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Klimaschutz : Wie deutlich darf die Warnung sein?

  • Aktualisiert am

„Eine Klimaabgabe auf Flugtickets ist eine gute Möglichkeit” Bild: dpa

Noch streiten sich die Delegierten, wie eindeutig die Aussagen im zweiten Teil des Weltklimaberichts sein dürfen. Koalitionspolitiker sprechen sich unterdessen für eine Klimaschutzabgabe auf Flugtickets aus.

          Die Beratungen über den zweiten Teil des Weltklimaberichts, der am Freitag in Brüssel vorgestellt werden soll, kommen offenbar nur langsam voran. Mehrere Delegierte sprachen vor der Sitzung des Weltklimarats (IPCC) am Donnerstag von zähen Verhandlungen über jede Zeile des Berichts.

          „Es geht langsam“, sagte der schwedische Delegierte Mattias Lunblad. Dissens gab es über eine Formulierung der Einleitung, in der es im Entwurf heißt: „Viele Natursysteme auf allen Kontinenten und in einigen Ozeanen werden von regionalen Klimaveränderungen betroffen sein.“ Einige Delegationen forderten eine weniger eindeutige Aussage. Zur Klärung des Dissenses wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt.

          Auch Hans Verolme von der Naturschutzorganisation WWF sagte: „Wir haben bisher zu wenige Fortschritte erzielt.“ Seine Organisation bestehe darauf, dass der Bericht eine eindeutige Botschaft vermittle, die auch für Laien verständlich sei.

          Thema auf dem G-8-Gipfel

          Im Mittelpunkt des zweiten Teils des Berichts stehen die Auswirkungen der Erderwärmung auf Flora und Fauna. Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Teil stellt die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung heraus.

          Das Dokument des Weltklimarats wird auch dem G-8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm an der Ostsee präsentiert. Die EU will dort die Vereinigten Staaten dazu drängen, sich ebenfalls auf verbindliche Grenzwerte bei der Emission von Treibhausgasen zu verpflichten.

          Umweltpolitiker für Klimaschutzabgabe auf Flugtickets

          Umweltpolitiker der großen Koalition haben unterdessen für eine Abgabe auf Flugtickets plädiert. „Damit könnten wir Klimaschutzmaßnahmen bei uns oder in den Entwicklungsländern finanzieren“, schlug die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) in der „Berliner Zeitung“ vor. Die Abgabe solle für alle Flugscheine gleichermaßen gelten und sich im hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich bewegen, sagte Gönner. Ähnlich äußerte sich die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Katherina Reiche.

          Unterstützung erhielten die Unions-Politikerinnen vom Koalitionspartner SPD: „Wenn wir bei einer europaweiten Kerosinsteuer nicht vorankommen, dann ist eine Klimaabgabe auf Flugtickets eine gute Möglichkeit“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Ulrich Kelber. Es sei nicht hinzunehmen, dass sich Flugpassagiere bislang kaum an den Umweltkosten beteiligen müssten. Nach Kelbers Vorstellungen sollte die Abgabe den Entwicklungsländern zu Gute kommen und nach Flugklasse und Flugentfernung gestaffelt werden.

          „Entwicklungshilfe am Klimaschutz orientieren“

          Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte unterdessen die Industrieländer zur Aufstockung ihrer finanziellen Hilfen für die von den Auswirkungen des Klimawandels betroffenen Länder auf. „Entwicklungspolitik muss sich künftig noch mehr am Klimaschutz orientieren“, sagte die Ministerin der „Frankfurter Rundschau“.

          Unter anderem nannte Wieczorek-Zeul den Ausbau der Infrastruktur. So bräuchten Entwicklungsländer Straßen und Brücken, die Umweltbelastungen besser standhielten. Unterstützung sei auch nötig, um Menschen aus Küstenregionen umzusiedeln, die von Überschwemmungen bedroht seien. 20 bis 25 Prozent der Treibhausgasemissionen gingen zudem auf die Abholzung der Regenwälder zurück. „International müssen wir Wege finden, um die Entwicklungsländer finanziell zu entschädigen, die der Abholzung Einhalt gebieten“, sagte die SPD-Ministerin.

          Eindeutiger Trend zum Abschmelzen der Polkappen

          Auswirkungen der Klimaerwärmung sind nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern auch in diesem Winter am Nordpolarmeer deutlich geworden. Die Ausdehnung des Wintereises habe im März erneut deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen, stellten Forscher des National Sea and Ice Data Centers im amerikanischen Bundesstaat Colorado (NSIDC) fest. Die Ausdehnung des Eises habe im März nur knapp über dem Stand von 2006 gelegen, als die bislang niedrigste Ausdehnung gemessen worden sei, teilten die Wissenschaftler am Mittwoch mit.

          Es gebe eindeutig einen Trend zum Abschmelzen der Polkappe, konstatierten die Experten, und dieser Trend scheine sich zu beschleunigen. Dies sei ein klares Indiz für eine Klimaerwärmung, sagte der Forscher Walt Meier.

          UN-Sicherheitsrat berät über den Klimawandel

          Der laut UN-Charta für den Weltfrieden zuständige Sicherheitsrat wird sich am 17. April erstmals mit dem Klimawandel befassen. Vor allem Großbritannien hat sich dafür stark gemacht, das Thema auf die Tagesordnung des Rates zu setzen. „Die traditionellen Auslöser von Konflikten werden durch die Effekte des Klimawandels vermutlich noch verschärft“, sagte der britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry am Mittwoch vor der Presse in New York.

          Großbritannien, das im April die Präsidentschaft im Sicherheitsrat übernimmt, hält die Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Sicherheit für so bedeutsam, dass Außenministerin Margaret Beckett die Debatte selbst leiten wird. Normalerweise nehmen nur die UN-Botschafter der 15 Mitglieder des Rates an den Beratungen teil. Wegen der Bedeutung des Problems habe Großbritannien aber auch die anderen Außenminister zu der Debatte eingeladen, sagte Jones Parry.

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