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Klimaschutz : UN warnen vor Hungersnöten durch Biosprit

  • Aktualisiert am

Jean Ziegler ist Sondergesandter für das Recht auf Nahrung Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

In dramatischen Worten hat der UN-Sondergesandte Ziegler davor gewarnt, dass Menschen verhungern könnten, wenn der Anbau von Ethanol für die Kraftstoffproduktion ausgeweitet würde. Unterdessen bezeichnete Al Gore die Beschlüsse des G-8-Gipfels als „Schande“.

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          Der zunehmende Einsatz von Ethanol als Kraftstoff könnte laut Angaben der Vereinten Nationen zu schweren Hungersnöten führen. Das Recht auf Nahrung sei durch die Ausweitung der Produktion von sogenanntem Biosprit hochgradig gefährdet, sagte der zuständige UN-Sondergesandte Jean Ziegler am Donnerstag. „Den Preis dafür werden vielleicht Hunderttausende Menschen bezahlen, die deswegen verhungern.“

          Ziegler bezichtigte die Europäische Union, Japan und die Vereinigten Staaten der „totalen Heuchelei“. Diese wollten mit der Ethanolförderung nur ihre Abhängigkeit von importiertem Öl vermindern. In einigen Regionen Mexikos seien die Maispreise im vergangenen Jahr schon um 16 Prozent gestiegen, sagte Ziegler. Im Norden und Osten Brasiliens würden zur Ethanol- Produktion immer mehr Zuckerrohrplantagen angelegt. Dadurch bliebe den Kleinbauern dort immer weniger Land.

          Al Gore: Klimabeschlüsse der G8 eine „Schande“

          Er könne zwar verstehen, dass diese verschuldeten Länder Devisen einnehmen wollten, sagte Ziegler. „Vom Standpunkt des Rechts auf Nahrung aus gesehen, ist das jedoch eine Katastrophe.“

          Al Gore: „Eine Schande, die als Erfolg getarnt wurde”
          Al Gore: „Eine Schande, die als Erfolg getarnt wurde” : Bild: AP

          Unterdessen hat der frühere amerikanische Vizepräsident Al Gore die Beschlüsse des jüngsten G-8-Gipfels zum Klimaschutz scharf kritisiert. Die in Heiligendamm getroffenen Vereinbarungen seien „eine Schande, die als Erfolg getarnt wurde“, sagte Gore bei einer Veranstaltung in Mailand am Donnerstagabend.

          Zwar lobte er Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Bemühungen, die Staats- und Regierungschefs der G8 auf konkrete Ziele zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes festlegen zu wollen. Wirklich erreicht worden sei auf dem Treffen vor einer Woche aber nichts: „Die acht mächtigsten Länder der Welt kamen zusammen und waren unfähig, irgendetwas anderes zu sagen als: 'Wir hatten gute Gespräche, und wir haben uns darauf geeinigt, dass wir weitere Gespräche haben werden, und wir werden sogar Gespräche über die Möglichkeit führen, in Zukunft vielleicht etwas auf freiwilliger Basis zu unternehmen.“

          Nächster G-8-Gipfel auf einer Insel

          Die G8 - Vereinigte Staaten, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Russland - hatten in Heiligendamm erklärt, sie wollten eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent „ernsthaft in Betracht“ ziehen. Das war von zahlreichen Umweltverbänden und Politikern als zu unverbindlich kritisiert worden.

          Gore avancierte in den vergangenen Monaten mit seinem Oscar-prämierten Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ über den Klimawandel zu einem der berühmtesten Umweltschützer. Unter Bill Clinton war er Vizepräsident. Im Jahr 2000 trat er selbst bei der Präsidentenwahl an, scheiterte aber an George W. Bush.

          Die G-8-Staaten wollen ihr nächstes Gipfeltreffen im Jahr 2009 auf einer kleinen sardinischen Insel abhalten. Das teilte die italienische Regierung am Donnerstag mit. Der Gipfel wird demnach auf Maddalena stattfinden, wo die Vereinigten Staaten derzeit noch eine U-Boot-Basis unterhalten, die 2008 geschlossen werden soll.

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