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+++ Klimaticker April +++ : Biogase, Eiszeitfeeling, Hummerglück

Bild: Douglas-Film GmbH

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update mit Waldausdünstungen, den Eiszeittrends in Hochkulturen und frustrierten Antarktisforschern.

          7 Min.

          +++ 28. April. Flüchtige organische Verbidnungen, die von Bäumen erzeugt werden und an heißen Tagen dem Nadelwald seinen  charakteristischen Duft verleihen, könnten die Aufheizung des Klimas dämpfen, weil sie in einer wärmeren Welt vermehrt freigesetzt werden.  Die gasförmigen Verbindungen bilden Partikeln in der Luft, die Sonnenlicht stärker reflektieren und gleichzeitig die Bildung von Wolken forcieren. Eine Forschergruppe um Pauli Paason vom International Institute for Applied Systems Analysis in Laxenburg in Österreich hat die Erzeugung von biogenen Aerosolen in der Grenzschicht über elf verschiedenen Regionen gemessen. Dabei kam heraus, dass die Kühlwirkung zwar gering ist und global gesehen wohl nur etwa ein Prozent der Klimaerwärmung neutralisieren würde. Aber in einigen waldreichen Gebieten wie Skandinavien  könnte der Effekt den treibhausgasbedingten Temperaturanstieg regional gesehen um fast ein Drittel mindern, berichten die Forscher in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ (doi.org/10.1038/ngeo1800). Nach Bekanntwerden des Ergebnisses drohen die Klimaverhandlungen in dieser Woche in Bonn zu platzen. Russland und Kanada haben angekündigt, vor dem Kongreßhotel eigene Waldschrate zu postieren, die von jedem Delegierten eine Klimaschutzprämie einstreichen sollen.  Die USA haben mit Rückendeckung der EU im Gegenzug den Einsatz von unbemannten Feuerdrohnen angedroht, falls die Waldstaaten nicht freiwillig ihre Bäume anweisen, die unregistrierte Aerosolproduktion einzugrenzen. +++ 

          Kleine Eiszeit (ca.1250 - 1860): Die Winterlandschaft wurde von Pieter Brueghel dem Jüngeren nach der Vorlage seines Vaters aus dem Jahr 1565 gemalt.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 21. April. Über den Landmassen war es während der vergangenen 1400 Jahre niemals so warm wie in der Periode zwischen 1970 und 2000. Das geht aus den Temperaturkurven hervor, die jetzt von einem Netzwerk („Past Global Changes“) aus achtzig vorgelegt wurde, das vor etwa zwanzig Jahren von mehr als achtzig Forschern weltweit gegründet worden war. Die Gruppe wertete auf sieben Kontinenten (ausgenommen Afrika) insgesamt 511 lokale Klimaarchive aus. Die Ergebnisse der Analysen von Baumringen, Pollen, Korallen, See- und Meeressedimenten, Eisbohrkernen und Stalagmiten wurden in „Nature Geoscience“ (doi: 10.1038/NGEO1797) präsentiert. Demnach gab es regional sowie zwischen den beiden Erdhemisphären durchaus starke Schwankungen. Auch die Kleine Eiszeit ab Mitte des vorigen Jahrtausends oder die Mittelalterliche Warmzeit davor waren keine weltweiten Phänome. Allerdings gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts insgesamt eher einen Trend zur Abkühlung, bedingt vor allem durch nachlassende Sonnenaktivität und die Erdplattenbewegung sowie durch Abdunkelung der Atmosphäre nach Vulkanausbrüchen. Seitdem hat sich die Luft über Land immer schneller erwärmt. Doch: „Nicht überall auf der Welt stellen die gegenwärtigen  Temperaturen Rekordwerte dar“ , berichten die Forscher; in Europa etwa soll es zwischen 21und 80 nach Christus noch wärmer gewesen sein als heute. Südfranzösische Höhlenzeichnungen aus jener Zeit zeigen gewaltige Gruben und Kohlekraftwerke in den prächtigsten Farben, die von römischen Sklaven mit Brickets aus dem Ruhrgebiet befeuert wurden. Dargestellt ist auch der letzte Großausbruch des Vesuvs, der offensichtlich die Ruhrbricketwanderrouten aus dem Norden in Schutt und Asche gelegt hatte. +++    

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