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Eine belgische Perspektive : Die Kratzer am „Klima-Vorbild“ Deutschland

  • -Aktualisiert am

Ohne Zweifel hat der Sektor der erneuerbaren Energien in Deutschland große Fortschritte gemacht. „Ein Drittel unseres Stroms stammt derzeit aus nachhaltigen Quellen. Der Anteil ist also vier Mal so hoch als vor fünfzehn Jahren“, erklärt Hey.

Engagement der Bürger

Laut Rainer Baake, dem Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ist dieser Erfolg auch auf das Engagement der Bürger zurückzuführen. Sie zeigten großes Interesse an der Thematik und erhielten die Möglichkeit, in lokale Projekte zu investieren. Aus diesem Grund ist heute die Hälfte der Produktion von nachhaltiger Energie im Besitz von Einzelpersonen und nicht von privaten Firmen.

Um die Bürger zu ermutigen, in Projekte zu investieren, wurden großzügige Subventionen eingeführt. Lokalen Solar- und Windenergieproduzenten wurden Festpreise und ein vorrangiger Netzwerkzugang versprochen. Somit konnten Risiken bei der Investition fast ausgeschlossen werden.

„Je mehr nachhaltige Energie produziert wurde, umso mehr Hilfsgelder wurden gewährt“, bemerkt Hey. Diese Subventionen wurden von Steuerzahlern und kleinen und mittelständischen Unternehmen finanziert, deren Stromrechnungen jedoch stark anstiegen. Das ‚Institut der deutschen Wirtschaft‘, das von deutschen Unternehmen finanziert wird und als eine Art Denkfabrik agiert, schätzt die Kosten der Energiepolitik auf 28,2 Milliarden Euro pro Jahr. Das heißt, dass die deutsche Durchschnittsfamilie jährlich 270 Euro mehr zahlen muss.

Gleichzeitig geht jedoch die Zahl „grüner Investitionen“ zurück. Wenn Deutschland bis 2025 wirklich 45 Prozent nachhaltige Energie produzieren möchte, müssten große Windfarmen gebaut werden. Viele Deutsche sprachen sich bereits gegen eine solche Entscheidung aus. Das ist aber nicht das einzige Problem. Wind- und Solarenergie können nicht gespeichert werden: Die Energie muss durch das Stromnetz weitergeleitet werden, nachdem sie produziert wurde. Dafür ist das deutsche Stromverteilungsnetz noch nicht bereit.

Andererseits sind viele Deutsche gegen riesige Stromleitungen über ihren Köpfen und Häusern. Angela Merkel gab an, dass diese Leitungen fast ausschließlich unter der Erde verlaufen sollten. Dadurch würden jedoch hohe Kosten entstehen: Weitere 3 bis 8 Milliarden Euro kämen zu den geschätzten 32 Milliarden Euro für die Erneuerung des Verteilernetzes hinzu.

Finanzielle Aspekte

Immer mehr Politiker werden von den hohen Preisen der Energiewende abgeschreckt und betrachten die Maßnahmen skeptisch. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, dass seit dem Jahr 2011 bereits 100 Milliarden Euro investiert wurden und noch weitere 280 Milliarden Euro geplant sind.

Christian Hey glaubt trotzdem weiterhin an den Erfolg der Energiewende. „Es handelt sich hier um Anlaufschwierigkeiten. Der Weg ist klar. Man braucht nur ein wenig politischen Mut, um diesen Weg weiterzugehen“, sagt Hey. In Immerath macht Bruno Migge Fotos von den verlassenen Häusern. Als wir ihn auf die Energiewende ansprechen, schnaubt er verächtlich. „Ich verstehe nicht, wie man eine Regierung, die ganze Dörfer in einer tiefen Grube verschwinden lässt, „grün“ nennen kann …“

Deutsche Übersetzung von Gijs van Breugel, Andrea Klabisch - VoxEurop

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