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Glosse : Die Klimaaussteiger

Es geht mal wieder um die Stabilisierung des Weltklimas: Doch politisch hohe Erwartungen werden eher nicht an Durban geknüpft. Bild: dpa

Kanda steigt aus. Die anderen folgen auch noch. Damit ist bald Schluss mit dem Kyoto-Vertrag zum Klimaschutz. Und weiter? Mit ökologischer Kleinstaaterei etwa?

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          Kanada hat seine Ankündigung wahr gemacht und die versammelten Gesandten des Weltklimaparlamentes nach Kräften düpiert. Am ersten Tag der Klimakonferenz von Durban hat es die Einleitung formaler Ausstiegsmaßnahmen aus dem Kyoto-Protoll bekanntgegeben. Damit hat Kanada praktisch das Ende der zweiwöchigen Versammlung vorweggenommen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der Massenausstieg aus dem Kyoto-Vertrag und damit ein Ende der 2012 endenden Verpflichtungsperiode zur Senkung des Treibhausgasausstoßes ist so gut wie unter Dach und Fach. Fehlen nur noch Formalitäten. Die südafrikanische Regierung hat es in einer ersten Reaktion zwar begrüßt, dass endlich wieder konkrete Beschlüsse in Aussicht stehen, in denen die großklimatische Zukunft des Planeten in den Blick genommen wird. Allerdings müssten die ökologischen Extrawürste und Kleinstaaterei endlich ein Ende haben. Ein umweltökonomischer Wettstreit, der inzwischen dazu geführt haben soll, dass die Investitionen in erneuerbare Energiequellen diejenigen in Kohle- und Gaskraftwerke weltweit um dreißig Milliarden Dollar übertreffen, entsprächen nicht dem Kollektivgeist der Klimakonferenzen. Überhaupt wurde zum Auftakt beklagt, dass der Klimaschutz in einigen Weltregionen fast schon zum Selbstläufer geworden ist. China hat im jüngsten Fünfjahresplan ein umfassendes Gesetzespaket zum Klimaschutz eingearbeitet, etwas Ähnliches ist in Südkorea in Vorbereitung, und in Mexiko ist ein Klimaschutzmaßnahmenpaket von allen politischen Parteien gemeinsam vereinbart worden. Auch Deutschland mit seinen radikalen Plänen für eine Energiewende hin zu erneuerbaren Stromquellen ist ins Visier genommen worden. Und selbst zahlreiche Nichtregierungsorganisationen und Initiativen sind unter Druck geraten.

          Wer trägt die Kosten des Atomausstiegs?

          Projekte wie das Vorhaben der deutschen Michael Succow Stiftung, die Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren als kostengünstige regionale Alternative zu supranationalen Klimaabkommen schmackhaft zu machen, wird besonders von den Reiseagenten der Tourismusbüros verurteilt, die wieder mit Tonnen an Werbematerial nach Durban geflogen sind. An den Organisatoren in Südafrika ist es nun, die Tausende Delegierten, die zur siebzehnten Klimakonferenz in den Süden gekommen sind, einigermaßen bei Laune zu halten. Es wird daran gedacht, die für die kommenden zwei Wochen anberaumten Safaritouren ins südafrikanische Hinterland zu stornieren. Unentschuldigtes Fernbleiben vom Konferenzzentrum wird mit einem Anreiseverbot und dem Ausschluss aus künftigen Klimakonferenzen bestraft. Klimaschutz hat seinen Preis.

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