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+++ Klimaticker August +++ : Meeresasylanten, Dauerdürre, Reptilienbrut

Das Weiße Haus in Washington, eingehüllt von den Abgasen des nahe gelegenen Kohlekraftwerks.

+++ 3. August. Das Abschmelzen der Gletscher beschleunigt sich immer schneller. Weltweit gesehen verlieren sie „mehr Eis als jemals zuvor“, und zwar mehr oder weniger homogen über den Globus verteilt, berichtet der World Glacier Monitoring Service (WGMS) mit Sitz in Zürich. In einer neuen Analyse, die in ihrer Datenfülle und dem untersuchten Zeitraum deutlich über den Weltklimabericht des IPCC hinaus geht, kommt die internationale Forschergruppe des WGMS um Michael Zemp zu dem Schluß, dass zwar weiterhin Lücken und damit Unsicherheiten in der Datenererhebung bestehen, dass allerdings das „langfristige Zurückschmelzen der Gletscherzungen ein globales Phänomen“ so gut wie sicher sei. Vereinzelte Zuwächse seien stark regional bedingt und langfristig auch nicht stabil. Systematische Gletscherermessungen gibt es seit 1894, einige historische Aufzeichnungen reichen allerdings auch bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ungefähr 47.000 Beobachtungen von 2300 Gletschern wurden ausgewertet. Die größten Eismassen wurden im vergangenen halben Jahrhundert auf Grönland gemessen. Um einen halben bis einen Meter nehmen die Gletscher im Schnitt an Eisdicke mittlerweile ab. Rund 500 Milliarden Tonnen Schmelzwasser fließen damit jedes Jahr in die Weltmeere, der entsprechende Pegelanstieg beträgt im Mittel 1,37 Millimeter weltweit pro Jahr. In den siebziger Jahren waren es noch 150 Millarden Tonnnen Gletscherwasser, in den neunziger Jahren 390 Milliarden Tonnen. Warum die jüngsten Studien, die sich auf Satellitenmessungen berufen, knapp 37 Prozent geringere Eisverluste ermittelt haben, muss den Glaziologen zufolge noch genau ermittelt werden. Alles in allem sei aber klar: „Der weltweite Rückzug der Gletscher ist eines der stärksten Symbole für den globalen Klimawandel“. Die Nasa hat für so etwas natürlich einen Riecher. Deshalb schwärmt sie neuerdings von zerklüfteten Gletschern aus Stickstoffeis auf dem Zwergplaneten Pluto. Keiner darf sich wundern, wenn sie uns in ein paar Jahren einen Exoplaneten in zweitausend Lichtjahren Entfernung schmackhaft machen will, der rundum vereist ist und einer zweiten „Schneeballerde“ bis aufs Haar gleicht. Wir erinnern uns: Mit den großen Eiszeiten fing alles an. Das Nasa-Management macht sich zukunftsfest. +++

+++ 2. August. Mag sich Amerikas Präsident Obama klimapolitisch jetzt auch noch so ins Zeug legen vor dem Weltklimagipfel, China ist das Flaggschiff der Regenerativen-Großmächte. Jedenfalls in den Augen der Vereinten Nationen. Das Umweltprogramm Unep hat in seiner Reihe der „Erfolgsgeschichten der grünen Ökonomie“ eine bemerkenswerte Lobeshymne auf das Reich der Mitte veröffentlicht und per Twitter verbreitet. Darin wird Chinas Inititiativen als „ein Beispiel für ein von der Politik zielstrebig forciertes Wachstum der regenrativen Energiequellen„ bezeichnet, das Jobs, Vermögen und Einkünfte für eine karbonfreie Zukunft produziere. Basis der chinesischen Daten: Ende 2009. Das ist, klimapolitisch betrachtet, eine Ewigkeit her. Inzwischen gibt es längst ein offizielles Regierungspapier aus China an das Klimasekretariat, das aktuelle Zahlen enthält. Die Gefahr dabei: Die Lobesarie wäre dann wohl noch etwas greller ausgefallen. Beim amerikanischen Präsidenten kommt so was nie gut an, ob mit oder ohne dessen neu erwachte Klima-Großmachtambitionen. +++  

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