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Drängen auf Ergebnisse : Weltweit Demonstrationen vor Klimakonferenz in Paris

  • Aktualisiert am

Hand in Hand für den Klimaschutz: Demonstranten bilden eine Menschenkette im französischen Lyon. Bild: AFP

Hunderttausende Menschen haben auf der ganzen Welt demonstriert, um auf die Bedeutung des morgen beginnenden Klimagipfels in Paris hinzuweisen. In Paris selbst kam es zeitweise zu Kämpfen zwischen Demonstranten und Polizei.

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          Vor Beginn der Klimakonferenz in Paris haben Umweltaktivisten von Sydney bis Berlin ihren Protest auf die Straßen getragen. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen in Paris hat die Polizei am Sonntag rund hundert Demonstranten festgenommen. Auf dem Platz der Republik warfen mehrere Dutzend Vermummte Flaschen und andere Wurfgeschosse auf Polizisten, die auf dem Platz eine friedliche Protestaktion der Bürgerbewegung Avaaz sichern sollten.

          Die Sicherheitsbeamten antworteten mit Tränengas und setzten Schlagstöcke ein. Frankreichs Premierminister Manuel Valls erklärte im Kurznachrichtendienst Twitter, die Angriffe auf die Polizei seien "unwürdig".

          Nach Angaben eines Behördensprechers wurden bis zum Abend 149 Menschen vorübergehend festgenommen. Er betonte, niemand sei ernsthaft verletzt worden.

          Frankreichs Präsident François Hollande hat die Krawalle in Frankreich als „skandalös“ verurteilt. „Wir wissen, dass es Unruhe stiftende Elemente gibt, die übrigens nichts zu tun haben mit Umweltschützern“, sagte er am Sonntag in Brüssel, wo er am EU-Türkei-Gipfel teilnahm. Einige seien nur vor Ort um zu stören, so Hollande.

          Offiziell erlaubt war in Paris eine Aktion der Bürgerbewegung Avaaz. Die Klimaschützer platzierten 20.000 Paar Schuhe auf dem Place de la République. Diese sollten Hunderttausende Demonstranten symbolisieren, die wegen des Kundgebungsverbots nicht kommen konnten.

          Die französische Regierung nutzte den Ausnahmezustand außerdem, um 24 Umweltaktivisten unter Hausarrest zu stellen. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, sie würden verdächtigt, anlässlich des Weltklimagipfels gewaltsame Proteste zu veranstalten. Die Sicherheitskräfte müssten sich ganz auf den Schutz der Bevölkerung konzentrieren. Jede Ablenkung vom Kampf gegen den Terrorismus solle vermieden werden. Die Konferenz dauert zwei Wochen. Sie soll eine weltweite Abkehr von fossilen Brennstoffen einleiten, um die Klimaerwärmung abzubremsen.

          Einige Dutzend Demonstranten haben nach einer symbolischen Klimaschützer-Aktion in Paris die Polizei attackiert. Die Sicherheitsbeamten setzten Tränengas ein. Die teilweise vermummten Angreifer sollen am

          Ungeachtet eines Demonstrationsverbots hatten zuvor mehrere Tausend Menschen vor dem UN-Klimagipfel in Paris Menschenketten gebildet. Sie reichten einander in mehreren Straßen der Innenstadt auf dem Gehsteig die Hände, um gemeinsam für eine Begrenzung der Erderwärmung zu demonstrieren. In Frankreich herrscht seit der islamistischen Terrorserie, der am 13. November 130 Menschen zum Opfer gefallen waren, der Ausnahmezustand. Öffentliche Kundgebungen sind verboten.

          Weltweit wollten Umweltschützer in mehr als 2000 Protestaktionen Druck auf die Konferenzteilnehmer machen. Zu dem Gipfeltreffen werden mehr als 140 Staats- und Regierungschefs erwartet. In Sydney trugen Demonstranten Plakate mit Aufschriften wie „Es gibt keinen Plan B“ oder „Nein zur Abholzung von Wäldern für Strom“. In Hongkong zeigten Aktivisten Eisbären aus Styropor, um auf das Schmelzen des arktischen Eises aufmerksam zu machen. Im südkoreanischen Seoul tanzten und trommelten Hunderte Menschen auf den Straßen.

          In Sydney kamen schätzungsweise 45.000 Menschen zusammen, um für ambitionierte Klimaschutzziele zu demonstrieren. In Berlin demonstrierten nach Polizeiangaben mindestens 5000 Menschen. Protestmärsche sollten auch in London, São Paulo und New York stattfinden.

          International vereinbart ist, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Die EU hat eine Kohlendioxid-Reduzierung um 40 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 zugesagt. China hat erklärt, dass es um 2030 damit beginnen werde, die CO2-Werte zu senken. Aufgabe der Konferenz ist es, die Versprechungen vergleichbar zu machen, um damit Druck auf die Länder auszuüben, die hinterherhinken. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist am Montag nach Paris.

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