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Flüchtlinge : Auf der Flucht vor dem Klima?

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Aktuell ginge es darum, ob die Dürreperiode in Syrien bereits eine direkte Folge der Erderwärmung war. Aber dieser Nachweis gelingt nicht. „Wir können nicht sagen, dass der Klimawandel schuld war“, sagt Paul Becker, Meteorologe und Vizepräsident des Deutschen Wetterdiensts. Becker hat Wetterstatistiken studiert und ein globales Monitoring des Weltzentrums für Niederschlagsklimatologie analysiert. Ergebnis: Ja, weltweit nehmen die Dürren zu. Da die Messungen allerdings nur sechzig Jahre zurückreichen, ist unklar, ob das mit dem Klimawandel zusammenhänge. „Der Einfluss ist statistisch nicht signifikant nachweisbar“, lautet Beckers Fazit. Es ist eine jener unbefriedigenden Antworten, die Klimaforscher häufig geben müssen, wenn sie Einzelereignisse untersuchen. Meistens fehlen ausreichend lange Beobachtungszeiträume. Übrig bleiben blasse Wahrscheinlichkeiten.

Mitteleuropa ist vergleichsweise fein heraus

Dabei sind Dürren auch ohne anthropogene Verstärkung stets eines der größten Probleme menschlicher Zivilisationen gewesen. So ging das alte Reich der Ägypter wahrscheinlich nach einer Trockenperiode unter, und eine andere hat möglicherweise zum Ende der Maya beigetragen. Eine der schwersten Dürrekatastrophen führte in den Jahren 1669/70 in Indien zu schätzungsweise sechs Millionen Toten. Kein anderes Naturgeschehen bringt mehr Menschen um. Deshalb wird es von Klimaforschern auch als „silent killer“ bezeichnet. Denn anders als ein plötzlich hereinbrechender Tsunami, ein bildmächtiges Erdbeben oder ein schauriger Hurrikan fordert die Dürre nur allmählich ihre Opfer. Das macht sie so tückisch.

In Mitteleuropa ist die Dürregefahr vergleichsweise gering. Irgendwie findet in unseren Breiten doch immer wieder ein Tief den Weg vom Atlantik auf den Kontinent. Dürren sind dort besonders häufig, wo es ausgeprägte Regen- und Trockenzeiten gibt. Bleiben die Niederschläge einmal aus, wird das Wasser schnell knapp. Der Osten Afrikas ist besonders gefährdet, aber auch der gesamte Mittelmeerraum, die Westküsten des amerikanischen Kontinents, Brasilien, Indien und Indonesien.

Gefuchtel mit der Klima-Keule

Im Gegensatz zur Analyse des Deutschen Wetterdiensts sind in den vergangenen Monaten allerdings Studien aufgetaucht, welche die Dürre in Syrien explizit mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Die bekannteste davon erschien vor fast einem Jahr in PNAS; sie stammt vom amerikanischen Klimaforscher Colin Kelley, der heute an der University of California in Santa Barbara lehrt. Kelley behauptet, dass sich die Eintrittswahrscheinlichkeit der syrischen Rekorddürre infolge des vom Menschen gemachten Klimawandels verdoppelt oder gar verdreifacht habe. Kelley und seine Mitautoren sehen einen kausalen Zusammenhang mit den Aufständen und der Landflucht. Gestützt wird diese Darstellung nicht nur von anderen amerikanischen Klimaexperten und Konfliktforschern, sondern auch von der Machtelite jenseits des Atlantiks. Obama und das Verteidigungsministerium warnen vor einer wachsenden Bedrohung. Schließlich gehe es dabei um nichts Geringeres als die nationale Sicherheit.

Besonders forsch äußert sich seit einigen Jahren er Gewaltforscher Solomon Hsiang von der University of California in Berkeley. Er fiel vor fünf Jahren erstmals auf, als er in Nature behauptete, dass das Wetterphänomen El Nino vermehrt zu bewaffneten Konflikten führe. Hsiang griff damit ein längst überwunden geglaubtes Weltbild aus dem 19. Jahrhundert wieder auf: das des Klimadeterminismus. Den Kolonialländern des Nordens diente diese Ideologie zur Untermauerung ihres weltweiten Imperialismus. Exemplarisch war beispielsweise die Behauptung, das warme Klima in Afrika verhindere von sich aus jede gesellschaftliche und religiöse Ordnung.

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