetzt geliefert hat: die globale Klimabilanz der ersten elf Monate des Jahres. Sie zeigt, dass 2014 die lange anhaltende Stagnation der Mitteltemperaturen wohl vorerst  beendet ist: Mit 0,68 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts liegen wir in der Temperaturskala der Atmosphäre und Ozeane höher als in jedem Jahr zuvor. Der Hauptteil der Erwärmung wurde in den Meeren registriert. Und das, obwohl die Klimaanomalie El Nino, die vom tropischen Pazifik aus die Erwärmung meistens nochmal verchärft, in diesem Jahr überraschend milde ausgefallen ist. Alles klare Vorzeichen für ein positives Ergebnis der entscheidenden Klimaverhandlungen in einem Jahr in Paris, oder? Der Guardian lässt schonmal den Sieg über die Klimaskeptker feiern: „2015 wird der Anfang vom Ende der Klimaskeptiker“, schreibt der britische Greenpeace-Direktor John Sauven. Und Papst Franziskus wird mit dem Hinweis eines seiner engen Vertrauten zitiert, wonach der Papst den Pariser Klimagipfel gerne beeinflussen und die Regierungschefs zum klimapolitischen Handeln drängen möchte. Ein Treffen der Religionsführer der Welt könne dabei helfen. Auch die professionellen Lobbyisten gehen mit gewetzten Messern in die entscheidende Runde. Greenpeace-Chef Sauven erwartet keinen sauberen Endkampf, „schließlich geht es um Billionen“. Billionen Euro wohlgemerkt, meint der Greenpeace-Chef. Greenpeace ist es leid, nichts davon abzukriegen und statt dessen Prügel einzustecken, wenn man mal den Erneuerbaren zuliebe sogar die Nazca-Kultur in der peruanischen Wüste mit Turnschuhen und Stiefel tritt. Kommt der globale Klimavertrag in Paris zustande, peilt man eine Maklergebühr von marktüblichen drei Prozent an. Die junge Wind- und SolarIndustrie wird das Geld schon irgendwie aufbringen, fraglich ist nur, ob das ausreicht, die Schadensersatzansprüche, die das Unesco-Weltkulturarbe zusammen mit der peruanischen Regierung für die Beschädigung der Nazca-Linien vor wenigen Wochen veranschlagt hat, zu begleichen.+++

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