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Im Gespräch: Ottmar Edenhofer : „Wir müssen über CO2-Zölle reden“

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Fordert die „Koalition der willigen Klimaschützer”: Ottmar Edenhofer Bild: Andreas Pein

Auf der Klimakonferenz in Cancún geht es vor allem um wirtschaftliche Fragen. Denn Klimaschutz kostet viel Geld, sagt der Chefvolkswirt des Potsdamer Instituts für Klimaforschung, Ottmar Edenhofer, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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          Ottmar Edenhofer sieht Klimapolitik als Verteilungskampf um einen knappen Deponieraum. Zur Bewirtschaftung empfiehlt er den Emissionshandel, Kohlendioxid-Steuern und CO2-Zölle. Auf der Weltklimakonferenz in Cancún wird seit diesem Montag darüber beraten, wie der Temperaturanstieg auf der Welt begrenzt werden kann. Dabei geht es aber vor allem um wirtschaftliche Fragen. Denn Klimaschutz kostet viel Geld und führt zu einer Umverteilung von Einkommen und Vermögen.

          Herr Edenhofer, Deutschland will den Energieverbrauch bis 2050 halbieren, die Welt ihren nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur bis 2050 verdoppeln. Der Abschied vom Kohlenstoff wird sich noch hinziehen?

          Ohne weltweites Klimaschutzabkommen wird sich der Energieverbrauch tatsächlich verdoppeln, mindestens. Die entscheidende Frage ist, in welchem Ausmaß die Emissionen zunehmen. Kommt es zu keiner ambitionierten Klimapolitik, würden sich die Emissionen verdoppeln, und die Folgen wären gravierend.

          Was würde das bedeuten?

          Wenn man die eher unverbindlichen Zusagen nimmt, welche die Staaten nach der Klimakonferenz von Kopenhagen freiwillig gegeben haben, kommt man auf einen Temperaturanstieg von 3,5 Grad bis zur Jahrhundertmitte gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter. Verträglich wären vielleicht 2 Grad, wenn wir Risiken begrenzen wollen. Ohne verbindliche Klimapolitik könnten wir bis zum Ende des Jahrhunderts aber bei 4 bis 5 Grad landen. Das ist eine Zone, die man mit gutem Recht als gefährlichen Klimawandel bezeichnen kann.

          Was würde passieren?

          Wir wissen nicht genau, was geschehen würde, aber wir gingen beträchtliche Risiken ein, wie zum Beispiel die Störung der biologischen Pumpe im Ozean, das Austrocknen der Regenwälder, den zunehmenden Anstieg des Meeresspiegels oder die Verminderung der Agrarproduktion in Afrika.

          Steigende Preise für Öl und Gas würden die Nachfrage dämpfen, die Emissionen also verlangsamen.

          Ein hoher Ölpreis hilft dem Klimaschutz nicht - im Gegenteil. Denn ein hoher Preis macht es lohnend, die Exploration auf fossile Vorkommen auszuweiten, deren Erschließung bislang zu teuer war, oder es wird auf die Kohleverflüssigung gesetzt. Es werden neue Öl- und Gasfelder gefunden, die Kohlenutzung vor allem in China, Indien, Amerika wird ausgeweitet. Das beschleunigt die Wachstumsrate der Emissionen.

          Klimapolitik ist also Wirtschaftspolitik und Ressourcenbewirtschaftung?

          So ist es. Wir haben 12 000 Gigatonnen Kohlenstoff im Boden, in Form von Kohle, Öl und Gas. Wir können noch 230 Gigatonnen netto in der Atmosphäre ablagern, wenn die Temperatur nicht um mehr als 2 Grad steigen soll. Dabei ist einkalkuliert, dass wir mit Biomasse und CO2-Speicherung 200 Gigatonnen aus der Atmosphäre entziehen können. Klimapolitik wird sich nicht von selbst durch den Druck der Märkte durchsetzen, weil fossile Energieträger knapp werden. Sondern es ist die Aufnahmefähigkeit des Deponieraumes der Atmosphäre, die den begrenzenden Faktor darstellt. Folglich müssen wir einen großen Teil der Kohle-, Öl- und Gasvorräte im Boden lassen. Das mindert Einkommen und Vermögen der Ressourcenbesitzer - und das wollen die natürlich nicht.

          Verständlicherweise. Wie wollen Sie die dennoch dazu bewegen?

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