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Klimaforschung : Kleinvieh im Klimachaos

Um Halbleiter herzustellen braucht man Hexafluorethan - schlecht für das Klima Bild: dpa

Die Aluminium- und Halbleiterindustrie erzeugt immer mehr fluorierte Industrieabgase. Dass diese Perfluorkarbone klimaschädliche Treibhausgase sind, wurde bislang kaum beachtet. Sie bleiben extrem lange in der Atmosphäre.

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          Wenn vom bedrohlichen Anstieg klimawirksamer Treibhausgase die Rede ist, spielen die aus der Aluminium- und Halbleiterindustrie stammenden Perfluorkarbone bisher selten eine große Rolle. Das könnte sich aber ändern, wenn die Entwicklung anhält, über die jetzt von britischen und Schweizer Forschern in der Zeitschrift „Environmental Science and Technology“ berichtet wird.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Tetrafluormethan und Hexafluorethan sind die beiden fluorhaltigen Kohlenstoffverbindungen, denen die Wissenschaftler in den Gasbläschen verschiedener Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis nachgespürt haben. Bei den Analysen zeigte sich, dass der Gehalt dieser beiden fast ausschließlich aus industriellen Quellen stammenden Stoffe im Laufe des zurückliegenden Jahrhunderts kontinuierlich, zuletzt sogar exponentiell gestiegen ist.

          Extrem lange in der Atmosphäre

          Vor allem das Hexafluorethan ist ins Visier geraten. Denn anders als Tetrafluormethan, dessen Anstieg dank technischer Verbesserungen von Seiten der Aluminiumhersteller ungefähr im Rahmen der vom Weltklimabeirat IPCC berechneten Emissionsszenarien liegt, kam es beim Hexafluorethan in den vergangenen zwanzig Jahren zu einer unerwartet deutlichen Zunahme - eine Verzehnfachung der Emissionen. Die Wissenschaftler machen dafür die Produktionszuwächse in der Halbleiterindustrie verantwortlich. Für das Hexafluorethan als Hilfsmittel bei der Halbleiterherstellung gibt es bislang keinen Ersatzstoff.

          Beide Perfluorkarbone bleiben extrem lange in der Atmosphäre - zwischen zehn- und fünfzigtausend Jahre -, und beide besitzen, verglichen mit Kohlendioxid, über eine extrem starke Treibhauswirkung pro Molekül, weswegen die Forscher eine weitere Ansammlung in der Atmosphäre mit Sorge betrachten. Bisher liege die durch die Spurengase verursachte Erwärmung bei einem Dreihundertstel des von Kohlendioxid erzeugten Treibhauseffekts. Das könne sich aber im Laufe der Jahrzehnte rasch ändern, wenn die Emissionen wie bisher stiegen.

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