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+++ Klimaticker April +++ : Biogase, Eiszeitfeeling, Hummerglück

Gletscherströme: Antarktische Halbinsel (links)

+++ 19. April. Die Wende hin zu regenerativen Energiequellen verändert die Fauna der Nordsee. Verschwunden geglaubte Organismen kehren zurück. In der Biologischen Anstalt Helgoland, die zum Alfred-Wegener-Institut (AWI) gehört, werden in diesen Tagen 3000 Europäische Hummer aufgezogen, die vom kommenden Jahr an am Fuß der Offshore-Windräder ausgewildert werden. In den sechziger Jahren waren die Populationen des Hummers massiv eingebrochen und hatten sich nicht wieder erholt. Dem Höhlenbewohner fehlt es an geeigneten Quartieren am Meersgrund. Das soll sich mit den Windparks in der Deutschen Bucht massiv ändern. In den Steinfeldern, die zur Stabilisierung der Anlagen im Riffgat-Windpark aufgeschüttet werden, sollen die Wirbellosen eine neue Heimat finden. Heinz-Dieter Franke vom AWI freut sich über die „ökologische Aufwertung“ der entstehenden Windparks. Jedes der dreitausend Tiere wird mit 233 Euro aus dem grünen Ausgleichstopf für „Riffgat“ subventioniert. Davon bezahlt wird auch die  Biologin Isabel Schmalenbach, die  als Trainerin und Coach eingestellt worden ist. Sie hat ein spezielles Arbeitstraining für handaufgezogene Hummertrupps entwickelt. Nächstes Jahr, wenn sie zehn Zentimeter groß sind, sollen die Tiere psychisch und physisch reif genug sein, ihren Dienst anzutreten. Auch die dicksten Felsbrocken, die von einem schweren Sturm vom Sockel der Windräder weggespült werden,sollen dann von den geschulten Hummertrupps gerettet werden. Zwischen die Windmühlen eindringende Fischerboote werden dagegen mit Steinen beworfen und aus dem Park gejagt. +++

     +++ 16. April. In den Sommermonaten schmilzt das Eis auf der  Antarktischen Halbinsel schneller als irgendwann sonst in den vergangenen tausend Jahren. Das hat der British Antarctic Survey (BAC) nach der Analyse eines 364 Meter langen Eisbohrkerns von James Ross Island festgestellt. Anfangs der Kleinen Eiszeit, zwischen 1410 und 1460, sei der Schnee am ehesten lieben geblieben, berichtet die Gruppe um Nerilie Abram. Danach nahm die Sommerschmelzrate sukzessive zu, und seit etwa sechzig Jahre geht es in den warmen Monaten steil abwärts mit der Schneedecke: Mit knapp 5 Prozent  schmilzt inzwischen zehnmal soviel von der jährlichen Neuschneedecke wie noch  vor sechshundert Jahren. In „Nature Geoscience“ schreiben die BAC-Wissenschaftler, dass die “Antarktische Halbinsel nun ausgesprochen empfindlich reagiert auf die kleinste Erhöhung der mittleren Temperatur“. Jahrtausende unter dem Eis verborgene Dinosauriernester, die dereinst aus dem nahegelegenen Südamerika eingewandert waren,  könnten freigelegt und die Eier des  gefürchteten Tyrannosaurus Rex innerhalb weniger Sommerwochen ausgebrütet werden. Das BAC-Team arbeitet im Forschungscamp unter Hochdruck an Sperrzäunen, die den scharfen Zähnen der gierigen Raubsaurier stand halten sollen.+++    

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