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+++ Klimaticker August +++ : Meeresasylanten, Dauerdürre, Reptilienbrut

Die natürlichen Ressourcen schwinden.

+++ 18. August. Bei 43,33 Grad liegt die Schmerzgrenze für Eidechsen. Wenn die Temperatur im Nest der Reptilien auch nur für kurze Zeit höher steigt, ist die Brut ausgelöscht. In den Vereinigten Staaten beispielsweise bedeutet das, dass die Gebiete, in denen Eidechsen hitzebedingt keinen Nachwuchs zeugen können, von heute drei Prozent zum Ende des Jahrhunderts auf 48 Prozent anwächst. Das schreiben Michael Angiletta und seine Kollegen vond er Arizona State Univsersity in den „Proceedings of the Royal Society B“. Eidechsengraben Nester und legen sämtliche Eier an einer Stelle ab. Die zwei Monate bis zum Schlüpfen ist der Nachwuchs den äußeren Bedingungen ausgeliefert. Angiletta: „Selbst wenn die Weibchen etwas tiefer graben, könnte es geschehen, dass die Maximaltemperatur während einer Hitzewelle kurzzeitig überschritten wird. Graben sie noch tiefer, könnte es sein, dass die frisch geschlüpften Eidechsen nicht schnell genug an die Luft kommen.“ Genau so dürfte es schwangeren Frauen auch gehen. Schlimmer noch. Wo soll der Fötus denn hinkriechen, wenn sich die Frau gutgäubig der globalen Erwärmung  aussetzt? Die gynäkologischen Fachgesellschaften haben fatalerweise noch kein Wort darüber verloren, dass wir künftig zu 100 Prozent Risikoschwangerschaften haben werden. So jedenfalls wird das nichts mit der gewünschten Erhöhung der Geburtenrate. +++

Gewusst wie: Frischlinge kann man zu Haustieren umerziehen. Auch das lernt man im neuen Buch von Thomas Macho. Doch Vorsicht: Der Autor unkt auch von unserem Gefressenwerden.

+++ 12. August. Heute ist „Welterschöpfungstag“. Sämtliche natürlichen Ressourcen für dieses Jahr sind ab heute aufgebraucht. Darauf weist die Umweltstiftung WWF unter Berufung auf das „Gobal Footprint Network“ hin. Ab heute lebt die Menschheit bis zum Jahresende bei der Natur auf Pump. Ausschlaggebend für die Bestimmung des „Overshootday“ ist das Votum Dutzender Umweltinitiativen, Organisationen und Körperschaften, die in einem globalen Netzwerk zusammen arbeiten.  In diesem Jahr rückt er im Vergleich zu den Vorjahren einige Tage nach vorn, wie der WWF mitteilte. Grundlage für die Berechnungen ist der sogenannte ökologische Fußabdruck. Als Eselsbrücke kann man sich merken: Je größer die Füsse, desto kleiner das Hirn. Und desto schmutziger die Geschäfte. Jeder Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate zum Beipiel hat mehr als zehn Hektar große ölgetränkte Füße, der Durchschnittsdeutsche hat bloß halb so große Füße. Damit kommt er auf dem grünen Parkett zwar immer noch oft genug ins Stolpern, aber immerhin sorgt die politische Spitze mit offiziellen Waschungen fürs Fußvolk und Aktionstagen wie den Energiewendeeinheitstag dafür, dass die kokelnden Füsse nicht mehr so bestialisch stinken. +++

Gletscherkollaps auch in Patagonien, hier der Perito-Moreno-Gletscher im Süden Argentiniens.

+++ 12. August.  Die Zunahme der Wildschweinpopulationen in Europa lässt sich statistisch in direkten Zusammenhang zum Klimwandel bringen. Wie das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna in der Zeitschrift „PlosOne“ vorrrechnet, hat der Vergleich von Temperatur- und Niederschlagsdaten mit den Jagdstatistiken aus zwölf europäischen Ländern ergeben: „Die Wildschweinpopulationen wachsen seit den achtziger Jahren exponentiell, weil die milden Winter immer häufiger werden.“ Darin unterscheiden sich Wildschweine deutlich von uns Menschen. Wir nutzen die milden Winter bis zum heutigen Tag noch immer nicht sinnvoll, die Geburtenraten im Land sind zuletzt immer weiter gefallen. Das könnte, wie sich leicht aus den Forschungsergebnissen ableiten lässt, an der Ernährung liegen;  Wildschweine haben sich viel früher auf klimwandelfreundliche vegane Ernähung - Bucheckern und Eicheln - festgelegt. Zum anderen könnte die Größe eine Rolle spielen: Die Thermoregulation kleiner Tiere sei vorteilhafter bei Erwärmung, schreiben die Autoren, das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen günstiger. Wildschweine werden also offenbar tendenziell kleiner, während der Durschnittsdeutsche in den letzten hundert Jahren um 15 Zentimeter zugelegt hat. +++

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