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Klimakonferenz : Rettet erst das Klima, dann die Welt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Passen wir auf, was wir uns für die Klimakonferenz wünschen, die an diesem Montag in Kopenhagen begonnen hat: Es sind die falschen Fragen, die hier verhandelt werden, und die diskutierten Lösungen sind untauglich. Hier eine Alternative.

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          Politiker sind mit dem Flugzeug nach Kopenhagen gekommen, manch ein Umweltaktivist strampelte per Fahrrad in Richtung dänischer Hauptstadt, von den Insidern aber glaubt keiner mehr, dass es auf der Klimakonferenz zu bindenden Abkommen kommt. Die öffentliche Meinung scheint das noch weniger zu erwarten, und der Ölpreis sinkt. Aber wie sagte General Eisenhower, als die dritte US-Armee in der Klemme steckte: „Meine Herren, wir sollten das als eine Chance sehen.“

          Dies ist eine Chance, eine Chance für die Politiker. Sie können sich einmal mehr erklären lassen, warum eine Erwärmung um mehr als zwei Grad über den Wert vor Anbruch des Industriezeitalters wahrscheinlich gefährlich wird. Sie können sich nun aber auch klarmachen, dass alle Maßnahmen, über die sie bisher geredet haben, sich als völlig unzureichend erweisen dürften - und sie können eine ehrliche Debatte darüber beginnen, wie es stattdessen gehen könnte.

          „Dafür sind wir aber nicht hergeradelt“, werden die sattelwunden Aktivisten murren. Doch man bedenke, was ein „Erfolg in Kopenhagen“ bedeuten könnte: endlose Sitzungen über Emissionsquoten, von denen die Unterhändler dann in ihre Heimatstaaten zurückkehren, um sich dafür auf die Schulter klopfen zu lassen, eine etwas höhere Quote ausgehandelt zu haben als erwartet, wie seinerzeit beim Blauflossen-Thunfisch. Anschließend verteilt jede Regierung ihre Emissionsrechte unter den Industriezweigen und Interessengruppen, die ihr am meisten am Herzen liegen, oder versteigert sie für wahnwitzige Summen. Da wundert es nicht, wenn Kritikern allzu ausufernder staatlicher Fürsorglichkeit, etwa dem tschechischen Präsidenten Václav Klaus, die Haare zu Berge stehen.

          Bis zur Erschöpfung Bild: F.A.Z.

          Nicht nur das linke Lager nimmt den Klimawandel ernst

          Doch Präsident Klaus und seine Gesinnungsgenossen sollten aufpassen, was sie sich wünschen. Wahrscheinlich hoffen sie, dass die Kopenhagener Verhandlungen an einem Streit darüber scheitern, ob der Mensch das Klima nun beeinflusst oder nicht. Seit Jahren zweifeln sie am Klimawandel - entgegen einer überwältigenden Evidenz, dass es ihn gibt. Aber während sie noch in geklauten E-Mails von Klimaforschern wühlen, machen andere die Klimapolitik.

          Nun gibt es durchaus auch Politiker, die den Klimawandel ernst nehmen, ohne dass sie dem linken Lager zuzurechnen wären. Einer Lösung des CO2-Problems durch globalen Emissionsrechtehandel, wie er im sogenannten Kyoto-Prozess vorgesehen ist, stehen auch sie skeptisch gegenüber. Doch stellen sie Kyoto nicht öffentlich in Frage, aus lauter Angst, mit den Klimaskeptikern in einen Topf geworfen zu werden. Also bekunden sie lustlos ihre Unterstützung für Kyoto und bleiben ansonsten bei Floskeln und Fototerminen.

          Begrenzung auf Zeit ist der falsche Ansatz

          Doch unsere Erkenntnisse darüber, wie sich ein gefährlicher Klimawandel noch vermeiden ließe, machen es zunehmend schwieriger, daran zu glauben, dass uns politisch ausgehandelte Regeln über Emissionsrechte irgendwohin führen. Ein weitverbreitetes Missverständnis besteht in der Annahme, da nur 50 Prozent des freigesetzten Kohlendioxids in der Atmosphäre verbleiben, müssten wir die globalen Emissionen um 50 Prozent senken und der Anstieg der CO2-Konzentrationen wäre gestoppt, eine Vorgabe wie „50 Prozent Emissionssenkung im Jahr 2050“ würde mithin das Problem lösen. Leider stimmt das nicht. Denn die anderen 50 Prozent bleiben im Oberflächenwasser der Meere und der Biosphäre, nur ein sehr kleiner Teil davon pro Jahr wird langfristig aus dem aktiven Kohlenstoffzyklus entfernt. CO2 würde sich weiterhin in der Atmosphäre ansammeln, eine 50-prozentige Emissionssenkung würde die Konzentrationen weiter steigen lassen, nur eben etwa halb so schnell wie zuvor.

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