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Klimaflüchtlinge : „Das hier ist Katastrophenvorsorge“

Bangladesh gehört zu den bevölkerungsreichsten Ländern und ist massiv vom Klimawandel bedroht. Bild: AP

Sind die Syrer auch Opfer der Erderwärmung geworden? Obama und Prinz Charles behaupten das - und drängen schon deshalb auf ein ehrgeiziges Klimaabkommen in Paris. Was ist dran am Sicherheitsproblem Klimawandel?

          Ob er im Auftrag der EU-Kommission, des deutschen Außenministeriums, des Umwelt- oder des Entwicklungsministeriums in der Welt unterwegs ist, immer hat der Berliner Politologe Dennis Tänzler die klimatisch labilen und potentiell konfliktbeladenen Staaten im Auge. In der Studie „A New Climate for Peace“, die Tänzler und seine Kollegen von adelphi und einem internationalen Team im Auftrag der G7 ausgearbeitet hat, wird auf das wachsende Problem der Umweltflüchtlinge hingewiesen. Klimapolitik sei Sicherheitspolitik, hat auch der amerikanische Außenminister John Kerry aus Anlass des Pariser Gipfels betont. Prinz Charles, der britische Thronfolger, hat jüngst Syrien als Musterbeispiel für die verheerenden politischen Folgen klimabedingter Veränderungen bezeichnet. Er ist damit keineswegs der einzige. Auch für Präsident Obama und Friedensnobelpreisträger Al Gore ist das Bürgerkriegsland Menetekel für einen vom Klimawandel ausgelösten Staatskollaps

          Dennis Tänzler, zu Gast im deutschen Pavillon auf dem Pariser Klimagipfel.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Herr Tänzler, kann man den Klimawandel tatsächlich ursächlich für den Syrien-Konflikt verantwortlich machen?

          Syrien ist ein Beispiel dafür, wie unterschiedliche Ursachenkomplexe in fragilen Staaten ineinander wirken. Klimawandel ist nie ein alleiniger Grund für Krieg. Tatsächlich gab es zwischen 2006 und 2011 in Syrien eine extreme Dürre, die speziell in den ländlichen Gebieten hohe Verluste bei den Ernten und in den Viehbeständen zur Folge hatte. Das führte zu einem stärkeren Zuzug von Geschädigten in die Städte, die wiederum in die Proteste 2011 eingeflossen sind. Hierbei handelt es sich aber auch um einen Fall von Staatsversagen, denn die Regierung konnte auf die Krise nicht angemessen reagieren.

          Woher genau weiß man, dass die frustrierte, zugezogene Landbevölkerung die Spannungen mit verursacht hat?

          Den Ausbruch spannungsreicher Proteste wie sie etwa in der Stadt Daraa aufgetreten sind, kann man kaum allein arbeitslosen Landwirten zuschreiben. In den Aufständen wurden jedoch vielfältige Regierungsdefizite angeprangert, beispielsweise Korruption und Vetternwirtschaft. Die zwischenzeitlich in Aussicht gestellten Konzessionen der Regierung um Präsident Baschar al-Assad deuten aber darauf hin, dass die Bedeutung von Armut und Arbeitslosigkeit durchaus erkannt worden ist.

          Dennoch, Syrien hat doch davor immer wieder Dürren erlebt.

          Was die Länge angeht, war das eine wirklich extreme Dürre. Fünf Jahre lang solche Bedingungen – das überfordert jeden Staat. Wenn dann aber die Regierung auch noch versucht wie in Syrien, im weltweiten Agrarmarkt eine stärkere Rolle zu spielen und strategische Reserven veräußert, verschärft das die Spannungen zusätzlich. Die Land-Stadt-Migration, die wir in Syrien beobachtet haben, ist aber längst ein allgemeines Merkmal des Klimawandels.

          Um wie viele Menschen geht es dabei?

          Man schätzt, dass es 2014 etwa 17,5  Millionen Menschen waren, die innerhalb von Staaten aufgrund von wetterbedingten Desastern migrierten.

          Dürren als ständige und als wachsende Bedrohung: Palmyra in Syrien.

          Kann man denn sicher sein, dass die Menschen nicht einfach wie in anderen Ländern auch , nicht zuletzt bei uns im Norden, die Provinzen verlassen, weil sie sich in den Städten mehr Wohlstand und Einkommenssicherheit erwarten?

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