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Klimagipfel in Kopenhagen : „Klimaschutz kostet nur vier Euro die Woche“

  • Aktualisiert am

Wärmedämmung hilft dem Klima: Auf dem Gelände der Leipziger Messe für Elektrotechnik, Klima und Automation Bild: ZB

Scheitert der Klimagipfel von Kopenhagen im Dezember? Staatschefs, Umweltpolitiker und Beobachter spekulieren offen darüber. Joachim Müller-Jung hat sich in Berlin mit zwei führenden Forschern über die Lage unterhalten.

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          In Barcelona ringen die Delegationen Dutzender Länder derzeit um einen Post-Kyoto-Vertrag. Über die Chancen für ein neues Abkommen haben wir mit zwei führenden Klimaökonomen gesprochen.

          Mit dem ehemaligen Chefökonomen der Weltbank, Nicholas Stern, von der London School of Economics and Political Science („Stern-Report“) sowie mit Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der mit an der Spitze des Weltklimabeirates IPCC steht. Das Interview fand anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Lord Stern in der Technischen Universität Berlin statt.

          Lord Stern, Sie sind wie die meisten Klimaforscher immer noch erstaunlich zuversichtlich für Kopenhagen, viele sprechen aber schon offen vom Scheitern. Was macht Sie so optimistisch?

          Stern: Natürlich können wir nicht sicher sein. Aber wenn wir das Momentum in den Verhandlungen beibehalten, wird Kopenhagen ein Erfolg werden. Es geht jetzt nicht darum, dass alle perfekt sind, nur müssen sich alle vorwärtsbewegen.

          Lord Stern (links), ehemaliger Chefökonom der Weltbank, und Ottmar Edenhofer vom Weltklimabeirat und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

          Edenhofer: Die Klimapolitik ist doch nicht zum Scheitern verdammt, auch wenn Kopenhagen nicht auf einen Schlag alle Probleme lösen kann.

          Vergrößern die jüngsten Entscheidungen in Brüssel die Chancen für einen erfolgreichen Abschluss?

          Stern: Sie sind jedenfalls ein Schritt vorwärts. Dreißig Prozent Emissionsminderung bis 2020 gegenüber 1990 ist ein klares Signal. Die Zahlen, die beschlossen wurden, bewegen sich im richtigen Bereich. In Kopenhagen wird man dann weiterverhandeln. Für ein starkes Abkommen, an dem alle mitwirken, auch die Entwicklungsländer, wird man aber noch über finanzielle Verpflichtungen über das Jahr 2020 hinaus reden müssen, und das sollten dann höhere Summen sein.

          Von welchen Summen sprechen Sie?

          Stern: Bis zum Jahr 2020 hat man über ein Angebot von jährlich hundert Milliarden Dollar für die armen Länder gesprochen, danach müssen die Zusagen sicher deutlich darüber liegen. Wichtig ist, dass man den Entwicklungsländern jetzt konkrete Zusagen macht, zum Beispiel, was sie bis zum Jahr 2015 bekommen. Eine finanzielle Unterstützung von jährlich mindestens 50 Milliarden Dollar wird es schon sein müssen.

          Bundeskanzlerin Merkel hat erst einmal dafür gesorgt, dass keine Zahlen auf dem Tisch liegen. Sie haben sie immer als Vorbild gelobt. Hat sich die Klimakanzlerin zur Bremserin entwickelt?

          Stern: Bundeskanzlerin Merkel hat im Sommer 2007 als EU-Ratspräsidentin und auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm entscheidende Anstöße gegeben. Heute geht es darum, dass alle zusammen verstehen, worum es geht. Die fünfzig Milliarden Dollar sind alles in allem 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der reichen Länder. Ich weiß, dass die Haushalte unter Druck sind, aber dies ist eine wirklich moderate Summe.

          Wenn das so wenig ist, warum zögert man dann, die Zahl auf den Tisch zu legen? Viele sind verärgert. Die Afrikaner haben in dieser Woche aus Protest die Fortführung der Gespräche boykottiert.

          Stern: Eine Theorie erfolgreicher Verhandlungsführung ist, dass man die Karten verdeckt lassen sollte bis kurz vor Ende der Verhandlungen. Manche wie Frau Merkel sehen das so.

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