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Erderwärmung : Fragliche Daten der Klimaforscher

  • Aktualisiert am

Wie viel Verantwortung trägt der Mensch am Klimawandel? Bild: dpa

E-Mails des Briten Phil Jones sollen belegen, dass er und andere Klimaforscher bei eine Studie über den Erderwärmungs-Effekt fragwürdige Daten verwendeten. Unterdessen haben 55 Staaten ihre Zusagen zum Klimaschutz bekräftigt.

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          Die Affäre um gemutmaßte Manipulationen an Wetterdaten und um illegale Einbrüche in die E-Mail-Korrespondenz der Universität von East Anglia (Norfolk) erhält durch immer neue Detailmeldungen Nahrung. Nach einem Bericht der britischen Zeitung Guardian belegen die Mails aus dem Universitätscomputer, die vor allem die elektronische Konversation des Klimaforschers Phil Jones abbilden, dass er und andere Forscher lange eine Studie über den Erderwärmungs-Effekt von Ballungsgebieten verwendeten, obwohl spätestens seit zwei Jahren Zweifel über ihre Daten-Grundlage bestanden.

          Die fragliche Studie war 1990 publiziert worden und beruhte auf Daten chinesischer Messstationen. Sie kam zu dem Schluss, dass die wachsende Urbanisierung der Erde und die höheren Temperaturen, die in Ballungsgebieten herrschen, keinen wesentlichen Einfluss auf die Messkurve des Klimawandels hätten. Später stellte sich heraus, das nicht mehr geklärt werden konnte, ob die Messpunkte, die die Daten für die Studie lieferten, überhaupt in städtischen Gebieten oder auf dem Lande standen.

          Die wissenschaftliche Szene der Klimaforscher gerät in England überdies in Misskredit durch das Urteil des britischen Informationsfreiheits-Beauftragten, der feststellte, eine der „gehackten“ E-Mails belege, dass die Forscher einem Antrag nach dem „Informationsfreiheits-Gesetz“, ihren Schriftverkehr zu publizieren, nicht nachkamen, und stattdessen erwogen, ihre internen Erörterungen zu vernichten.

          Das Werk eines ausländischen Geheimdienstes

          Ein anderer - ehemaliger - Beauftragter der britischen Regierung, der einstige Chef des wissenschaftlichen Beirats, Sir David King, mutmaßte am Dienstag hingegen, der Angriff auf den E-Mail-Verkehr der Universität von East Anglia müsse das Werk eines ausländischen Geheimdienstes sein. Nur professionelle Computerspezialisten mit einem klaren Auftrag hätten diese Informationsbeschaffung zuwege bringen können, urteilte Sir David.

          Mehr als 1000 E-Mails und 2000 andere Dokumente waren aus den Computerspeichern der Universität gezogen und kopiert worden. King sagte, er halte es nicht für einen Zufall, dass dieser Angriff exakt einen Monat vor dem Klimaschutzgipfel in Kopenhagen unternommen worden sei; offenkundig sei es die Absicht gewesen, das Anliegen der Klimaschützer zu unterminieren.

          Der britische Minister für Energie und Klimaschutz, Ed Miliband, appellierte am Wochenende an die Öffentlichkeit, sie solle nicht den „Sirenengesängen“ erliegen, die behaupteten, es gebe keinen von Menschen erzeugten Klimawandel. Der Fehler, der in Norfolk gemacht worden sei, dürfe nicht dazu benutzt werden, die überwältigenden Beweise für die Erderwärmung zu diskreditieren.

          China und Vereinigte Staaten haben Pläne vorgelegt

          Unterdessen haben 55 Länder - wie in Kopenhagen verabredet - den Vereinten Nationen fristgerecht verpflichtende nationale Klima-Ziele mitgeteilt. Auch die beiden größten Klimasünder China und die Vereinigte Staaten ihre Pläne zum 31. Januar vorgelegt. „Das ist eine wichtige Stärkung der UN-Klimaverhandlungen“, sagte UN-Klima-Chef Yvo de Boer am Montag in Oslo.

          Die 55 Staaten haben einer ersten Übersicht zufolge vor allem ihre Zusagen bekräftigt, die sie bereits vor der Konferenz in Kopenhagen im Dezember gegeben haben. Dort einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf einen Minimal-Konsens, der sie nicht zum Handeln zwingt. Demnach nehmen alle Staaten zwar zur Kenntnis, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt bleiben soll. Sie vereinbarten aber keine allgemeinverbindlichen, international kontrollierten Ziele für den Weg dorthin.

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