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Klimaskeptiker : Die letzten Fortschrittsgläubigen

Beim Institute of Ideas steht nicht nur die Klimaskepsis auf der Agenda, sondern auch die Vorbehalte der Öffentlichkeit gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. Das Institut berichtet offen über seine Sponsoren. Unter ihnen findet sich ein Unternehmen mit dem unverfänglichen Namen „CropLife“. Das ist eine Dachorganisation, die Firmen der Pflanzentechnologie zusammenfasst: darunter BASF, Bayer CropScience, Dow Agrosciences, Dupont. Und nicht zum letzten Mal stoßen wir in diesen Zusammenhängen auf die Firma Monsanto.

Linkswende nach rechts

Nicht nur Familienbande verknüpfen das Institute of Ideas mit dem britischen Science Media Centre. Claire Fox, Ex-Mitglied der Revolutionary Communist Party, ist die Schwester von Fiona Fox, die ähnliche Ideen unter dem Titel „The Great Global Warming Swindle“ vertrat und dem Science Media Centre vorsteht – auch sie ein ehemaliges Führungsmitglied der trotzkistischen Sekte. Die Mittel des naturgemäß industriefreundlichen, keineswegs unparteilichen Zentrums stammen unter anderem von Bayer, BP, Exxon, Shell, Coca Cola, Chemical Industries Association, Colgate-Palmolive, L’Oréal, Philips, Unilever, Siemens, Du Pont, Eli Lilly und Vodafone.

Der deutsche Kooperationspartner von „Spiked“ ist das Magazin „Novo Argumente“. Seit 1992 streitet es, so die Eigenwerbung, „für Fortschritt, Humanismus und für eine bessere Zukunft durch mehr Wachstum und Freiheit für alle“. Über seine Sponsoren schweigt „Novo“. Man kann aber die Vernetzung der Gruppen leicht beschreiben: „Novo“ ist nicht nur mit „Spiked“, sondern auch mit der „Achse des Guten“ verlinkt, neben Dirk Maxeiner und Michael Miersch gehören mit David Harnasch, Vera Lengsfeld, Cora Stephan und Vince Ebert weitere Autoren der „Achse“ auch zu „Novo“.

Aber Thomas Deichmann, Chef des Magazins, ist, wenn es darauf ankommt, ganz ungebunden: Dann schreibt er etwa für die linksradikale, „antideutsche“, vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtete „Jungle World“, und zwar in einem Tonfall, der der Klientel angepasst ist: In der Öko-Bewegung und der Kritik am Mais von Monsanto sieht er „rechte Nationalisten, buntgemischte USA-Kritiker, dazu Verteidiger der deutschen Scholle, allerlei esoterisch-okkulte Fortschrittsmuffel und Stammtischspezialisten fast aller Parteien“. Tatsächlich hat „Novo“ eine ähnliche Geschichte wie „Spiked“, das Magazin ist aus einer Frankfurter Uni-Gruppe namens „Linkswende“ hervorgegangen.

Revolution durch Kapitalismus

Man erkennt einen Mechanismus, der nun doch an die amerikanischen Neocons erinnert, unter denen sich gleichfalls nicht wenige Ex-Trotzkisten finden. Nur geht es diesmal nicht außenpolitisch um globale Interventionen, sondern innenpolitisch um die revolutionäre Kraft des Kapitalismus – die einzige, die noch etwas zu versprechen scheint. Frank Furedi schreibt in „Novo“ und im „Cicero“. Und im „Cicero“ trifft man wieder auf Thomas Deichmann von „Novo“, der sich kritisch über Greenpeace äußert, wie auch Wolfram Weimer wechselseitig mit der „Achse des Guten“ verlinkt ist und selbst dort publiziert. Roger Köppel, der die Zürcher „Weltwoche“ leitet, ist zweifellos der beste, unabhängigste Kopf der klimaskeptischen Tendenz. Er verlinkt seine Zeitung mit der „Achse des Guten“. Henryk M. Broder, einer der Chefs der „Achse“, ist auch Autor der „Weltwoche“.

Köppel und Weimer gelten als „konservativ“. Die Idee des Konservativen, die dahintersteht, ist aus drei Elementen begründet: aus dem Kapitalismus in seiner fragwürdigsten Form – einer von gesetzlichen Umweltschutzauflagen weitgehend befreiten Industrie –, aus einer kämpferischen Idee des „Westens“ und aus seiner Frontstellung gegen den Islam im globalen Kulturkonflikt. Viel wird davon abhängen, hier eine Klärung der Begriffe herbeizuführen. Ist denn wirklich konservativ, was sich je nach Gelegenheit in rechten und ultralinken Publikationen artikulieren kann? Nur scheinbar schließt die Skepsis gegenüber Weltklimarettungsplänen an den klassischen konservativen Topos der Kritik der prometheischen Moderne an. In Wahrheit bildet der Konservativismus der Klimaskeptiker eine elitistisch-technokratische Ideenwelt, die zur ehemals trotzkistischen Avantgarde ebenso angegossen passt wie zum Neokonservativismus à l’américaine.

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