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FAZ.NET-Spezial : Wir machen Klima

Dämmerung fürs Weltklima: Das Grönlandeis schmilzt (hier in der Bucht von Kulusuk) Bild: AP

Mit dem neuen Weltklimabericht gibt es keinen ernstzunehmenden Zweifel mehr: Ein tief greifender Klimawandel vollzieht sich, und er ist in erster Linie durch den Menschen verursacht. Die neuesten Erkenntnisse und was aus ihnen folgen könnte.

          Die Prognosen des zwischenstaatlichen Klimabeirates IPCC zum Ausmaß des weltweiten Klimawandels haben sich zahlenmäßig wenig geändert, doch die Wissenschaftler sind sich sicherer denn je, dass der Mensch das Weltklima entscheidend beeinflusst und weitere, gravierende Klimaveränderungen in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten sind. Das ist das Fazit, das der IPCC gestern bei der Vorstellung des vierten Weltklimaberichtes in Paris gezogen hat.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Es sei „sehr wahrscheinlich“, was in der Sprachregelung der Klimadiplomaten soviel bedeutet wie: zu mehr als neunzig Prozent sicher, „dass der größte Anteil der beobachteten Erwärmung seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts von der vom Menschen verursachten verstärkten Freisetzung von Treibhausgasen verursacht worden ist“. Erwartet wird, dass die Lufttemperatur, verglichen mit den letzten beiden Dekaden des zwanzigsten Jahrhunderts, global gesehen bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 1,1 bis 6,4 Grad - am wahrscheinlichsten zwischen 1,8 und 4 Grad - und der Meeresspiegel um 18 bis 59 Zentimeter steigen wird, wobei insbesondere bei der Prognose des Meeresspiegels noch größere Unsicherheiten beinhalten. Im dritten Weltklimabericht von 2001 rechneten die Forscher mit 1,4 bis 5,8 Grad Erwärmung und 9 bis 88 Zentimetern Meeresspiegelanstieg.

          Deutlich verbesserte Klimamodelle

          Bis wenige Stunden vor der Veröffentlichung des Weltklimaberichtes haben an die dreihundert Wissenschaftler und Regierungsdelegierte aus mehr als 130 Ländern im Gebäude der Unesco an der für die Politik bestimmten Zusammenfassung, dem „Summary for Policymakers“, gearbeitet. Fertig gestellt wurde auch der viel umfassendere wissenschaftliche Teil des Weltklimaberichts. Zwei weitere Teilberichte, in denen es um mögliche Gegenmaßnahmen und Anpassungsmechanismen zum Klimawandel geht, sowie eine Synthese sollen in den kommenden Monaten veröffentlicht werden.

          Superwarmzeit - in Australien schon Realität in diesem Sommer

          „In den vergangenen sechs Jahren seit dem letzten Weltklimabericht wurden die verwendeten Klimamodelle deutlich verbessert“, sagte der Vorsitzendes des IPCC, Rajendra Pachauri. Der klimatische „Fingerabdruck“ des Menschen sei jetzt nicht mehr nur an den wärmeren Lufttemperaturen zu erkennen - lange Zeit ein Kritikpunkt an den Klimadiagnosen -, sondern auch an den Messdaten und Statistiken, die man in den vergangenen Jahren zu Meerestemperaturen, Temperaturextremen und Windströmungen gewonnen habe. Die Klimaentwicklung habe die Forscher in ihren bisherigen Berechnungen und Prognosen bestätigt.

          Ein Tag für die Geschichtsbücher?

          Achim Steiner, der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, auf deren Initiative hin gemeinsam mit der Welt-Meteorologie-Organisation das IPCC gegründet worden war, forderte in seiner Stellungnahme eine „entschlossene Reaktion“ der politisch und ökonomisch Verantwortlichen. „Der 2. Februar 2007 könnte eines Tages in die Geschichte als der Tag eingehen, an dem das Fragezeichen hinter dem menschlichen Beitrag zum weltweiten Klimawandel endgültig gelöscht wurde“, sagte Steiner. Er bezeichnete das dreizehnseitige Dokument als ein „eindeutiges Beweisstück“, das von keinem Land der Welt mehr infrage gestellt werden könne.

          Der Klimwawandel werde die Menschen in verschiedenen Erdteilen ganz unterschiedlich stark beeinträchtigen, aber besonders hart werde es wohl die ärmeren Erdteile in den Tropen und Subtropen treffen wie Afrika, das zu mehr als dreißig Prozent in dessen Infrastruktur - insbesondere die Wasserversorgung - beeinträchtigt werde. Trockenheit und Dürren werden gemäß dem Klimabericht in diesen Regionen bis nach Südeuropa an den Mittelmeerküsten in den kommenden Jahrzehnten vermehrt auftreten. In den höheren Breiten und der Antarktis rechnet man dagegen mit insgesamt mehr Niederschlägen.

          Veränderungen gelten als unausweichlich

          Insgesamt gilt der weitere Klimawandel als unausweichlich. Selbst wenn der Ausstoß an Treibhausgasen sofort gestoppt würde, dürfte sich das Klima weiter um mindestens ein zehntel Grad pro Jahrzehnt erwärmen. Gerechnet wird allerdings zumindest in den kommenden Dekaden mit einer doppelt so starken Erwärmung. Wegen einiger Unbekannten im Kohlenstoffkreislauf, etwa die Reaktion der Vegetation, und der künftigen Emissionen an Treibhausgasen könnte diese Erwärmung noch größer ausfallen.

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