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+++ Klimaticker August +++ : IPCC-Leaks, Klimaprognose, Ozonlochhitze

NEEM-Camp in Grönland.

+++ 8. August. Windige Überraschung über der Südhalbkugel: Das Ozonloch über der Antarktis, das sich schon jetzt jetzt im südlichen im Frühjahr für ein paar Wochen ankündigt, trägt zur Erderwärmung bei. Das wollen jedenfalls Forscher des Lamont-Doherty Earth Observatory an der New Yorker  Columbia University zusammen mit der Nasa herausgefunden haben. Im Weltklimabericht war bisher von einem minimalen Kühleffekt des Ozonlochs von rund 0,05 Watt pro Quadratmeter die Rede. Kevin Grise und sein Team haben sich die Satellitendaten noch einmal genauer angesehen und finden, dass das Ozonloch zu einer Erwärmung von netto 0,2 Watt beiträgt. Ursache ist ein indirekter Effekt: Grise hat nämlich beobachtet, dass in den Phasen der großen Ozonverluste der Jetstream mit seinen Starkwinden in der oberen Atmosphäre polwärts wandert. Die Folge: Auch die höheren Wolkenschicten werden für ein paar Wochen südwärts verlagert. Damit wird weniger Licht von Wolken reflektiert, Strahlung erreicht verstärkt den Erdboden, berichten die Forscher in den Geophysical Research Letters. Da die mittlere Strahlungsenergie etwa 175 Watt pro Quadratmeter beträgt, kann die Zusatzenergie von plus 0,2 Watt unter den wolkenfreien Regionen keine gewaltige Wirkung haben. Grise: „Unklar ist, ob das Signal detektiert werden kann und welche Größenordnung das hätte.“ Trotzdem ist er sicher: „Die Wirkung von Wolken hat potentiell praktische Konsequenzen, das Klima der Südhemisphäre und die globale Erwärmung vorherzusagen.“ Die erste praktische Konsequenz ist füpr Grise, die Anträge für neue Modellierungsprojekte schnellstens einzureichen. Denn wie alle Ozonforscher wurde er zuletzt von der Nachricht aufgeschreckt, dass sich das Ozonloch offenbar schneller schließen könnte (als erhofft). +++

Das Ozonloch über der Antarktis im Rekordjahr 2006.

+++ 5. August. „Die Menschheit ist der wichtigste Faktor für den globalen Klimawandel der vergangenen 50 Jahre.“ So steht es in der neuen, revidierten Stellungnahme der Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft AGU, der immerhin 62.000 Mitglieder in 144 Ländern angehören. Und so eindeutig hatte die Fachgesellschaft die anthropogene Erwärmung bisher auch noch nicht formuliert. Ein 15köpfiges Spezialistengremium aus der  Forschervereinigung, dem auch Peter Lemke vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut angehört,  hat diese vierte Überarbeitung der ersten Stellungnahme seit Dezember 2003 in Washington vorgelegt - und zwar schon kurz nach der jüngsten planmäßigen Revision im Februar 2012. Die jüngste Abkühlung in einigen Regionen sei nicht ungewöhnlich und „kann  die Wirklichkeit des menschengemachten Klmawandels nicht infrage stellen“. Zu Problemen mit  Klimaprognosen heißt es: „Obwohl es sehr wohl  Unsicherheiten gibt, wo und welche Veränderungen genau eintroffen werden, gibt es keinerlei Unsicherheiten, die die Folgen des Klimwandels belanglos erscheinen lassen.“ Warum die Verschärfung einiger Formulierungen und die Aktualisierung von Erkenntnissen in dem Text nötig geworden sind, soll ein anderer Satz aus dem vom AGU-Board verabschiedeten Dokument zeigen: „Eine schnelle Reaktion der Gesellschaft auf den globalen Klimawandel könnte die negativen Auswirkungen abmildern.“ Die AGU schließt sich damit quasi der offiziellen amerikanischen Politik an, einen stärkeren Fokus auf die Anpassung zu richten. Im Weißen Haus war man erleichtert, dass sich die internationale Gemeinschaft der Klimaforscher nun endlich so geschlossen hinter die offizielle amerikanische Klima-Meinung gestellt hat. Vor allem wird es als gutes Zeichen gewertet, dass auch europäische Forscher Einsicht zeigen. Jetzt gelte es, auf dem bevorstehenden Weltklimagipfel in Warschau die europäischen Staaten von der amerikanischen Rettung des weltweiten Klimas zu überzeugen.+++  

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