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Klimaschutz : Sonst kommen wir auf keinen grünen Zweig

  • -Aktualisiert am

Aussicht auf den Regenwald Bild: ZB

Für den Beitrag der Wälder zum Klimaschutz soll nach dem Beschluss auf dem Kopenhagener Klimagipfel künftig Geld fließen. Ohne zusätzliche CO²- Einsparungen wird die Maßnahme jedoch ins Leere laufen.

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          Die mit großen Holzbündeln beladenen Familien, die der kongolesische Ranger Anfang Februar auf einer Patrouille im Virunga-Nationalpark traf, suchten nicht erst nach Ausflüchten. Ja, sie wüssten, dass es verboten sei, in dem geschützten Regenwald Holz zu sammeln. Doch seit die Ranger im vorigen November wegen des Bürgerkriegs evakuiert worden wären, hätten sie es trotzdem getan - weil sie das Holz zum Kochen brauchten.

          Der Ranger, der die Begegnung auf der Website des Nationalparks dokumentierte, ließ die Familien ziehen. Zu groß ist die Not in der östlichen Kongo-Region, als dass er das Verbot konsequent hätte durchsetzen wollen. Dabei ist der Schaden, den Holzsammler im Virunga anrichten, besorgniserregend. Nicht nur Flüchtlinge holen sich Brennmaterial aus einem der letzten Urwälder Zentralafrikas. In der Heimat der vom Aussterben bedrohten Berggorillas hat sich - häufig unter der Kontrolle örtlicher Milizen - ein schwunghafter Holzkohlehandel entwickelt. Allein im Jahr 2007 wurden zwanzig Prozent des südlichen Virunga-Nationalparks abgeholzt, schätzt die Nationalparkverwaltung.

          Rodung und Degradation

          Das Problem ist nicht auf den Kongo beschränkt. Weltweit gehen jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren, das entspricht etwa der Fläche Griechenlands. Der größte Teil davon, rund zehn Millionen Hektar, entfällt auf tropische Wälder. Neben der kompletten Rodung zerstört auch die sogenannte Degradation, zum Beispiel durch das Fällen einzelner Bäume oder die Entnahme von Totholz, ursprüngliche Waldgebiete. Bitter ist daran nicht nur, dass so Biotope mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt verschwinden. Wald, und zwar vor allem tropischer, leistet auch einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz.

          Wo steckt am meisten Kohlenstoff?

          "Von zehn Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die Menschen zum Beispiel im Jahr 2007 emittierten, verblieb etwas weniger als die Hälfte in der Atmosphäre", sagt Wolfgang Lucht, der Leiter des Bereichs Klimawirkung und Vulnerabilität am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Der Rest wurde jeweils zur Hälfte von den Ozeanen und von den Pflanzen und Böden der Erde, vor allem von den Wäldern, aufgenommen."

          Möglich ist das, weil Pflanzen das Treibhausgas Kohlendioxid unter Einfluss von Sonnenenergie in Biomasse verwandeln. Verrotten oder verbrennen sie, wird das CO2 wieder freigesetzt. Über sehr lange Zeiträume betrachtet, stehen diese Prozesse im Gleichgewicht. "Aktuell nimmt das Land aber mehr CO2 auf, als es abgibt, die Landoberfläche mit ihrer Pflanzendecke funktioniert als sogenannte Kohlenstoffsenke", sagt Lucht. Grund dafür ist wahrscheinlich der düngende Effekt des gestiegenen CO2-Gehalts der Atmosphäre. Das ergaben jetzt in Nature veröffentlichte Analysen einer internationalen Forschergruppe um Simon Lewis von der Universität Leeds. Die Wissenschaftler konnten auch erstmals quantifizieren, wie viel Kohlenstoff die afrikanischen Tropenwälder verschwinden ließen: Zwischen 1968 und 2007 waren es 340 Millionen Tonnen pro Jahr. Weltweit nahmen tropische Wälder in den vergangenen Jahrzehnten 1,3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr auf, das ergaben Lewis' Berechnungen.

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