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Klimawandel : Sonderbare Gletscherschmelze

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Der Columbia-Gletscher in Alaska, Satellitenaufnahme vom 30.Mai 2011 Bild: Nasa

Der rasant schmelzende Columbia-Gletscher in Alaska galt als Modellfall für die Auswirkungen des Klimawandels in der Arktis. Aber warum nehmen andere Gletscher in der Region dann sogar an Eismasse zu?

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          Der Columbia-Gletscher in Alaska gilt gemeinhin als das Paradebeispiel für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis. In den vergangenen 35 Jahren hat dieser ins Meer mündende Gletscher etwa die Hälfte seiner Eismasse verloren. Insgesamt gelangten dabei 140 Milliarden Tonnen Eis ins Meerwasser, was deutlich zum beobachteten Anstieg des Meeresspiegels beigetragen hat.

          Forscher aus Amerika und Schweden zeigen aber nun, dass der Columbia-Gletscher offenbar ein ungewöhnlicher Sonderfall ist. Bei einer Untersuchung von zahlreichen Gletschern in Alaska und dem angrenzenden Kanada in den vergangenen Jahrzehnten hat sich herausgestellt, dass längst nicht alle Gletscher auf dem Rückzug sind. Die Eismassen von mehr als der Hälfte schwanken erheblich, und der größte Gletscher in der Region, der Hubbard-Gletscher, nahm sogar an Eismasse zu.

          Gletscher ist nicht gleich Gletscher

          Im Gegensatz zu den Hochgebirgsgletschern der großen Faltengebirge wie den Anden, dem Himalaja oder den Alpen ist der Columbia-Gletscher ein Gezeitengletscher. Er „entspringt“ in einem in mehr als dreitausend Meter Höhe gelegenen Eisfeld in den Chugach-Bergen, fließt dann nahezu fünfzig Kilometer weit bergab und mündet in einem engen Fjord in den Prince-William-Sound, einer verschachtelten Bucht des Golfs von Alaska. Britische Entdecker kartierten erstmals seine Gletscherzunge im Jahre 1794. Deren Position blieb in den folgenden 190 Jahren nahezu konstant.

          Im Jahre 1980 begann sich der Columbia-Gletscher auf spektakuläre Weise zurückzuziehen. Inzwischen liegt seine Zunge mehr als zwanzig Kilometer weit hinter ihrem ursprünglichen Ende. In manchen Zeiträumen zog sich der Gletscher dabei mit Geschwindigkeiten von mehr als einem Kilometer pro Jahr zurück. Dieses rasante Schmelzen wurde bisher stets als Beispiel dafür angeführt, wie sehr sich die Landschaft der Arktis durch den Klimawandel verändert.

          Columbia-Gletscher am 29. Juli 1986 Bilderstrecke
          Columbia-Gletscher am 29. Juli 1986 :

          Dass dieser Rückzug aber nur wenig mit dem Klimawandel zu tun hat, haben jetzt Robert McNabb von der University of Alaska in Fairbanks und Regine Hock von der Universität in Uppsala festgestellt, als sie das Verhalten des Columbia-Gletschers mit anderen Gletschern in Alaska verglichen. Die beiden Forscher werteten dazu die Kartierungen der Gletscherzungen von fünfzig Gezeitengletschern zwischen der Kenai-Halbinsel im Westen und den benachbarten kanadischen Gletschern im Südosten aus den vergangenen sechzig Jahren aus. Für ihre Analyse benutzten die Forscher sowohl topographische Karten als auch für spätere Zeiträume die Aufnahmen von Erderkundungssatelliten. Wie McNabb und Hock nun im „Journal of Geophysical Research“ (doi: 10.1002/2013JF002915) berichten, ergibt sich kein einheitliches Bild.

          Keine konstante Prognose möglich

          Mehr als die Hälfte der untersuchten Gletscher haben in den vergangenen Jahrzehnten sowohl Phasen deutlichen Rückzuges durchlaufen als auch Perioden, in denen sie sich ausdehnten. Bei zwei weiteren hat sich die Lage der Zungen nicht signifikant geändert. Bei lediglich zwanzig Gletschern zogen sich diese kontinuierlich zurück, wenngleich nirgendwo so rasch wie beim Columbia-Gletscher. Während Letzterer an Masse verloren hat, haben andere Gletscher zugelegt.

          Nach Meinung von McNabb und Hock ist es möglich, dass der Rückzug des Columbia-Gletschers ursprünglich durch Klimaschwankungen ausgelöst wurde. Das weitere Verhalten - die hohe Geschwindigkeit des Rückzuges etwa - werde aber vielmehr durch die Geometrie des Einzugsgebietes und die Form jenes Fjordes bestimmt, in den der Gletscher mündet. Inzwischen ist die Position der Zunge des Columbia-Gletschers stabil, und die Forscher erwarten, dass der Gletscher eine neue Gleichgewichtslage eingenommen hat. In einigen Jahren könne er allmählich wieder an Masse zunehmen und abermals expandieren.

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