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Die „Klimaskeptiker“ antworten : Wir müssen Urängste relativieren

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Es geht uns nicht um „Leugnung“, wie es immer im Kontext dieser bizarr glaubensaufgeladenen Diskussion heißt. Dass es wärmer wird auf diesem Planeten, kann man messen. Es geht auch gar nicht so sehr um die Frage, wie dieser Klimawandel im Detail aussieht. Da hat Rahmstorf im Zweifel immer die „richtigen“ Zahlen parat (wer als Leit-Experte eines Themas gilt, verfügt automatisch auch über die „objektiven Zahlen“).

Endzeithysterien sind nichts Neues

Wir sind ganz normale Bürger, die den Wandel von Technologien weg von den fossilen Energien am liebsten beschleunigen wollen, die verbrauchsgünstige Autos fahren, die versuchen, sich ein objektives Bild zu machen und ihren Teil zu einer Energiewende beitragen. Aber wir haben, als Publizisten, Wissenschaftler, Medienschaffende, Intellektuelle auch ein Gedächtnis. Und wir erleben Endzeithysterien nicht zum ersten Mal.

Anfang der siebziger Jahre sagte Paul Ehrlich, ein Bevölkerungswissenschaftler, den Hungertod der Hälfte aller Menschen für das Jahr 1980 voraus. Sein Begriff der „Bevölkerungsexplosion“ beherrscht heute noch die öffentliche Meinung über die demographische Zukunft der Erde. Der Club of Rome brachte 1972 sein „Die Grenzen des Wachstums“ heraus, ein Konvolut von Behauptungen und Szenarien, aus dem die Medien in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Meinung die sensationellsten herauspickten.

„Klimakatastrophe“ als säkulare Religion?

Wissenschaftlich war nun erwiesen, dass die Rohstoffpreise demnächst explodieren, Hungersnöte mit Millionen von Toten bis zum Jahr 2000 unvermeidbar und die Menschheit eigentlich am Ende war. Davon ist ein tiefes Sediment in unseren Schulbüchern hängengeblieben. Oder das Waldsterben. „Kein ernsthafter Wissenschaftler“ konnte in den achtziger Jahren leugnen, dass der Wald auf breiter Front stirbt. Heute wissen wir, dass dies eine Fata Morgana war, gezüchtet aus den Bedürfnissen einer subventionsfröhlichen Lobby und einer deutschen Angst-Naturromantik.

Heute ist die „Klimakatastrophe“ auf dem besten Wege, zu einer säkularen Religion zu werden, die mit ideologisierter Schuld-Sühne-Buße-Semantik alles über einen Leisten schert. Auch die existentiellen Fragen der Demokratie, der Armut, der globalen Entwicklung. Im Windschatten dieser Entwicklung entwickeln sich jene Denkverbote und Verkürzungen, die wir in der Atom-, Friedens- und Umweltdebatte erleben konnten und die nicht unerheblich zu jener strukturellen Fortschrittsfeindlichkeit, jener „Katastrophilie“ (Carlo Jäger) beitrugen, mit der sich unser Land herumplagen muss.

Das Spiel der Wissenschaft hat kein Ende

Bedauerlicherweise trägt vieles von dem, was im Moment unter Klimaschutz firmiert, nicht einmal zur Verbesserung der Umwelt bei. Weil den Bürgern „klimafreundlicher“ Biosprit verordnet wird, werden die Tropenwälder für Energiepflanzen abgeholzt. Die Tierarten, die angeblich wegen der globalen Erwärmung in den nächsten hundert Jahren aussterben, werden kurzerhand sofort und im Namen des Klimaschutzes ausgerottet.

Es geht uns um die Selbstgewissheit, mit der Wissenschaft Diskurse, die auch politische Diskurse sind, verabsolutiert. Karl Popper beschrieb die Funktion von Wissensarbeit so: „Alle Theorien sind Hypothesen, alle können umgestoßen werden. Das Spiel der Wissenschaft hat grundsätzlich kein Ende. Wer eines Tages beschließt, die wissenschaftlichen Sätze nicht weiter zu überprüfen, sondern sie etwa als endgültig verifiziert zu betrachten, der tritt aus dem Spiel aus.“

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