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Klimapolitik in Amerika : Der Druck steigt

  • -Aktualisiert am

Nur einer oder schon zwei? Testanlage für Solarkollektoren dei der DLR in Köln. Bild: Caro / Oberhaeuser

Auch in Amerika ändert sich die öffentliche Meinung: Die Ablehnung von fossilen Brennstoffen etabliert sich inzwischen sogar in seiner Heimat, stellt der Klimaautor Bill McKibben fest.

          Das offizielle Bild: Alle Augen sind auf Paris gerichtet, wo Delegierte im Dezember zu einer Klimakonferenz zusammenkommen, die als das „wichtigste diplomatische Treffen überhaupt“ beschrieben wird; als „letzte Chance für die Menschheit.“ Die Staats- und Regierungschefs werden anreisen, angespannte Sitzungen werden hinter verschlossenen Türen stattfinden, Zeitungen werden berichten, dass der Abbruch kurz bevorsteht, und in der letzten Minute wird eine Art Einigung herauskommen, die als „Beginn seriösen Handelns“ gepriesen werden wird.

          Die Wirklichkeit: Was in Paris passiert, wird bestenfalls ein kleiner Teil der Klima-Story sein; ein weiteres Gefecht auf dem langen, umkämpften Weg zur Klima-Vernunft. Was davor und danach geschieht wird wichtiger sein. Der Erfolg von Paris wird nicht vom Charakter unserer Politiker abhängen, sondern davon, wie sehr eine wiederauflebende Klimabewegung die fossile Brennstoffindustrie erweichen kann, und wie viel Druck die Politiker verspüren, etwas Konstruktives zustande zu bringen.

          Großes Wetter, gutes Karma in der Klimapolitik: Die Klimamächtigen beim Wald-und Wiesen-Plausch auf dem G7-Gipfel.

          Die gute Nachricht ist, dass der Druck wächst. Diese unermüdliche Klimabewegung beginnt nämlich, große, noch nie dagewesene Siege in der ganzen Welt zu erringen; Siege, die die etablierten Meinungen, wie schnell eine Zukunft mit erneuerbaren Energien Realität werden kann, rasant verändern – auch jene von Investoren. Es ist eine in den Straßen verankerte Bewegung, die nach den mit Photovoltaik ausgestatteten Dächern greift; und dessen Überlegung in einem einfachen Mantra zusammengefasst werden kann: Fossile Eiszeit, sonniges Tauwetter – lassen wir sie im Boden.

          Der Triumpf ist nicht gewiss. Und große Verluste – wie die vermehrten Überflutungen, Dürreperioden und schmelzende Gletscher klar machen – sind garantiert. Zum ersten Mal in einem Vierteljahrhundert – seit globale Erwärmung ein wichtiges Thema wurde – wendet sich die öffentliche Meinung jedoch von Exxon, BP und anderen ab, und der bunt gemischten, weit verbreiteten antifossilen Brennstoffbewegung zu. Eine Bewegung, die von den dort lebenden Menschen, jungen Menschen, jenen Menschen, die die verschmutzte Luft tagtäglich einatmen, geleitet wird. Der Kampf wird nicht auf Paris warten. Der Kampf findet jeden Tag auf jedem Kontinent statt.

          Zuerst die fossile Eiszeit

          Am 24. Februar sprach Barack Obama sein Veto gegen Pläne des Kongresses, ihn zum Bau der Keystone Pipeline zu zwingen, aus. Die Pipeline hätte Rohöl aus Alberta in Canada zu den Raffinerien an der amerikanischen Golfküste gebracht. Vor vier Jahren ergab eine Studie von Energie-Insidern in Washington DC, dass 91 Prozent dachten, Transcanda (die kanadische Gesellschaft, die die Pipeline bauen will) würde schnell und ohne Probleme die Genehmigung für den Bau bekommen. Die Firma war so selbstsicher, dass sie den Streifen, der quer durch die Landesmitte aufgegraben werden würde, bereits niedermähten. Diese Arroganz ist einfach zu erklären: Kein Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung wurde bisher gestoppt. Diese Arroganz kollidierte allerdings mit den unermüdlichen Gruppen amerikanischer Indianer, Bauern, sowie Klimaforschern und Wissenschaftlern, die in Rekordzahlen ins Gefängnis gingen, öffentliche Kommentare einreichten, und generell verweigert haben, ihren Widerstand aufzugeben.

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