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Wetter-Chaos vor Gericht : Der Polarwirbel hält nicht, was er verspricht

Polarwirbel: Visualisiert sind die Windströmungen und Geschwindigkeiten über der Nordpolarregion. Bild: earth.nullschool.net

Das Wetter-Chaos könnte bald enden, die Folgen des Streits über die Ursachen aber reichen bis ins Weiße Haus. Obamas Gegner haben Klage eingereicht. Stolpert Amerikas reformierte Klimapolitik über die Unberechenbarkeit des Wetters?

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          Hat das Winterparadox endlich ein Ende? Kommt der Schnee und ist Schluss mit Frühlingsgefühlen im Dezember? Wer sich nach geordneten Verhältnissen am Winterhimmel sehnt, so scheint es, könnte in den nächsten Tagen tatsächlich aufatmen. In der einen oder anderen  Wettervorhersage wird für die Jahreswende ein stabiles Hoch über Skandinavien prognostiziert, das die warmen Luftmassen aus dem Westen blockiert und kalte Luftströmungen aus dem Nordosten nach Mitteleuropa lenkt - und somit den Winter zurück brächte. Wenn, ja wenn denn es den Vorhersagen nicht ähnlich geht wie den bedauernswerten Narzissen und Kirschgewächsen, die sich von den außergewöhnlich hohen November- und Dezember-Temperaturen haben ins Bockshorn jagen lassen.

          John Holdren
          John Holdren : Bild: AFP
          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Nichts ist, wie es war, das scheint die einzige meteorologische Konstante in diesen Tagen, und wer sich zu schnell festlegt, findet sich schneller auf Glatteis als ihm lieb ist. Wird die Natur also immer unberechenbarer, instabiler? Paradoxerweise ist es genau das, was die Klimaforschung in den vergangenen Jahren immer wieder gepredigt hat: Dass der Klimawandel ehedem halbwegs stabile ökologische und geophysikalische Mechanismen zunehmend ins Wanken zu bringen droht.

          Klimaforscher und ihre Prognosen

          Eine Prognose, die ihr nun wiederum selbst auf die Füße zu fallen droht. Denn auch sie, die Klimaforschung, muss sich umso genauer an ihren Aussagen messen lassen, je spürbarer der Wandel wird und je größer die Irritation im Volk. John Holdren, der Wissenschaftsberater des amerikanischen Präsidenten, ist so einmal mehr zur Zielscheibe der Klimawandelleugner geworden. Vor einem amerikanischen Gericht hat das „Competitive Enterprise Institute“ eine Klageschrift gegen das Weiße Haus eingereicht. Der Vorwurf: Holdren, offizielles Sprachrohr des amerikanischen Präsidenten in Klimafragen und vor kurzem auch auf dem Pariser Klimagipfel viel gefragter Kronzeuge der globalen Erwärmung, verbreite im Namen des Weißen Hauses Unwahrheiten über den Klimawandel - speziell was die Folgen des Klimawandels auf den Polarwirbel angeht.

          John Holdren (r.) im amerikanischen Pavillon auf dem Pariser Klimagipfel. Nasa-Forscher Patrick Taylor erklärt die Folgen des Klimawandels für den Polarwirbel.
          John Holdren (r.) im amerikanischen Pavillon auf dem Pariser Klimagipfel. Nasa-Forscher Patrick Taylor erklärt die Folgen des Klimawandels für den Polarwirbel. : Bild: Joachim Müller-Jung

          Der Polarwirbel ist ein mehr oder weniger wellenförmiges Band von Starkwinden in den oberen Atmosphärenschichten, das sich jeweils im Winter über den beiden Polargebieten ausbildet und die kältesten Luftschichten über den eisreichen Polargebieten hält. In den vergangenen Wochen erwies sich der Polarwirbel als ungewöhnlich stabil, was viele Meteorologen wie Eric Holthaus vor allem auf die dieses Jahre besonders ausgeprägte Klimaanomalie El Nino zurückführen. Die von ihr im Pazifik verursachte Erwärmung in tropischen und subtropischen Regionen habe den Polawirbel über der Nordhalbkugel mehr oder weniger stark und stabil nach Norden verdrängt. In großen Teilen Europas und Nordamerikas, aber auch in Ostasien, konnte deshalb die Winteratmosphäre viel stärker als üblich durch wärmere Ozeanluft angereichert werden.

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