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+++ Klimaticker August +++ : IPCC-Leaks, Klimaprognose, Ozonlochhitze

Temperaturanomalien während der positiven (warmen) und der negativen (kalten) Phase der Pazifisch-Dekadischen-Oszillation.

+++ 14. August. Der Klimawandel könnte „ein Blütendesaster„ zur Folge haben. So wird in der Ankündigung der Zeitschrift „Natur Communications“ formuliert, was japanische Umweltforscher von der Hiokkaido University in Sapporo im selben Heft veröffentlicht haben. Am Beipiel einer wilden Verwandten des bekannten Laborunkrauts Arabidposis  haben Akiko Satake und seine Kollegen untersucht, wie die genetischen Netzwerke auf Temperaturerhöhungen reagieren. Entsprechende Versuche wurden in den japanischen Gärten von Hyogo and Hakodate vorgenommen. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf die Aktivität von temperatur- und lichtempfindlichen Genen wie jenem für das Protein „Flowering Locus C“, die schon länger als Taktgeber für den Blühzyklus bekannt sind. Die Dynamik dieses Systems wurde anschließend in einem vereinfachten Computermodell simuliert. Die im Experiment und Computermodell ermittelten Kurven mit den Genaktivitätsmustern stimmten ganz ordentlich überein. Nach ihrem Modell hört Arabidopsis halleri ab einer Temperatursteigerung von 4,5 bis 5,3 Grad zu blühen. Und weiter schreiben Die Forscher: „Angesichts des konservativen Aufbaus der Gennetzwerke, die das Blühen regulieren, können die Ergebnisse auch auf andere Blütenpflanzen übertragen werden.“ In Holland knallen deshalb schon die  Sektkorken. Die Blumen aus ihren Treibhäusern werden schon seit Jahren auf den Ernstfall vorbereitet. Locker können Sie zehn Grad mehr wegstecken. Und wenn das Unkraut dann von allein verschwindet, was bei den aktuellen Klimavorhersagen möglicherweise schon im zweiten Drittel des Jahrhunderts zu erwarten ist, könnten zig Milliarden Euro für den Pestizideinsatz gespart und die Tulpen schon inflationsbereinigt für 19 Cent je Strauß über den Tisch gehen. +++

Auf dem Höhepunkt des Tulpenwahns wurde für eine Zwiebel umgerechnet 87.000 Euro gezahlt

+++ 11. August. Grönlands mächtigen Eisschilden wird auch von unten eingeheizt. Erdwärme lässt die Gletscher schmelzen. Allerdings nicht gleichmäßig. Der Grund: Die Erdkruste unter dem Eis schwankt in der Dicke und Zusammensetzung extrem stark. An manchen Stellen ist sie nur 70 bis 80 Kilometer stark, ein Drittel der für Gesteinsformaitonen dieses Alters üblichen Dicke. Was das für die Eisschilde bedeutet, haben Forscher des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) zusammen mit russischen und finnischen Kollegen zu ermitteln versucht. Derzeit verliert Grönland durch das Schmelzen der Gletscher an der Oberfläche rund 227 Milliarden Tonnen Eis jährlich - macht ein Beitrag von ungefähr 0,7 Millimeter zum aktuellen globalen Meeresspiegelanstieg von gut 3 Millimeter pro Jahr. In ihrem thermomechanischen Modell, das mit einem Eis-Klimamodell gekoppelt wurde, haben Alexey Petrunin  und sein Team von der „IceGeoHeat“-Initiative berechnet, dass sich die Wärmeproduktion über Grönland gemittelt im Bereich von 0,4 Mikrowatt pro Kubikmeter abspielt. Das ist marginal gegen die Energiezufuhr an der Oberfläche. In Zentralgrönland, so berichten die Geoforscher in „Nature Geoscience“,  sind es pro Quadratmeter Boden maximal ein tausendstel der Strahlungsenergie, die der Erde im Schnitt von oben zugeführt wird. Trotzdem darf, so mahnt das Potsdamer Geoforschungszentrum,  „der Effekt bei der Modellierung des Eisschildes im Klimageschehen nicht vernachlässigt werden“. Es gilt die alte Wikinger-Weisheit: Auch Kleinvieh macht viel Mist, über den man stolpern kann. +++  

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