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UN-Klimachefin Figueres : „Eine Welt ohne Stabilität ist inakzeptabel“

  • -Aktualisiert am

Seit 2010 Generalsekretärin des UN-Klimasekretariats UNFCC: Christiana Figueres Bild: AP

In Paris kommt es zum Schwur. Der bevorstehende Weltklimagipfel soll arme und reiche Länder im Kampf gegen den Klimwandel endlich einen. Christiana Figueres, Tochter eines Revolutionärs, soll die Weichen stellen. Eine lösbare Aufgabe? Wir haben sie gefragt.

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          Die einundzwanzigste UN-Klimakonferenz in zwei Wochen in Paris, die Sie leiten werden, hat ein klares Ziel: zu verhindern, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf der Erde katastrophal werden. Wie soll das erreicht werden?

          Bei der Konferenz geht es um nichts weniger als darum, den Weg zu einem endgültigen Prozess der Entkopplung des Weltwirtschaftswachstums vom Wachstum der Treibhausgasemissionen zu finden. Seit Beginn der Industrialisierung sind diese beiden Wachstumskurven Hand in Hand gegangen. Jetzt müssen wir es aber schaffen, wirtschaftlich wachsen zu können - vor allem in den Entwicklungsländern - mit sinkenden Kohlendioxidemissionen.

          Entkoppelung lautet die Aufgabe

          Was ist für Sie als Chefin des Klimasekretariats die größte Herausforderung, die bei den Verhandlungen in Paris überwunden werden müssen?

          Wir stehen vor einem Dilemma: Der einzige Weg, gefährdete Entwicklungsländer zu schützen, ist die Dekarbonisierung der Wirtschaft; aber die Orte, in denen die Wirtschaft am stärksten dekarbonisiert werden muss, sind gerade dort, in den Entwicklungsländern. Verständlicherweise können diese Länder keine radikale Dekarbonisierung in Betracht ziehen, wenn sie keine Garantien haben, dass die reichen Länder sie unterstützen werden und ihre Wirtschaft weiter wachsen kann. Die Frage, wie die Entkopplung des Wirtschaftswachstum von fossilen Brennstoffen in den Entwicklungsländern finanziert werden kann, ist die größte Herausforderung.

          Die Weltwirtschaft hängt heute nichtsdestotrotz stark von der Nutzung fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Braunkohle ab. Ist es nicht illusorisch, zu glauben, dass die Entkopplung, von der Sie sprechen, kurzfristig erreichbar ist?

          Niemand spricht von einer abrupten Entkopplung. Diese soll nach und nach stattfinden, in den nächsten fünf bis zehn Jahren. 2014 gab es einen ersten Hinweis darauf, dass die möglich ist: Die Weltwirtschaft ist um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, doch die Treibhausgasemissionen sind gesunken. Zugegeben: Dies bedeutet nicht, dass die Entkopplung bereits stattgefunden hat. Aber möglicherweise, dass der Prozess begonnen hat.

          Amerika produziert auf Teufel komm raus

          Viele Länder, darunter die größten Volkswirtschaften - die Vereinigten Staaten, China, Russland, die EU oder Indien - haben zumindest Strategien zur Senkung der Kohlendioxid-Emissionen vorgelegt, die so genannten INDC. Bis vor wenigen Tagen hatte sich Saudi-Arabien, einer der größten Ölproduzenten der Welt, noch nicht gemeldet. Jetzt hat das Land endlich einen Bericht abgegeben, den viele aber für nicht besonders ambitioniert halten.

          Der Fall Saudi-Arabien ist sehr komplex. Einerseits basiert die Wirtschaft des Landes auf Erdöl, einem der billigsten der Welt. Andererseits ist Saudi-Arabien eins der heißesten Länder der Welt und eines, das die meisten Nahrungsmittel aus dem Ausland importiert. So gesehen, kann sich das Land keine weitere Erhöhung der Temperaturen leisten. Saudi-Arabien steht also vor einer großen Herausforderung, aber auch einer Chance. Seit einiger Zeit investiert das Land in Solarenergie für Stromerzeugung, zum Beispiel für die Entsalzung von Wasser. Und der neue Bericht ist ein Anzeichen dafür, dass das Land beginnt, neue wirtschaftliche Möglichkeiten zu berücksichtigen.

          Ölkonzerne ohne Plan

          Weltweit reduzieren auch viele Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen. Von großen Ölkonzernen wie ExxonMobil oder Chevron vermisst man aber noch klare Kompromisse.

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